Radolfzell Seifensieter nutzen bunten Abend zum Werbefeldzug für das Brauchtum

Nach Ansicht der Narrenzunft Seifensieder könnten sie die Markelfinger stärker an den fasnächtlichen Aktivitäten beteiligen. Dieses Anliegen verpackte die Brauchtumsgruppe beim bunten Abend in eine närrische Therapiesitzung.

Eine Mischung aus Tanz, Komödie und Musik bot der bunte Abend der Seifensieder in einer gut gefüllten Markolfhalle in Markelfingen. Ein großes Thema des Abends: der Verlust der Tradition. Um dem zumindest an diesem Abend entgegen zu wirken, gab es auf der Bühne kaum einen Menschen, der nicht im alemannischen Dialekt sprach. Selbst im ersten Teil, der vornehmlich durch den Nachwuchs der Narrenzunft bestimmt war, bemühten sich die Kleinsten den Dialekt anzuwenden. Unter der Leitung von Cordula und Astrid Keller ließen die Jungseifensieder die Missgeschicke der Markelfinger Revue passieren. So kam es schon einmal vor, dass Sabrina glaubte, Papas Auto sei kaputt, weil es komisch blinkte, jedoch war nur die Warnblicklichtanlage an. Die Menge tobte, als die kleine Lina mit aller Kraft "ha nei!" ins Mikrofon schrie.

Auch die Schilfstrueli nahmen mit dem Spruch "Wenn ich nicht bei den Struelis wär" die anderen Markelfinger Zünfte auf die Schippe. Mit "Laufen, stolpern, trinken, tröten" wurde der Fanfarenzug beschrieben. Mit "Prost hier, Prost da – Hallo du schönes Mädchen" wurden die Holzhauer charakterisiert.

Die Markelfinger Holzhauer kommen beim bunten Abend mit ihrem sportlichen Auftritt in ihren luftgefüllten Anzügen ganz schön ins Schwitzen. Bild: Bilder: Alexander Bohl
Die Markelfinger Holzhauer kommen beim bunten Abend mit ihrem sportlichen Auftritt in ihren luftgefüllten Anzügen ganz schön ins Schwitzen. Bild: Bilder: Alexander Bohl

Zwischen den einzelnen Auftritten unterhielten die Meckis aus Konstanz die Zuschauer mit Liedern wie "Hulapalu", "Viva Colonia" und "Marina".

Die Wäschwieber begaben sich bei ihrer Darbietung mit Sabine Hafner auf einen männerfreien Ausflug. Erst einmal genehmigten sie sich einen Schnaps, bevor sie sich ein wenig improvisiert über ihre daheimgebliebenen Männer her machten. Einen Seitenhieb erhielten sie von einer jungen Mitreisenden, die ihnen den schnellsten Weg in das naturkundliche Museum wies: "Lond euch usstopfe."

Ernst wurde es beim Auftritt der Brauchtumsgruppe, geleitet von Janina Dummel. Herr Dr. Quacksalber lud zu einer Therapiesitzung der Narrentage ein. Während sich der Schmotzige Dunschtig über ein Burnout beklagte, fühlte sich der Fasnachtsfreitig in den Schatten gestellt. Das Problem des Fasnachtsamstig war die mangelnde Teilnahme am Seifensiederball, ein ähnliches Problem hatte das Usschelle. Doch dank der besonderen Therapiemaßnahmen des Doktors konnten alle Narrentage von ihren Problemen erlöst werden. Deutlich wurde trotzdem: Die Seifensieder wünschen sich mehr Teilnahme der Markelfinger an der Fasnachtstradition.

Musikalisch wurde es mit dem Auftritt der Jugend des Fanfarenzuges, die als Bauarbeiter mit der Bierflasche in der Hand die Bühne betraten. Mit Plastikrohren ausgestattet, stimmten sie zur Einstimmung "Alle meine Entchen" an. Schlief einer, gab's mit dem Rohr eins über den Kopf.

Im zweiten Teil des bunten Abends ging es heiß her. In engen, roten Badeanzügen betraten die Ried- und Bachhexen die zu einem Schwimmbecken umgewandelte Bühne. Erstaunt war das Publikum, als die Männer hinter dem Beckenrand ihre Beine in die Höhe streckten und grazile Frauenbeine zum Vorschein kamen. Die Halle füllte sich mit Gelächter, als zum Abschluss, geleitet von Daniel Kehrer, die Holzhauer in blauen, aufblasbaren Anzügen wie Ballons auf der Bühne umher hüpften.

Die Narrenzunft

Die Seifensieder Markelfingen gibt es seit 1927. Die Zunft besteht aus acht Gruppen. Neben Fanfarenzug, Holzhauern und Garde besteht die Zunft aus Ried- und Bachhexen, Schilfstrueli, deren Häs ein froschähnliches Fabelwesen aus dem See darstellen soll, Narrenrat, Wäschwiebern und Brauchtumsgruppe. Der Strohmann machte bereits zu Beginn der 20er Jahre die Straßen unsicher und jagte den Kindern Angst ein, bis er angekettet durch die Straßen geführt wurde.

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