Im Rahmen der 26. Internationalen Sommerakademie geht es in dieser Woche in deren zweite Runde: Nach den Meisterkursen für Violine, Violoncello und Klavier bieten die Südwestdeutsche Philharmonie und Johannes Schlaefli, Dozent der Ausbildungsklasse Dirigieren an der Zürcher Hochschule der Künste, jungen begabten Nachwuchs-Dirigenten ein Forum, das im Abschlusskonzert am Samstag endet. Dann werden alle acht Kandidaten aus sechs Ländern im Milchwerk am Pult stehen und das Konstanzer Profi-Orchester dirigieren.

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Wie viel Vorbereitung nötig ist, um ein solches Projekt auf die Beine zu stellen, schildert Johannes Schlaefli: „Wir hatten in diesem Jahr 110 Bewerbungen aus aller Welt und haben acht Kandidaten nach ihrer Vita und einem Video, das sie schicken mussten, ausgewählt.“ Schlaefli strebt eine gute Mischung von erfahreneren jungen Dirigenten und solchen mit wenig Erfahrung, aber viel Talent an, denn der Austausch mit den jungen Kollegen sei auch für ihn sehr bereichernd: „Dirigieren ist nämlich eine sehr einsame Profession.“

Schirmherrin Insa Pijanka, Intendantin der Südwestdeutschen Philharmonie, knüpft an: „Uns ist die Weiterentwicklung der Profession wichtig und dazu gehört unbedingt die Förderung des Nachwuchses. Das liegt in der Verantwortung des Orchesters.“ Denn je besser die Hilfe sei, umso bessere Leute habe man später am Pult. Hans Heinrich Hartmann, Leiter der Musikschule Radolfzell, die die Sommerakademie ausrichtet, ist stolz, von der Früherziehung bis zum höchsten Niveau mit internationalen Studenten Musikbildung anbieten zu können. Und Bürgermeisterin Monika Laule betont, wie wichtig der Baustein „Sommerakademie“ für die Musikstadt Radolfzell sei.

Schüler und Meister: Chaowen Ting, Johannes Schlaefli und Jascha von der Goltz (von links) fachsimpeln während der Pause im Foyer des Milchwerks.
Schüler und Meister: Chaowen Ting, Johannes Schlaefli und Jascha von der Goltz (von links) fachsimpeln während der Pause im Foyer des Milchwerks. | Bild: Veronika Pantel

Die Studierenden Chaowen Ting aus Taiwan und Jascha von der Goltz aus Deutschland betonen im Pressegespräch, wie wichtig es sei, von Johannes Schlaefli und dem Orchester Rückmeldung zu bekommen: „Wir lernen hier so viel in wenigen Tagen und manchmal wird man ganz nervös, weil man so viele Anweisungen umsetzten muss.“ Sie finden es beide sehr gut, dass jeder Kandidat auch im Abschlusskonzert dirigiert.

Wie auch im letzten Jahr, hat die Messmer Stiftung einen Preis von 1000 Euro ausgesetzt. Den vergibt das Orchester an den Dirigenten oder die Dirigentin, mit dem es am besten zusammengearbeitet hat. Der Wettbewerb sei Teil dieses Berufes, erläutert Johannes Schlaefli. Student Jascha von der Goltz ergänzt: „Man muss sich vom Gedanken, einen Preis gewinnen zu wollen, freimachen und ganz für die Musik leben.“

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Studentin Yeo Ryeong Ahn aus Südkorea gibt bei der öffentlichen Probe im Milchwerk davon schon einmal eine Kostprobe: In der Ouvertüre „Das Märchen von der schönen Melusine“ von Felix Mendelssohn Bartholdy zeigt sie anschaulich und mit großem Engagement, wie viel Arbeit darin steckt, mit einem Profi-Orchester zu einem Konsens in der musikalischen Aussage zu kommen, wenn man eigene Ideen, die Vorschläge des Dozenten und die Anregungen aus dem Orchester unter einen Hut bringen muss. Das Abschlusskonzert am Samstag verspricht also ein spannendes Erlebnis zu werden. So wie es bei den früheren Dirigierkursen schon der Fall war.