Der Seniorennachmittag in Güttingen machte deutlich, wie widersprüchlich der Umgang mit älteren Menschen manchmal sein kann. Die Liedervorführung der Kinder des Güttinger Kindergartens fand großen Anklang. Ortsvorsteher Martin Aichem sagte: „Kinder sind für die Erwachsenen eine Hoffnung auf Zukunft.“ Der ehemalige Leiter der Musikschule, Heinrich Braun, erklärte: „Singen hat etwas, das Generationen verbindet.“ Im Kindergarten werde dieses Kulturgut auch noch richtig gepflegt. Doch problematisch wurde es, als die Senioren zum Mitsingen aufgefordert wurden.

Vor rund fünfzig Jahren waren andere Lieder angesagt als „Jetzt kommen die lustigen Tage“. Damals gab es eine Schlagerszene und jeder konnte die Lieder mitsingen. Da die Besucher auch beim Lied „Die Gedanken sind frei“ nicht textsicher waren, konnte es also am Text nicht liegen. Das Musikprogramm dieses Nachmittages war völlig überaltert und wurde dem Publikum nicht gerecht. „Dieses Musikprogramm ist ein Witz. Es macht uns älter als wir sind“, sagte Werner Schneider, Rentner aus Güttingen und brachte das Problem auf den Punkt.

Es drängte sich die Frage auf, wie der Ort älteren Mitbürgern begegnet. Dabei kommt es weniger auf die Musikvorlieben an. Zwar soll die Gemeindescheune zu einem Treffpunkt auch für Ältere umgebaut werden, doch ob dies genügt?

Ortsvorsteher Aichem sagte dazu: „Darauf haben wir zu wenig geachtet.“ Senioren nicht auszugrenzen, sie nicht auf ein Abstellgleis zu schieben, sei eine gesellschaftliche Aufgabe. Aber, darauf weist Aichem auch hin, dann würde ein Seniorennachmittag auch teurer. „Wenn zum Beispiel der Musikverein hier auftritt, dann fallen auch Gema-Gebühren an.“ Diese Gebühren seien nicht unerheblich.

Am Musiker Adam Kuhn, der diesen Nachmittag auf seinem Akkordeon musikalisch begleitete, soll es nicht liegen. Kuhn sagte: „Ich habe ein großes Repertoire. Dazu gehört auch Tanzmusik.“

Martin Aichem denkt trotzdem über die Finanzmittel der Ortschaft nach und ob es die Gema-Gebühren nicht doch wert sein könnten.

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