Akane Fukamachi aus Radolfzell und Max Wiedmaier haben beim Wettbewerb Jugend forscht einen Regionalsieg errungen. Ihr neuartiger Akkumulator enthält Berliner Blau anstelle von Lithium, Silizium oder Kobalt.

Berliner Blau ist eine schöne Farbe. Der satte, dunkle Ton hat in der Malerei seinen festen Platz. Monet und Munch malten mit Berliner Blau. Aber es kann so viel mehr. Die Gymnasiastin Akane Fukamachi aus Radolfzell hat zusammen mit ihrem Projektpartner Max Wiedmaier aus dem Berliner Blau eine Art Akkueinheit entwickelt. Mit dem Projekt „Berliner Blau – Zink – Akkumulator“ konnten beide den Regionalsieg beim Wettbewerb Jugend forscht im Fach Chemie erringen.

Die beiden Schüler nutzten die chemischen Eigenschaften des Pigments Berliner Blau, um daraus einen billigen, einfach herzustellenden und umweltfreundlicheren Akkumulator zu entwickeln. Für gewöhnlich werden Akkuzellen aus Lithium, Silizium, Kobalt oder anderen chemischen Stoffen hergestellt. Alle sind teuer, schwer abzubauen oder nur unter größten Eingriffen in die Umwelt, oder sie stammen aus Teilen der Erde, die politisch so instabil sind, dass für eine industrielle Nutzung keine verlässlichen Importe garantiert werden können. "Es ist beeindruckend, dass man aus einem Farbstoff Strom erzeugen kann", sagt die 17-jährige Akana Fukamachi. Der Farbstoff stellte die beiden Schüler vor eine große Herausforderung. In Pulverform war er nämlich nicht zu gebrauchen. Also musste er zuerst gepresst werden, bevor das Berliner Blau als Pol einer Akkuzelle verwendet werden konnte. Der andere Pol war eine Zinkelektrode. Der von den beiden Jugendlichen entwickelte Akkumulator lässt sich mehrmals laden, ist klein, mobil und kann aus wenigen ungefährlichen Materialien hergestellt werden. Seine Leistung ist vergleichbar zu einer 1,5 Volt-Alkaline-Knopfzelle. "Theoretisch wäre das eine Alternative zu anderen Batterien", erklärt Akana Fukamachi.

Uni Konstanz unterstützt die jungen Forscher

Bei der Entwicklung der Akkuzelle wurden die beiden Schüler von der Universität Konstanz unterstützt, in deren Laboren sie arbeiten durften. In den Sommerferien haben die beiden jeden Tag an ihrem Projekt gearbeitet. Während der Schulzeit konnten sie sich nur zweimal in der Woche treffen. Akana Fukamachi ist Schülerin des Suso-Gymnasiums in Konstanz, Max Wiedmaier besucht die Geschwister-Scholl-Schule, beide machen in diesem Jahr ihr Abitur. Für Jugend forscht hatten sie eigentlich keine Zeit, wollten es aber dennoch noch einmal versuchen. Bereits im vergangenen Jahr hatten sie mit einem Projekt teilgenommen und den zweiten Platz belegt. Jetzt dürfen sie vom 20. bis 22. März beim Landeswettbewerb in Stuttgart ihren Akkumulator der fachkundigen Jury präsentieren. "Ich bin schon etwas aufgeregt, wir werden eine viel umfangreichere Präsentation halten müssen als beim Regionalwettbewerb in Friedrichshafen", sagt die 17-Jährige.

Obwohl Akana Fukamachi in Radolfzell wohnt, hat sie sich doch für das Suso-Gymnasium entschieden. Ihre Eltern haben sie dabei unterstützt, auch wenn der Schulweg weiter ist. Nach dem Abitur würde sie gerne etwas Naturwissenschaftliches studieren. Vor allem die neuen interdisziplinären Studiengänge findet die Schülerin interessant. Aber noch hat sie keine weiterreichenden konkreten Pläne.

Zum Wettbewerb

115 Jungforscher hatten beim Regionalwettbewerb Südwürttemberg von Jugend forscht ihre 49 Projekte im Friedrichshafener Dornier-Museum vorgestellt. Die Mitbewerber von Akane Fukamachi und Max Wiedmaier tüftelten an einem Gegenmittel gegen den Buchsbaumzünsler, die ernergieeffiziente Dämmung von Häusern, einem intelligenten Roboter für Agrarflächen oder ganz einfach mit der perfekten Seife oder dem optimalen Lippenstift. Beim Regionalwettbewerb Südwürttemberg sind in diesem Jahr rund 30 Juroren sowie der Wettbewerbsleiter Thomas Armbruster im Einsatz. Weiter geht es zum Landes- und schließlich zum Bundeswettbewerb. Schüler für die Technik zu begeistern ist das Ziel von Jugend forscht. Die Jüngeren bis 14 Jahre treten bei Schüler experimentieren an, die Älteren bis 21 Jahre bei Jugend forscht.