Manche Erinnerungen tun einfach weh. So geht es zumindest Stadträtin Nina Breimaier (FGL), wenn sie am Luisenplatz vorbei kommt. "Ich hab richtig Bauchschmerzen, wenn ich Bilder von Rechtsradikalen im Internet sehe, die am Luisenplatz posieren. Das ist ekelhaft", sagte sie. Unter den Bildern würde stehen "Endlich können wir wieder unserer Helden gedenken", berichtet sie. Der Platz müsse dringend entschärft werden, forderte sie während der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses. Der Arbeitskreis Erinnerung hatte gleich zehn Vorschläge, was man am Luisenplatz alles verändern könnte. Am Ende einigte man sich nach langer Diskussion auf vier Optionen, die weiter verfolgt werden. "Wir haben keine der Ideen bisher auf Machbarkeit oder Kosten überprüft", erklärte Angélique Tracik, Fachbereichsleiterin Kultur.

Auch Norbert Lumbe (SPD) hat so seine Sorgen mit dem Luisenplatz und vor allem mit der langen Diskussion um die richtige Erinnerungskultur. Das Kriegerdenkmal sei nicht nur Geschichtsunterricht über den Rassismus, sondern auch über den Umgang mit Geschichte in der Stadt. "Auch Jahrzehnte später überlegen wir noch immer, ob es dort an der richtigen Stelle steht", so Lumbe. Seiner Ansicht nach gehörten Figuren und Namenstafel zusammen. Nach seinem Vorschlag, der von einem Teil des Ausschusses befürwortet wurde, sollte man die Figuren drehen, sodass sie auf die Tafel zulaufen. Bei der endgültigen Abstimmung setzte sich dieser Vorschlag dann allerdings nicht weiter durch. Eine Grünbewachsung, eine Texttafel über Luise von Baden, der eigentlichen Namensgeberin des Platzes, die Schaffung eines Aufenthaltsortes und die Versetzung der Figuren auf dem Platz sind die Ideen, die weiter ausgearbeitet werden sollen.

Die Vorschläge mit Farbe, oder gar die Verlegung der Tafel oder Versenkung im Boden, fielen durch.

Der viel zitierte Leitsatz der Radolfzeller Erinnerungskultur wird von den Stadträten durchaus unterschiedlich interpretiert. "Mit Verantwortung für Gegenwart und Zukunft gegen das Vergessen" solle für die Gestaltung des Luisenplatzes die oberste Richtlinie sein. Der Zwiespalt ist offensichtlich: Man will nichts vertuschen oder verbergen, aber das Kriegerdenkmal muss in den richtigen Kontext gesetzt werden. Norbert Lumbe und Hermann Leiz (CDU) waren sich einige, dass man Rechtsradikale nicht davon abhalten könne, das Kriegerdenkmal zu missbrauchen. "Wir müssen Geschichte auch ertragen können", sagte Leiz. Für Dietmar Baumgartner sei das Mahnmal sogar positiv belegt, da es ihn stets daran erinnere, dass er das Privileg hatte, in Frieden aufwachsen und leben zu dürfen. Einig war man sich, dass schnell etwas verändert werden müsse. Am meisten Anklang fand die Idee des Seniorenrates, das Denkmal mit Efeu bewachsen zu lassen und nur zum Volkstrauertag die Tafeln mit den Namen der Gefallenen von dem Grün zu befreien.

Bewegte Geschichte

Der Luisenplatz ist immer wieder Schauplatz von politischen Aktionen. Rechtsradikale wie Mitglieder des Dritten Wegs, einer rechtsextremen Klein-Partei, die auch vom Staatsschutz beobachtet wird, besuchen den Platz, um Kränze niederzulegen. Auch wurde das Kriegerdenkmal immer wieder mit Farbe beschmiert. Eine Aktion, die Mitgliedern der Antifa zugeschrieben wird. Vor dem vergangenen Volkstrauertag verschwanden 50 Friedensfahnen, die Jugendliche, Vereine, Kinder und andere Bürger gemalt hatten, vom Platz. Ein Verdächtiger, ein 24-jähriger Anhänger des Dritten Wegs, konnte wegen zu geringer Beweislast nicht verurteilt werden. Während einer Kundgebung zum Tag der Befreiung am 8. Mai kam es in diesem Jahr zu Auseinandersetzungen und Handgemende zwischen Rechtsextremen und Linksaktivisten. (ans)

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