Um das 25-jährige Bestehen des Jugendgemeinderats (JGR) in Radolfzell zu feiern, hatten sich die aktuellen JGR-Mitglieder etwas Besonderes ausgedacht. Mit einer Reise in die Vergangenheit präsentierte die Vorsitzende des JGR, Pauline Meyer, gemeinsam mit den JGR-Mitgliedern Karolina Wick und Leon Löchle im Milchwerk die jeweiligen Themen, Errungenschaften und Schwierigkeiten der vergangenen Jahre. Dazu gingen die JGR-Mitglieder vorher in Archiven auf die Suche nach alten Zeitungsartikeln, Flyern, Bildern und Unterlagen. Außerdem luden sie ehemalige Jugendräte ein, die sie teilweise auf die Bühne holten.

Ehemalige erinnern sich an die Anfänge

Gerade durch die Erinnerungen und Erzählungen der Ehemaligen wurde der Geschichte des Radolfzeller Jugendgemeinderats Leben eingehaucht. So gaben Jürgen Zureck, Daniela Haselberger und Carolin Teufel einen Einblick in das Jahr 1993 und somit in die ersten Tage des Jugendgemeinderats in Radolfzell. "Damals kamen Vertreter der Stadt in unser Gymnasium und meinten, wir Jugendliche würden nur meckern und hätten jetzt die Möglichkeit, etwas zu ändern", erzählt Jürgen Zureck.

Auch Daniela Haselberger erinnerte sich an eine damals "groß angelegte Werbekampagne" für den Jugendgemeinderat. Dies zeigte Wirkung, 55 Kandidaten ließen sich 1992 zur Wahl aufstellen – ein Wert, "den wir heute leider nicht mehr hinbekommen", so die Vorsitzende Pauline Meyer.

Jugendgemeinderat als Wegweiser in den Beruf

Für andere wiederum war die Mitgliedschaft im JGR ein Wegweiser in den Beruf. Bastian Hirling und Daniel Hepfer waren von 2003 bis 2007 beziehungsweise 2003 bis 2005 Jugendgemeinderäte in Radolfzell. "Das war die Grundlage für später", erklärte Hirling, der stolz auf die Errungenschaften des JGR ist. Mittlerweile arbeiten beide im öffentlichen Dienst. Durch ihre Mitgliedschaft im JGR hätten sie unter anderem gelernt, Diskussionen zu führen und sich für politische Themen zu interessieren, berichten sie auf der Bühne.

Viele Errungenschaften in 25 Jahren

Davon gibt es nicht wenige, wie die Präsentation zeigte. So hat der JGR 1995 mit einer Strandparty und 1000 Besuchern nicht nur die erste Großveranstaltung auf die Beine gestellt, sondern auch die Vorlage für die bis heute erfolgreiche Veranstaltung "Rock am Segel", die 2001 das erste Mal unter dem Namen stattfand und jährlich vom Jugendgemeinderat organisiert wird. Dazu kommt noch das Mitwirken bei der Planung eines Skaterparks im Jahr 2013 sowie des Jugendcafés Connect.

Oberbürgermeister Staab lobt Jugendliche

Eben für solches Engagement wurden die Jugendlichen an diesem Abend auch von Oberbürgermeister Martin Staab und Bürgermeisterin Monika Laule gelobt. Gerade in Zeiten von Politikverdrossenheit sei der Jugendgemeinderat "wichtiger denn je", erklärte Staab. "Wir als Stadtverwaltung sind stolz darauf, dass er so aktiv ist." Während manche Jugendgemeinderäte in anderen Städten versandeten, konnte er sich in Radolfzell halten, sagte Staab. In seinen 25-jährigem Bestehen sei der Jugendgemeinderat immer politischer geworden und habe sich in aktuelle Debatten eingebracht, so Staab.

"Der Jugendgemeinderat mischt sich ein und wird gehört"

Auch seine Amtskollegin Monika Laule lobte an dem Abend das Beteiligung der Jugendlichen. "Der Jugendgemeinderat mischt sich ein und wird gehört. Er engagiert und positioniert sich öffentlich, was nicht immer einfach ist." Für manche, so Laule, sei der JGR vielleicht sogar ein Start in eine politische Karriere.