Kurz vor Beginn der Sitzung des Jugendgemeinderats herrscht fröhliches Stimmengewirr im Büro der Abteilung Kinder und Jugend. Seit September setzt sich ein neues Gremium von Jugendräten für die Belange der Jugendlichen ein. Vier Personen sammelten in den vergangenen Jahren bereits Erfahrung in der Interessenvertretung, elf Jugendliche sind neu. Aufstellung für ein Foto. Schnell blicken die jungen Leute selbstbewusst in die Kamera. Schwieriger gestaltet sich das Verhältnis zur Öffentlichkeit, wenn es um Meinungsäußerung geht. Hier weht seit September ein neuer Wind.

Was in der jüngsten Sitzung beschlossen wurde

In der Klausurtagung zu Beginn der Wahlperiode hat der JGR beschlossen, einen Teil seiner Sitzungen nicht öffentlich abzuhalten. Im öffentlichen Teil werden Besucher, die sich dem JGR vorstellen, empfangen. Des Weiteren gibt Vorsitzende Pauline Meyer bekannt, was in der vorigen Sitzung beschlossen wurde. In der jüngsten Sitzung war dies: Für Rock am Segel stehen die Termine für zwei Bandcontests fest. Anfang Oktober will der JGR sein 25-jähriges Bestehen im Milchwerk feiern. Ein Termin steht noch nicht fest. Soweit die Meldungen für die Öffentlichkeit.

Warum die Jugend unter sich bleiben will

Diskutiert wurde im Anschluss noch etwa zwei Stunden, erklärte Pauline Meyer auf Anfrage am nächsten Tag. Als Grund für den Ausschluss der Öffentlichkeit gab Meyer an, alle 15 Jugendlichen seien dafür gewesen, ohne das Beisein von Besuchern und der Presse zu diskutieren, um zu verhindern, dass unausgereifte Äußerungen, vor allem von jüngeren Mitgliedern, nach außen gelangen. Eine Abstimmung darüber habe nicht stattgefunden. Zudem habe der JGR eine klare Zielgruppe, so Meyer. Er will Jugendliche aus Radolfzell und Umgebung erreichen. Dazu ist ein Facebook-Profil eingerichtet. In Zukunft soll auch ein Snapchat-Account genutzt werden. Jugendrelevante Informationen an erwachsene Bürger weiterzugeben, sei nicht die Aufgabe des JGR.

Was man in der Satzung zum Thema findet

Die Gemeinderatssatzung definiert die Ziele des Jugendgemeinderats allerdings durchaus mit Hinblick auf eine Mitarbeit in der Öffentlichkeit: „Indem sie demokratisch und parteiunabhängig im politischen Leben mitarbeiten, soll ihre Bereitschaft, sich öffentlich zu engagieren und ihr Verantwortungsbewusstsein gefördert werden.“ In den vergangenen Jahren fiel der Jugendgemeinderat oft positiv auf. Seine Beteiligung am Stadtentwicklungskonzept im Jahr 2016 trug ihm den zweiten Platz beim Landeswettbewerb um den Jugendbildungspreis ein. Damals organisierten die Jugendlichen ein Forum, bei dem Bürger aller Altersschichten diskutierten. Die Nähe zu den im Rat diskutierten Themen sowie der generationenübergreifende Ansatz überzeugten die Juroren. Von diesem Ansatz scheint der Jugendgemeinderat in der aktuellen Besetzung Abstand zu nehmen.

Zum Gremium

Alle zwei Jahre werden 15 Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahren in den Jugendgemeinderat gewählt. Mit der Begründung, junge und neue Mitglieder schützen zu wollen, diskutiert der seit 2017 amtierende Rat erstmals in nicht öffentlichen Sitzungen. Wiederkehrende Projekte des JGR sind das Konzert „Rock am Segel“, die Mitwirkung am Hemdglonkerabend und sportliche Veranstaltungen für Schüler. Die Mitglieder dieser Wahlperiode sind 16 Jahre bis 20 Jahre alt. Pauline Meyer ist 2014 in den Rat nachgerückt. Seit drei Jahren hat sie den Vorsitz inne. (rei)