Knapp drei Jahre ist der Amphibientunnel an der B 34 zwischen Radolfzell und Espasingen alt. Er soll den zahlreichen Kröten, Fröschen und Lurche, die im Winter im benachbarten Wald leben, den Weg in ihr Laichgebiet ermöglichen, ohne auf der vielbefahrenen Bundesstraße unter die Räder zu kommen.

Für eine Einrichtung im Straßentiefbau eigentlich ein recht junges Alter. Doch es zeigen sich bereits erste Verschleißspuren, die den Nutzen dieser Anlage massiv mindern. Das sagt zumindest Egon Zieger aus der Nähe von Karlsruhe.

Freiwilliger Amphibienschützer versucht über Mängel aufzuklären

Der pensionierte Bauunternehmer ist leidenschaftlicher Amphibienschützer und beschäftigt sich seit vier Jahrzehnten mit der Frage, wie man den Tieren den Weg über die gefährlichen Straßen erleichtern kann. In ganz Baden-Württemberg recherchiert er und setzt sich für besseren Ambibienschutz ein. Die Anlage an der B 34 sieht er sehr kritisch.

„Hier wurde keine gute Arbeit geleistet“, sagt er. Die Anlage, die laut Information des Regierungspräsidiums Freiburg 445 000 Euro gekostet hat, zeige seiner Ansicht nach massive Mängel auf. Sowohl in der grundsätzlichen Planung als auch in der Umsetzung.

An der Einfahrt auf einen landwirtschaftlichen Weg, an dem auch ein beliebter Obst-Verkaufsstand steht, ist die Metallschiene bereits weit vom Übergangstunnel weggedrückt worden. Die Halterung ist durch den Druck der Erdmasse aus dem Beton geplatzt. Es klafft eine große Lücke.

Frösche schlüpfen durch jede kleine Lücke

„Und hier gehen die Frösche natürlich hoch auf die Straße“, sagt Egon Zieger. Jede Lücke in der Amphibienleitanlage und dem Tunnelsystem werde von den Tieren ausgenutzt. Sie würden stets den direkten Weg nehmen, wenn dieser möglich wäre. Auch wenn er auf die viel befahrene Straße führe.

Überhaupt sei die Materialwahl bei dieser Anlage ungünstig, sagt der pensionierte Bauunternehmer. Das Metall der Leitschienen, die die Frösche zu den Tunneln führen sollen, erhitze sich bei Sonnenbestrahlung auf über 50 Grad und könne diese Wärme lange speichern.

Metall erweist sich als günstiges, aber ungeeignetes Material

Gerade die Jungtiere würden vor allem tagsüber wandern und diese enorme Wärme würde ihnen schaden, sagt Zieger. Dann gebe es unter den Blechen und vor allem an den Schienen, die hinab zu den Tunneln führen, zahlreiche große Lücken und Löcher, in die sich Frösche verirren können.

Frösche gehen nur in den Tunnel, wenn sie Licht am anderen Ende sehen. Hier ist der Eingang zugewachsen.
Frösche gehen nur in den Tunnel, wenn sie Licht am anderen Ende sehen. Hier ist der Eingang zugewachsen. | Bild: Schneider, Anna-Maria

Das mache die Amphibien auch anfällig für Beutetiere. Vor allem Wanderratten hätten so leichtes Spiel, die Frösche zu fangen, sagt der Amphibienschützer.

Weiter kritisiert er, dass das Gras dürfe viel zu hoch wachsen dürfe. Einerseits würde es den Tunnel verdunkeln, sodass die Tiere gar nicht erst hineingehen würden. Andererseits wäre es für die Frösche sehr anstrengend, sich durch das hohe Gras zu kämpfen.

Diese Ecke des Tunnels steht frei und könnte zur Stolperfalle werden, sollte ein Motorradfahrer von der Fahrbahn abkommen.
Diese Ecke des Tunnels steht frei und könnte zur Stolperfalle werden, sollte ein Motorradfahrer von der Fahrbahn abkommen. | Bild: Schneider, Anna-Maria

Einen weiteren Kritikpunkt an der Anlage betrifft den Schutz der Menschen. Die Tunnelanlage weise zur Straßenseite hin eine tiefe Betonkante (siehe Foto). Egon Zieger sieht darin eine gefährliche Stolperfalle am Straßenrand, welches die Verkehrssicherheit gefährden könnte.

Das Regierungspräsidium Freiburg weiß von den Schäden an der Anlage, weist aber die grundsätzlichen Planungsfehler zurück. Die angeführten Schäden seien bei einer Begehung im Sommer festgestellt worden, teilt der stellvertretende Pressesprecher des Präsidiums, Matthias Henrich, auf Nachfrage mit.

Schäden sollen behoben werden

Deren Behebung sei bereits in Auftrag gegeben. „Die Schäden, zum Beispiel an der Abfahrt zum Obststand sind durch kurvenabkürzenden Schwerverkehr oder Traktoren hervorgerufen worden“, schreibt Henrich. Alle Schäden seien erfasst und würden von der Straßenmeisterei nach Priorität abgearbeitet.

Auch habe man Schachtabdeckungen, die den Amphibien zur Falle werden könnten, mit kleinmaschigem Drahtgitter abgedeckt. Darüber hinaus würde man Leiteinrichtungen verlängern und Zuleitungselemente zusätzlich verlegen, wobei diese Arbeiten erst geplant und ausgeschrieben werden müssten.

Regierungspräsidium hat sich an die geltenden Normen gehalten

Bei der Tunnelplanung habe man sich an dem „Merkblatt zum Amphibienschutz an Straßen“, kurz MamS, und dem „Merkblatt zur Anlage von Querungshilfen für Tiere und zur Vernetzung von Lebensräumen an Straßen“ (MAQ) gehalten, so Henrich weiter. An der Erstellung des MamS habe Amphibienschützer Egon Zieger sogar aktiv mitgearbeitet.

Egon Zieger bestätigt dies, sieht aber die Merkblätter nicht konsequent umgesetzt. Auch mache er die Unwissenheit der Planungsbüros mit den besonderen Bedürfnissen der Amphibien für Fehlplanungen wie an der B 34 verantwortlich.

„Aus Kostengründen wird oft Blech statt Beton genommen, doch man sieht, dass es nicht funktioniert, sie sind nicht langlebig“, sagt Egon Zieger. Der Rentner ärgert sich vor allem über die aus seiner Sicht vergeudeten Steuergelder, die dem Amphibienschutz nicht wirklich helfen.

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Zur Krötenwanderung

Jedes Frühjahr machen sich die heimischen Kröten aus ihrem Winterquartier zu ihrem Laichgewässer auf. Im Herbst zieht es sie zurück in ihr Winterquartier. Die Erdkröten versuchen zum Laichen, zum Ablegen ihrer Eier, immer wieder zu dem Gewässer zurückzukehren, in dem sie selbst geschlüpft sind. Erdkröten zählt man aus diesem Grund zu den ortsgebundenen Amphibien. Um jedes Jahr zurück zu finden, können Erdkröten sogar verschiedene Himmelsrichtungen feststellen. Sie orientieren sich an Waldwegen und Waldrändern. Und wenn sie in der Nähe ihres Gewässers angekommen sind, erkennen sie es sogar am Geruch.