Mit dem Fahrrad raus aus der eigenen Stadt, um neue Orte zu erkunden – für Viele ist das eine tolle Vorstellung. Nur wo lässt es sich rund um Radolfzell bequem radeln?

Das Tourismus- und Stadtmarketing präsentiert auf seiner Internetseite und in einem Flyer neun Radtouren. Wie Sabine Hellner von der Marketingleitung erklärt, wurden sie in den vergangenen Jahren von ortskundigen Mitarbeitern zusammengetragen und sollen auch für Gelegenheits-Radfahrer ohne besondere Ausrüstung geeignet sein: „Da sind zwar schon mal Schotterwege dabei, aber nichts, was ein normales Tourenrad nicht schafft.“ Ausnahmen bilden zwei Strecken des Bodensee Megathlons, die geübte Sportler als Trainingsstrecke nutzen können.

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Um herauszufinden, wie geeignet die vorgeschlagenen Routen für eine Radtour sind und ob die Angaben des Tourismus- und Stadtmarketing zu Zeitaufwand und Schwierigkeit korrekt sind, wage ich den Selbsttest und schwinge mich aufs Fahrrad. Da ich zugegebenermaßen kein allzu großer Radfahr-Enthusiast bin, wähle ich die kürzeste Strecke, die von Radolfzell nach Horn und wieder zurück führt. Ihre Schwierigkeit ist mit „leicht“ angegeben – besonders viel Kondition sollte ich also nicht brauchen.

Bild: Schönlein, Ute

Bei bestem Wetter radle ich los. Start- und Zielort ist der Bahnhof Radolfzell. Am Seeufer entlang führt mich die Tour zunächst nach Moos, dann über Iznang und Gundholzen bis nach Horn. Über Weiler fahre ich im Anschluss zurück nach Iznang und dann wieder nach Radolfzell. Obwohl die Tourenstrecke nicht ausgezeichnet ist, also keine speziell ausgezeichneten Wegweiser die Richtung anzeigen, ist die Richtung nicht schwer zu finden. Im Vorfeld hat Sabine Hellner mir erklärt, dass die vom Tourismus- und Stadtmarketin vorgeschlagenen Strecken zum Großteil auf bestehenden Radwegen verlaufen. Und tatsächlich muss ich die meiste Zeit gar nicht auf meine mitgebrachte Karte schauen, sondern kann mich an Schildern oder Pfeilen orientieren, die Radfahrern zeigen, wo es lang geht. Wer sich darauf nicht verlassen möchte und Karten für antik hält, kann übrigens auf der Internetseite des Tourismus- und Stadtmarketings die Tourendaten herunterladen und sich von GPS-Gerät oder Smartphone den Weg weisen lassen.

Schilder wie diese weisen die offiziellen Radwege aus
Schilder wie diese weisen die offiziellen Radwege aus | Bild: Marinovic, Laura

Dort werden auch die Höhenmeter der Tour, Aussichtspunkte und Anfahrtsmöglichkeiten nach Radolfzell aufgelistet. Zudem rät das Tourismus- und Stadtmarketing zu angepasster Ausrüstung – darunter ausreichend Proviant und Getränke. Damit das nicht im Stehen verzehrt werden muss, sind entlang der Fahrradstrecke viele Bänke zu finden, die zu einer kurzen Pause einladen. Aber selbst, wer nichts eingepackt hat, muss nicht verhungern oder verdursten, da auch Restaurants, Cafés und Imbissstände zahlreich zu finden sind. Nur an einem fehlt es leider: Schatten. Bereits nach kurzer Zeit lässt meine Freude über das gute Wetter rapide nach, denn fast die gesamte Tour hindurch knallt die Sonne unbarmherzig vom Himmel herab.

Grün, soweit das Auge reicht: Die meiste Zeit führt die Tour zwischen Wiesen und Feldern hindurch und am Bodensee entlang
Grün, soweit das Auge reicht: Die meiste Zeit führt die Tour zwischen Wiesen und Feldern hindurch und am Bodensee entlang | Bild: Marinovic, Laura

Vielleicht liegt es auch an dieser zusätzlichen Belastung, dass ich statt den eineinhalb Stunden, die die Strecke angeblich in Anspruch nimmt, eindreiviertel brauche. Oder aber, es liegt an einem kleinen Fehler in der vorgeschlagenen Tour: In Horn soll ich, anstatt direkt nach Weiler, davor in Richtung Ufer fahren, dort Kehrt machen und anschließend auf der gleichen Straße wieder zurück zu der Stelle fahren, von der ich komme, ehe ich die Tour fortsetzen kann. Zu finden ist auf diesem Abschnitt allerdings außer Wohnhäusern nichts. Oder bin ich einfach nur blind? Nein, versichert Sabine Hellner. Dieser Schlenker mache tatsächlich keinen Sinn – ein Fehler in der Planung also, der mittlerweile auf der Internetseite behoben wurde.

Video: Marinovic, Laura

Dennoch – die Radtour hält, was das Tourismus- und Stadtmarketing verspricht. Sie ist leicht zu fahren, beinhaltet nur wenige leichte Anstiege, führt durch herrliche Natur und fast die gesamte Zeit am Wasser entlang. Nur die wenigen Schattenplätze stellen ein Manko dar. Laut Internet eignet sich die Strecke am besten für Fahrradtouren von April bis November, im Hochsommer würde ich sie allerdings nicht empfehlen. Es sei denn, zur Ausrüstung werden Badehosen und Handtücher hinzugefügt.

Weitere Radtouren rund um Radolfzell

Bild: Schönlein, Ute

Eine Tour, die vom Tourismus- und Stadtmarketing empfohlen wird, führt auf einem Radweg parallel zur Bundesstraße 33 über Markelfingen und Allensbach nach Konstanz. Über die Rheinbrücke und den Gottlieber Zoll geht es schließlich auf die Schweizer Seite des Bodensees. Am Ufer entlang führt die Tour über Steckborn nach Stein am Rhein, von wo aus es über die Höri zurück nach Radolfzell geht.

Bild: Schönlein, Ute

Von Radolfzell aus führt diese Radtour zunächst nach Markelfingen und auf einem Radweg neben der Bundesstraße 33 nach Allensbach und dann weiter nach Konstanz. Auf Höhe der Kindlebildkapelle vor der Reichenau führt die Tour anschließend über den Damm auf die Insel. Diese wird einmal umrundet, ehe es auf dem gleichen Weg wieder zurück nach Radolfzell geht. Alternativ kann ein Schiff genommen werden.