"Wir haben nicht nur viel öffentliches Grün, sondern eine Gartenvielfalt in den Quartieren, die sich sehen lassen kann", eröffnet Gemeinderat Norbert Lumbe (SPD) als stellvertretender Oberbürgermeister die Preisverleihung beim Wettbewerb Naturgärten im Zunfthaus der Narrizella Ratoldi: "Gerade im Jubiläumsjahr blüht und sprießt es so schön wie selten." Gärten würden Spaziergänger dazu einladen stehen zu bleiben. In ihnen entstünde etwas, das das Stadtbild präge. Jeder der 48 Radolfzeller Teilnehmer des Wettbewerbs wurde mit einem Preis für sein Gärtnern belohnt. Fünf engagierte Bürger erhielten einen Spezialpreis für ihren Baumbestand. Traditionell wird die Preisverleihung mit einem Vortrag zum Spezialthema begleitet. Der Arborist Heinrich Holewa befasst sich mit dem Schutz städtischen Grüns und legt seinen Schwerpunkt auf Bäume und Gehölze. Er erläuterte, weshalb städtische Bäume weiß angestrichen werden.

Seit fast 20 Jahren bewertet der Leiter des Arbeitskreises "Naturnaher Garten", Ewald Kleiner, mit einer fünfköpfigen Jury die am Wettbewerb teilnehmenden Gärten von Radolfzell. Der Wettstreit unterscheidet sich deutlich von anderen Garten-Wettbewerben. Er begreift sich als Alternative zu klassischen Blumenschmuck-Wettbewerben. Die Schönheit des Gartens sei zweitrangig, erläutert Kleiner: Vielmehr stehe der ökologische Mehrwert eines Gartens im Vordergrund. Naturnahe Gärten bieten mit ihrer Auswahl an Pflanzen auch Tieren ein Refugium. In einem Naturgarten entsteht ein ureigenes Biotop für Insekten, Vögel und Igel. Am Wettbewerb beteiligten sich 27 Gärtner aus der Radolfzeller Kernstadt und 21 Bürger aus den Vororten – allein zehn Bewerber kamen aus Markelfingen.

Oft weiß man nicht, was in einem Baum vorgeht. Bäume seien komplexe Wesen, bei denen Wurzel und Stamm zusammengehören, so Heinrich Holewa von der städtischen Abteilung Landwirtschaft und Gewässer zum Spezialpreis: Bäume seien Leichtbau-Meister und lagertn nur dort Holz an, wo sie es benötigen. Die Wurzeln seien für den Wasserhaushalt des oberirdischen Teils verantwortlich, so der Arborist: Blätter ernähren das Wurzelwerk mit Traubenzucker, die als Stärke angelagert werden könne – wie in einem Kartoffelkeller. Die Zugkraft einer daumendicken Wurzel belaufe sich auf etwa eine Tonne. Standort und Wahl eines Baumes will überlegt sein. Der Arborist empfiehlt dabei einen Blick ins Nachbarrecht, das den Abstand in Abhängigkeit von der potenziellen Größe bei der Pflanzung zum nächsten Grundstück regelt. Baumwurzeln brauchen Sauerstoff. Das ist der Grund, weshalb sie Straßenbeläge durchbrechen können. Auch das Laub auf dem Boden sei ökologisch wertvoll, so Holewa: Es biete Tieren ein Refugium.

Angelieferte Bäume aus Baumschulen haben nach ihrem Ausstechen rund 90 Prozent ihres Wurzelwerks verloren. Die verbliebenen Wurzeln müssten dringend feucht gehalten werden, damit sie weiter wachsen können, so Heinrich Holewa: Wasser sollte gezielt durch einen Gießrand oder mit einem Wassersack auf den Ballen gegeben werden. Heiße Sommertage machen auch Bäumen zu schaffen. Auf die Stamm-Rinde treffen Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius. Ein Weißanstrich schützt vor thermischen Schäden an der Rinde, das zum Absterben von Baumgewebe führen kann, erklärte Holewa. Platanen schützen sich, indem sie ihre Rinde selbst abschälen.

Der Wettbewerb

Naturnahe Gärten und Grünanlagen sollen die heimischen Wildtiere und -pflanzen fördern. Der Wettbewerb gibt Hobbygärtnern, Unternehmen und Institutionen einen Anreiz, einen artenreichen Garten anzulegen und die Gelegenheit, sich auszutauschen und zu motivieren. Es werden Biotope prämiert, die im Sinne von Naturgärten angelegt sind. Das Spezialthema des diesjährigen Wettbewerbes lautet: "Wildsträucher – blühend und fruchtend. Ein wertvoller Beitrag zur Ökologie in der Stadt und ihren Ortsteilen". Anmeldungen an die Stadt, Abteilung bürgerschaftliches Engagement, dem Stichwort "Naturgärten", oder durch die ausgelegten Broschüren.