Der Ortsteil Markelfingen muss nach einem aktuellen Fund im Baugebiet Im Tal seine Ortsgeschichte umschreiben. Denn offensichtlich war der Standort Im Tal schon vor rund 1800 Jahren für Menschen attraktiv. Aktuelle Funde belegen, dass sich einst die Römer an genau dieser Stelle niedergelassen haben.

Fund in dieser Form ist eine Seltenheit

Die Siedlungsreste in Form von gemauerten Hausfundamenten und Artefakten aus der Zeit um 200 bis 300 nach Christus sind im Bodenseeraum nicht sonderlich oft anzutreffen, weshalb Kreisarchäologe Jürgen Hald in diesem Zusammenhang von einem "besonderen Ereignis" spricht, wie er jetzt bei einem Vor-Ort-Termin mit dem SÜDKURIER erläuterte. "So etwas habe ich gerade fünf Mal in meiner 18-jährigen Zeit hier im Landkreis gefunden", sagte er. Möglich geworden sind die Funde nur durch eine standardmäßige Untersuchung, die die Archäologen immer dann anstellen, wenn auf einem Grund gebaut wird und man Hinweise auf die Siedlungsgeschichte vermutet.

Gemauerte Fundamente mit beeindruckenden Ausmaßen

Luftaufnahmen zum Beispiel hatten im Baugebiet Im Tal Verfärbungen gezeigt, die auf unter der Erde verborgene Dinge hinwiesen. Ein örtlicher Landwirt war ebenfalls ein Hinweisgeber, der regelmäßig mit seinem Pflug auf dem Areal an der gleichen Stelle auf ein Hindernis im Untergrund stieß. Genau an dieser Stelle wurden die Archäologen dann auch fündig. 40 bis 60 Zentimeter unter der Grasnabe erstrecken sich die gemauerten Fundamente eines Gebäudes mit den Maßen von 24 mal 17 Metern.

Vermutlich ein Nebengebäude einer Villa Rustica

Jürgen Hald vermutet, dass es sich trotz der Ausmaße um ein Nebengebäude handelt. Denn die Funde deuten seiner Erfahrung nach eher auf einen römischen Gutshof hin, der als "Villa Rustica" bezeichnet wird. Anlagen dieser Art umfassen neben einem Haupthaus mehrere weitere Gebäude, die auf einer Fläche von zwei bis drei Hektar verteilt sind. "Das können bis zu zehn Gebäude sein", führt Jürgen Hald aus.

Kreisarchäologe Jürgen Hald zeigt ein Keramikstück , dass im Baugebiet Im Tal in Markelfingen gefunden wurde. Im Vordergrund sind die Reste eines römischen Hausfundaments zu erkennen.
Kreisarchäologe Jürgen Hald zeigt ein Keramikstück , dass im Baugebiet Im Tal in Markelfingen gefunden wurde. Im Vordergrund sind die Reste eines römischen Hausfundaments zu erkennen. | Bild: Jarausch, Gerald

Römer auf technisch sehr hohem Standard beim Bauen

Die Qualität, mit der die Römer vor so langer Zeit gebaut haben, ist beeindruckend. Die Häuser hatten Ziegeldächer, Fensterscheiben und besaßen mitunter eine Fußbodenheizung. Die Germanen, die erst später hier zu siedeln begannen, siedelten sich gerne mit ihren Holzhäusern auf den Ruinen an. Allerdings waren sie nicht in der Lage, technisch so versiert zu bauen.

Was der Fund für die regionale Siedlungsgeschichte bedeutet

Die Anordnung der beiden Gebäudekörper, die nun zu Tage gekommen sind, lassen den Kreisarchäologen und seine Kollegen vermuten, dass das Haupthaus der "Villa Rustica" eher im Bereich der Kirche liegt als weiter oberhalb der aktuellen Funde. Bisher hat man mit dem Bagger 68 Baggerschlitze abgetragen, um abzuschätzen, was man auf dem fünf Hektar großen Baugrund erwarten kann. Selbst bei dieser groben Grabungsvariante sind dem Archäologen schon Artefakte in die Hände gefallen. Neben Dachziegelelementen finden sich Bronzenägel und verzierte Keramikstücke, die auf die Römer verweisen. Funde von Gutshöfen dieser Art gibt es gerade 15 im Landkreis und in Seenähe erst recht nicht. "Das ist für die regionale Siedlungsgeschichte ein wertvoller Aspekt", erklärt Jürgen Hald. Damit die Funde für den Fortgang des Baugebietes nicht zum Hemmschuh werden und für Verzögerungen sorgen, muss es jetzt schnell gehen. Jürgen Hald geht aber davon aus, dass seine Arbeiten keine Beeinträchtigung für das Baugebiet sein werden.