Als sich um 13.30 Uhr der Demonstrationszug in Bewegung setzte, hallte es von den Häuserwänden wider: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!" Rund 500 Schüler, Eltern und Lehrer versammelten sich zuvor beim Milchwerk und zogen lautstark in Richtung Marktplatz, um ein Zeichen für mehr Klimaschutz zu setzen.

Es war der Beginn der Schülerproteste in Radolfzell, wie sie seit Wochen in immer mehr Städten auf der Welt stattfinden.

Der Demonstrationszug durch die Altstadt von Radolfzell.
Der Demonstrationszug durch die Altstadt von Radolfzell. | Bild: Rolf Hohl

Die offenkundige Freude, mit der die Schüler bei der Sache waren, sollte aber nicht über ihre durchaus ernsten Anliegen hinwegtäuschen. Das wurde vor allem bei den Reden auf dem Marktplatz deutlich.

"Wir leben auf Kosten der Menschen an anderen Orten dieser Welt, denen wir durch Treibhausgase und Umweltzerstörung die Grundlage zum Überleben nehmen", sagte Jule Kübler, Schülerin des Friedrich-Hecker-Gymnasiums und eine der Organisatorinnen der Kundgebung. Gerade Menschen in den ostasiatischen Küstengebieten und in der Sahelzone gerieten durch die Klimaerwärmung in existenzielle Gefahr, warnte sie.

Ausgerechnet jene also, die selbst am wenigsten dazu beitragen würden. "Es müssen darum Maßnahmen getroffen werden, die nur die Politik beschließen kann. Ein Verbot von Strohhalmen reicht da nicht aus", rief Kübler.

Die Schlusskundgebung auf dem Marktplatz.
Die Schlusskundgebung auf dem Marktplatz. | Bild: Rolf Hohl

Um die Erderwärmung zu stoppen, forderten die Schüler einen reduzierten Konsum und ein nachhaltigeres Wirtschaftssystem. Schützenhilfe bekamen sie dabei von Gemeinderatsmitglied Siegfried Lehmann (FGL), der insbesondere die ablehnenden Äußerungen von Bundespolitikern zu den Schülerprotesten kritisierte: "Ausgerechnet jene, die schon lange Zeit politische Verantwortung tragen, stellen sich jetzt hin und behaupten, junge Leute würden die Zusammenhänge beim Klimaschutz nicht verstehen."

Es machte aber nicht den Eindruck, als würden sich die Schüler von solcherlei Querschlägen beeindrucken lassen. Vielmehr zeigten sie sich ermutigt, dass die "Friday for Future"-Bewegung nun in Radolfzell angekommen ist. Neben vielen Eltern brachten dabei auch Umweltschutzverbände wie der BUND und der Nabu ihre Unterstützung zum Ausdruck.