Die Stadt will sich einen kompletten Überblick über die Radolfzeller Bildungslandschaft verschaffen. Aktuell wird ein sogenannter Bildungsbericht erstellt, der "datenbasierte Erkenntnisse über das Bildungssystem vor Ort" liefern soll, wie Bürgermeisterin Monika Laule in einem Pressegespräch erläutert hat. Auch wenn zum Beispiel Schulbildung inhaltlich Ländersache ist, wollen sich die Kommunen ebenfalls einbringen und als aktive Akteure und nicht nur zahlender Schulträger die Bildungslandschaft mitgestalten. Schließlich ist die Qualität des Bildungsstandorts ein nicht unerhebliches Pfund im Wettbewerb der Städte.

Der Bildungsbericht soll dafür die Grundlage liefern. Die kommunalen Entscheidungsträger bekommen mit dem Bildungsbericht einen Überblick über die Faktoren, die Einfluss auf die Qualität der Bildung haben. Dafür braucht es vor allem viele Daten – nicht nur aus dem Bildungsbereich, also über Schultypen, Schülerzahlen und Abschlüsse, sondern auch aus dem sozialen Bereich, wie demografische Entwicklung, Migrationshintergrund oder die Situation auf dem Arbeitsmarkt vor Ort. "Das ist das Besondere: dass im Bildungsbericht Daten aus dem Bildungs- und Sozialbereich zusammengeführt werden", erklärt Anke Schlums, die Radolfzeller Bildungsmanagerin, die für den Bildungsbericht zuständig ist.

Sie ist gerade dabei, die notwendigen Daten zu beschaffen, ein sehr umfangreiches Unterfangen. Im Herbst erfolgt die Auswertung der Datensätze durch einen externen Experten, Hans Döbert, der sich auf kommunales Bildungsmonitoring spezialisiert hat. Im Frühjahr 2018, so der Zeitplan, soll der fertige Bildungsbericht vorliegen. Ein Konvolut der relevanten Daten, lesbar aufbereitet und mit entsprechenden Handlungsempfehlungen für die Entscheider versehen.

Inhaltlich geht es um die ganze Bandbreite der Radolfzeller Bildungsangebote von 0 bis 20 Jahre: Von frühkindlicher Bildung über Schule, Ganztagsbetreuung und berufliche Bildung bis hin zur Inklusion. Ein roter Faden soll das Thema Sprache sein. Dass nun auch noch die Kommunen bei der Bildung "aktiv mitgestalten wollen", wie Anke Schlums sagt, sei eine neue Entwicklung. Die relevanten Akteure wie Schulen, Kitas, Eltern oder die Kammern, begrüßten das, wenn auch mit etwas Zurückhaltung, so Monika Laule auf Nachfrage. Bei einer Bildungskonferenz Ende Mai wurde das Konzept bereits vor etwa 60 Teilnehmern vorgestellt, die Bildungsträger sollen von Anfang an mit eingebunden sein.