Sein Heimatland verlassen und nie wieder zurückkehren ist für viele Radolfzeller kaum vorstellbar. Für Homayun Karimi ist es vor 18 Jahren Wirklichkeit geworden. Im Rahmen der Aktion „Angekommen“ der interkulturellen Woche erzählt er seine Geschichte und Beweggründe für seine Flucht.

Am 2. Juni 2002 sei er nach Deutschland gekommen, erzählt der Afghane. Der damals 27-Jährige sei mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kinder 2001 aus Afghanistan geflohen. Die Flucht habe ein ganzes Jahr gedauert. In einem Zug in Ulm seien sie von Polizisten aufgegriffen worden. Von dort aus sei sie in eine Asylunterkunft in Karlsruhe, dann nach Freiburg und anschließend nach Radolfzell gegangen. Um die Sprache zu lernen, habe er einen Deutschkurs bei der Volkshochschule belegt.

Keine Hoffnung, die Heimat je wieder zu sehen

Durch den Terror der Taliban sei es nicht möglich gewesen, in Afghanistan weiter zu leben. Sein Vater habe dort eine Schuhfirma gehabt, in der er und seine Brüder gearbeitet hätten. Bis auf seine Frau, die beiden Kinder und seine Mutter habe er seine Familie durch die Taliban verloren. Karimi erklärt: „Die Menschen dort haben keine Rechte, keine Versorgung und keine Sicherheit. Junge Menschen und Kinder wachsen mit Waffen und Gewalt auf.“ Als mit einer Rakete auf sein Haus geschossen worden sei, sei er geflohen. Freiwillig habe er sein Haus nicht aufgegeben. Die Möglichkeit in sein Heimatland zurückzukehren gebe es nicht. Er erklärt: „Ich habe die Hoffnung in Afghanistan verloren. Der Krieg wird niemals enden.“

In Radolfzell ein Zuhause gefunden

Heute lebt der Lastwagen-Fahrer mit seiner Frau, seiner Mutter und seinen sechs Kindern in Radolfzell. Weil er selbst wisse, wie schwer es sei, in ein fremdes Land zu kommen, leiste er ehrenamtliche Hilfe. Karimi betont dazu: „Ich helfe nur solange sich die Person um die eigene Integration bemüht.“ Die Bedingungen für ihn damals seien sehr schwierig gewesen. Inzwischen habe sich die Hilfe für Flüchtlinge verbessert. Dies müsse angenommen werden. Er selbst habe in Radolfzell sein Zuhause gefunden, erklärt er.

Die Serie: Zur Interkulturellen Woche erzählen Migranten, wie sie in Radolfzell ihre neue Heimat gefunden haben. Wir stellen einige von ihnen in der Reihe „Angekommen“ vor