Als Gerhard Heckner sich nach dem ersten Stück seinem Publikum zuwandte, bot sich dem Dirigenten in der vollbesetzten Stahringer Homburghalle nach eigenen Worten "ein wunderschönes Bild mit vielen Menschen, die uns ans Herz gewachsen sind" dar.

Ob Ehrenmitglieder, Vertreter befreundeter Vereine und der Verbände sowie Weggefährten und Freunde der Blasmusik – das Frühjahrskonzert des Musikvereins Stahringen bescherte allen ein besonderes Konzerterlebnis. Heckner ließ es sich nicht nehmen, sein Publikum selbst durch das Programm zu führen, schließlich wollte er seine Gedanken zu den liebevoll ausgewählten Stücken mit den Zuhörern teilen.

Klaus-Günter Neumann spielt ein beeindruckendes Trompetensolo.
Gregor Hirling spielt ein beeindruckendes Trompetensolo. | Bild: Petra Reichle

Bewusst als Eröffnungsstück gewählt wurde der "Marsch der Freiheit" von Gerald Ranacher – das Thema Freiheit zog sich durch das ganze Programm, denn bei allen Stücken konnten sich die Zuhörer von der Musik tragen und ihren Gedanken freien Lauf lassen. Auch die Komposition "Monumentum" von Martin Scharnagl ergriff das Publikum vom ersten Ton an.

Musik wirft das Kopfkino an

Die laut Heckner "spannende und kurzweilige Overtüre" bot alles, was die Blasmusik zu bieten hat, in einem einzigen Stück: erhabene, majestätische Töne, stetig sich wiederholende, schreitende Begleitrhythmen, elegante Zwischenspiele, ein tänzerisches Allegro sowie ein rasantes und spritziges Finale.

Genauso wie der Komponist bei seiner Komposition prachtvolle Denkmäler vor seinem geistigen Auge entstehen ließ, lud Heckner sein Publikum ein, sich bei dem Stück gedanklich bei einem Waldspaziergang auf die prachtvolle Ruine Homburg zu begeben und den Weitblick auf das sonnige Stahringen zu genießen.

Der Dirigent als Solo-Trompeter

Beim Stück "Der alte Dessauer" von Alwin Franz griff der Dirigent selbst zur Trompete und glänzte im Gegensatz zur Generalprobe – laut Heckner verlief diese katastrophal – mit seinem Trompetensolo. Markus Haltmeyer übernahm zum ersten Mal den Taktstock und führte die Musikanten gekonnt durch das anspruchsvolle Stück.

Liebhaber der traditionellen Konzertwalzer kamen bei dem Stück mit dem verheißungsvollen Titel "Wein, Weib und Gesang" von Johann Strauß aus dem Jahre 1847 auf ihre Kosten. Vom altbewährten, bekannten Walzer ging es mit dem Stück "Dramatic Tales – Die Sage vom Todten Moos" direkt in eine neue Komposition von Markus Götz aus dem Jahre 2018 über.

Musikanten des Stahringer Musikvereins wurden im Rahmen des Frühjahrskonzerts geehrt (von links): Dirigent Gerhard Heckner, 1. Vorsitzender Rolf Haltmeyer, Leonie Rebholz, Philip Rohleder, Annika Jerg, Leonard Graf, Julia Siber, Gregor Hirling und Johannes Steppacher (Vorsitzender des Blasmusikverbands Hegau-Bodensee).
Musikanten des Stahringer Musikvereins wurden im Rahmen des Frühjahrskonzerts geehrt (von links): Dirigent Gerhard Heckner, 1. Vorsitzender Rolf Haltmeyer, Leonie Rebholz, Philip Rohleder, Annika Jerg, Leonard Graf, Julia Siber, Gregor Hirling und Johannes Steppacher (Vorsitzender des Blasmusikverbands Hegau-Bodensee). | Bild: Petra Reichle

"Altes mit Neuem kombinieren" lautete das Motto des Konzerts – während der erste Teil vorwiegend von der traditionellen Blasmusik lebte, wurde es im zweiten Teil rockig und poppig. Die Medleys "Hotel California" mit Popsongs der Eagles, "Get up and Go" von Stefan Schwalgin, "Hey Tonight" mit Rock-Klassikern der 70er Jahre sowie dem Hard Rock Medley "Bon Jovi-Rock Mix" sorgten für Begeisterung.

"Wie klingt eigentlich Stille?", fragte Gerhard Heckner sein Publikum und gab mit dem Stück "The Sound of Silence" des Komponisten Paul Simon die Antwort. Stille kann einfühlsam, berührend und gleichzeitig kraftvoll und mitreißend klingen – und kann so auch zu einem der Höhepunkte eines Blasmusik-Konzerts werden.

Berührendes Solo

Mit einem Klassiker der Instrumentalmusik – "Wunderland bei Nacht" von Klaus-Günter Neumann – endete das Programm. Das Arrangement lässt vor allem die Trompete glänzen, und Gregor Hirling spielte ein berührendes Trompetensolo.

"Altes mit Neuem verbinden" lautete nicht nur das Motto des Konzertabends – auch der Musikverein lebt von dieser Kombination. Junge und nicht mehr ganz so junge musizierende Menschen bilden seit mehr als 80 Jahren die Basis des Traditionsvereins und bereiten seither Alt und Jung Freude.