Im kommenden Jahr könnte für etliche Radolfzeller im Bereich der Schwertstraße eine spürbare Veränderung anliegen. Dann nämlich läuft der Pachtvertrag mit dem Netto-Markt aus. Nach Auskunft von Thomas Nöken, stellvertretender Dezernatsleiter Umwelt, Planen und Bauen, plant die Netto Marken-Discount AG & Co. KG den Markt bis voraussichtlich Ende Oktober 2018 geöffnet zu halten. Wie sich bei einer Nachfrage von Stadträtin Waltraut Fuchs (FGL) kürzlich im Ausschuss Planen und Bauen ergab, soll das Gelände vom Eigentümer mit Wohnungen überbaut werden.

Bereits vor fünf Jahren wurde eine Bauanfrage gestellt. Gegen die Umnutzung regt sich Widerstand. Insbesondere der Seniorenrat beklagt den ersatzlosen Wegfall der Nahversorgung. Im Gespräch vor Ort erklärten Mitglieder des Seniorenrates und eine Anwohnerin den Grund ihrer Klagen. "Der Weg zum Rewe oder zu Aldi ist hier für viele Menschen einfach zu weit", sagt Paula Bickel. "Viele ältere Menschen sind auf den Markt angewiesen", erklärt die Anwohnerin Heidi Wiedenbach. In der Tat sind in dem benachbarten Seniorenwohnheim "Pro Seniore" etliche der Netto-Kunden untergebracht. Auch viele Bewohner in der direkten Umgebung erledigen ihre Einkäufe gerne in der unmittelbaren Nachbarschaft. "Nahversorgung ist ein politisches Thema", sagt Seniorenratssprecher Xaver Müller. Er sieht die Stadt ein Stück weit in der Pflicht: "Die Nahversorgung gehört auch zur Stadtentwicklung", sagt er. Obwohl der Seniorenrat nach eigener Aussage keine Lösungen präsentieren kann, schlägt er vor, zumindest bei der künftigen Überbauung von Pfeifer Marine in der Josef-Bosch-Straße von Seiten der Stadt eine Nahversorgung mit vorzusehen.

Dort plant der Investor des Seevillenparks eine Erweiterung. Die Pläne dazu wurden bereits einmal in einem Ausschuss präsentiert. Allerdings missfielen einige der Ansätze dem Gremium. So sahen die Pläne einen lang gezogenen, vierstöckigen Bau vor. Bisher hat die Stadt an dieser Stelle keine konkreten Forderungen für eine Nahversorgung an den Investor gestellt. Dezernatsleiter Nöken ist die Problematik aber bewusst: "Die von uns in Auftrag gegebene Bedarfsanalyse 2015 hat ergeben, dass im Segment Lebensmittel ein Potenzial von 1500 – 2500 Quadratmetern Verkaufsfläche in der Gesamtstadt besteht. Durch die Schließung des Marktes wird das Potenzial noch etwas steigen", erklärte er jetzt auf Nachfrage des SÜDKURIER. Er hat auch schon eine Idee: "Im Rahmen des anstehenden Ideenwettbewerbs für das Areal Kapuzinerweg-Güterhalle wird das Thema Lebensmittelnahversorgung ein Handlungsfeld sein, welches erneut in den Gremien zu diskutieren sein wird. In näherer Umgebung des Netto-Marktes haben sich bisher noch keine Standortalternativen aufgetan", gibt Nöken zu. Untätig ist man indes nicht, wie er erklärt: "Wir versuchen, eine möglichst flächendeckende Versorgung der Bürger mit fußläufig erreichbaren Lebensmittelmärkten zu erreichen. Dazu sind wir ständig im Gespräch mit allen einschlägig bekannten Lebensmittelmarktbetreibern und Investoren."

Einkaufsmöglichkeiten

Nahversorgung in der Radolfzeller Innenstadt: Mit dem Wegfall des Netto-Marktes in der Schwertstraße bleibt derzeit nur noch das Kaufland in zentraler Lage. Ursprünglich sahen die Pläne der Stadt im Bereich des Mayer-Areals eine weitere Nahversorgung vor. Das Vorhaben ruht derzeit jedoch. Für Kunden im Bereich der Schwertstraße gibt es nach dem Wegfall des Nahversorgers in der Umgebung lediglich den Rewe-Markt am BEZ und den Aldi-Markt an der Friedrich-Werber-Straße. Für viele Menschen sind bereits diese Distanzen schon zu groß. (ja)