Das Land Baden- Württemberg und die Stadt Radolfzell führen am Donnerstag 27., und Freitag, 28. Februar, als dringend geltende Verkehrssicherungsarbeiten entlang des Mindelseeweges (Südufer Mindelsee) durch. In dieser Zeit wird der Mindelseeweg gesperrt werden, um Fußgänger und andere Nutzer des Weges nicht zu gefährden.

Die Arbeiten sind notwendig, da durch die Trockenheit der letzten zwei Jahre die Kronen vieler Bäume geschädigt oder abgestorben sind und auf den Weg zu fallen drohen. Das Forstamt bittet dringlich darum, die Absperrungen einzuhalten.

„Bäume können unvermittelt umfallen“

Bei einem Vor-Ort Termin mit dem zuständigen Förster vom Land Baden-Württemberg, Michael Flöß, hat dieser gegenüber dem SÜDKURIER die Notwendigkeit der Arbeit noch einmal verdeutlicht. Entlang des Weges, der am Markelfinger Friedhof beginnt und am Südufer des Mindelsees verläuft, sind zahlreiche Bäume bruchgefährdet.

Bei der Mehrzahl der Bäume handelt es sich um Eschen, die von dem sogenannten Eschentriebsterben (siehe Infotext) betroffen sind. Die eingeschleppte Pilzerkrankung hat nicht nur am Mindelsee fast alle Eschen erfasst.

Umgestürzte Eschen am Ufer des Mindelsees. Die später gefällten Bäume werden die Förster ebenfalls liegen lassen, weil ins Wasser ragende Zweige einen guten Lebensraum für Fische darstellen.
Umgestürzte Eschen am Ufer des Mindelsees. Die später gefällten Bäume werden die Förster ebenfalls liegen lassen, weil ins Wasser ragende Zweige einen guten Lebensraum für Fische darstellen. | Bild: Jarausch, Gerald

Die Krankheit ist zu Beginn vor allem in der Baumkrone zu erkennen. Die kleineren Zweige sterben ab, zurück bleibt ein Gerippe der stärkeren Zweige. Später oder auch zum Teil zeitgleich befällt der Pilz die Wurzeln und den Stamm. Vor allem der Befall der Wurzeln führt zu einer massiven Instabilität des Baumes und macht ihn so zu einer Gefahr für jeden, der sich im Bereich des Waldes aufhält. „Die Bäume können unvermittelt umfallen“, erklärt Michael Flöß.

Einige Eschen bereits umgestürzt

So etwas ist am Südufer des Mindelsees bereits vorgefallen. Eschen in naher Uferlage kippten samt eines nur kleinen Wurzeltellers um. Dabei haben gesunde Eschen eigentlich einen verhältnismäßig großen Wurzelteller, der obendrein noch tief in die Erde reicht. Das alles kann sehr schnell passieren. Von dem ersten Befall bis zur kompletten Schädigung vergehen manchmal nur zwölf Monate. Aus diesem Grund werden die Bereiche an Wegen regelmäßig überprüft und gesichtet.

Das mosche Wurzelwerk einer Esche, die vom Eschentriebsterben befallen ist.
Das mosche Wurzelwerk einer Esche, die vom Eschentriebsterben befallen ist. | Bild: Jarausch, Gerald

Für die Förster ist das Eschentriebsterben ein echtes Dilemma. Eschen galten in der Vergangenheit als ideale Bäume für feuchte Standorte. Das kehrt sich nun genau in das Gegenteil um. Sie werden zu einer Gefahr und werden in Zukunft wohl gar nicht mehr vorhanden sein.

Die Arbeiten am Mindelsee gelten als eine notwendige Sicherungsmaßnahme, da der Forst Wege im Wald, die von vielen Menschen genutzt oder befahren werden, frei von Schäden halten muss. Durch die Größe der Bäume reicht der Sicherungsbereich bis zu 30 Meter in den umliegenden Wald hinein.

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Sollte dennoch einmal etwas passieren und ein Mensch oder ein Gegenstand durch herabfallende Zweige oder Bäume verletzt und beschädigt werden, schauen die Versicherungen zunächst, ob der Forst seiner Pflicht nachgekommen ist. Sollte dem Förster eine Fahrlässigkeit nachgewiesen werden, wäre er sogar persönlich haftbar. Damit es dazu nicht kommt, werden nun erkrankte und beschädigte Bäume beschnitten oder gefällt.

Bäume nahe des Ufers lassen die Waldarbeiter so liegen, dass ihre Zweige im Wasser liegen. So können sich Fische und deren Räuber auf und in dem Astwerk ansiedeln. Auch sonst soll die Fällaktion eher dem Erhalt des Waldes und der Natur dienen. „Wenn wir Bäume wegnehmen, kommt auch immer etwas Neues von unten nach“, sagt Flöß. „Dann können sich auch kommende Generationen am Wald erfreuen.“