Seit mehr als fünf Jahrzehnten gibt es die vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) organisierten Sommercamps in Markelfingen. Diese lange Zeit ist auch ein Spiegel von beruflichem und gesellschaftlichem Wandel.

So findet in diesem Jahr zum 25. Mal ein schwules Sommercamp statt. Unter dem Motto „Einzigartig.Vielfältig“ treffen sich rund 120 Männer im Alter von 16 bis 27 Jahren zur Weiterbildung und zur Erholung. Weiterbildung für Schwule? Ist das nach der Strafrechtsreform im Jahr 1973 und der entgültigen Streichung des Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches (StGB) im Jahr 1994 überhaupt noch ein Thema?

Großer Handlungsbedarf

Joachim Stein, Mitinitiator des Camps beim DGB-Landesverband Baden-Württemberg sieht nach wie vor großen Handlungsbedarf: „Bei einem Balletttänzer oder einem Friseur ist die gesellschaftliche Akzeptanz des Schwulseins viel höher als bei einem Metallbauer oder einem Fußballspieler.“

Das habe Folgen, so Stein. Es sei eben ein Unterschied, wie man dem Arbeitgeber, seinem Freundeskreis und seiner Familie erkläre, dass man für sein eigenes Leben eine andere sexuelle Orientierung bevorzuge, ohne dabei diese Personen in ihren Wertvorstellungen zu verletzen.

Aufgabe für den DGB

Aber warum wird so ein Camp vom DGB ausgerichtet? Martin Kunzmann, Vorsitzender des DGB Baden-Württemberg sagt: „Es ist ja nicht Aufgabe des DGB, Tarifverträge auszuhandeln. Als Dachorganisation von acht Gewerkschaften ist es unsere Aufgabe über generelle gesellschaftliche Veränderungen nachzudenken.“ Wenn beispielsweise die Autobranche vor Veränderungen stehe, reiche es nicht, Bildungsmaßnahmen anzubieten, solange man nicht wisse, in welche Richtung diese Bildung gehen solle.

Wenn Schwule Probleme auf dem Arbeitsmarkt hätten, dann sei dies auch eine Aufgabe für den DGB. Die Nachfrage nach Hilfestellung scheint groß zu sein. „Wir hatten an Karfreitag die Anmeldemöglichkeit im Internet veröffentlicht. Am Dienstag nach Ostern waren wir ausgebucht“, schildert Stein.