Die Stadtwerke Radolfzell planen im kommenden Jahr Investitionen von 4,1 Millionen Euro – etwa 50 Prozent mehr als in einem normalen Jahr und damit außergewöhnlich viel, wie Geschäftsführer Andreas Reinhardt bei einem Pressegespräch betonte. Und wenn alles läuft, wie es das Unternehmen anstrebt, dürfte mit dem Solarenergiedorf Liggeringen noch ein Großprojekt dazukommen, mit weiteren Investitionen in Höhe von 3 Millionen Euro, so Reinhardt. Möglich werde dies, weil das derzeitige Zinsniveau eine günstige Finanzierung ermöglicht, aber auch Rückstellungen aus dem Kerngeschäft der Stadtwerke und Fördermittel flössen in die Rechnung ein, erklärt der Geschäftsführer. Die wichtigsten Projekte im nächsten Jahr:

  • Stadtbus: Die sichtbarsten Änderungen planen die Stadtwerke für 2017 beim Stadtbus. Die derzeit roten Gefährte sollen dann weiß werden, auf der Linie 5 zur Mettnau ein speziell gestalteter Bus zum 750. Stadtjubiläum fahren. Die Linie 2, derzeit alle halbe Stunde unterwegs, fährt ab 1. März im Viertelstundentakt. Dafür rechnet das Unternehmen mit 15 000 zusätzlichen Fahrgästen im Jahr, die die Mehrkosten aber nicht wettmachen dürften. Reinhardt: "Wir müssen der Entwicklung der Stadt und den Nutzerströmen folgen." Und: Der kostenlose drahtlose Internetzugang in den Bussen werde sehr gut angenommen, sagt Anette Abdessemed vom Marketing der Stadtwerke.
    Eine richtige Zählung gebe es zwar noch nicht, aber schon vor dem Start habe es Anfragen gegeben.
  • Solarenergiedorf: Es bleibt das Leuchtturmprojekt des Unternehmens. Etwa 80 Verträge seien geschlossen, genug für den ersten Bauabschnitt, so Reinhardt. Am Mittwoch, 21. Dezember, 19 Uhr, steht in der Litzelhardthalle eine Informationsveranstaltung im Kalender. Jetzt laufe das Verfahren zur Änderung des Landschaftsschutzgebiets, das laut Reinhardt im September abgeschlossen sein dürfte. Am 31. Januar soll der Gemeinderat über den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan entscheiden, ab April oder Mai will das Unternehmen mit der Netzverlegung beginnen. Zum Jahreswechsel 2017 und 2018 könnten dann die ersten Teile in Betrieb gehen. Reinhardt wirbt weiter für das Projekt: "Die CO2-Minderung kann man nicht allein durch Dämmung erzielen, man muss auch an die Energieerzeugung ran."
  • Breitbandversorgung: Nach 850 Kunden, die die Stadtwerke derzeit beim schnellen Internet unter Vertrag haben, sollen im nächsten Jahr 1150 Kunden erreicht werden. Geschäftsführer Reinhardt benennt den Marktanteil mit etwa 15 Prozent nach wenigen Jahren – bei harter Konkurrenz. Wo wenig Bandbreite zur Verfügung steht, soll der Ausbau weitergehen, die Investitionen würden verdoppelt, so Reinhardt. Einen Vorteil seines Unternehmens sieht er in rabattierten Kombi-Angeboten.
  • Stromerzeugung: Es gebe eine Nachfrage nach Unabhängigkeit vom Stromnetz, sagt Andreas Reinhardt. So würden die Stadtwerke schon jetzt 1,5 Megawatt an solarer Stromerzeugung betreuen, auf öffentlichen und privaten Dächern ebenso wie mit eigenen Anlagen. Und: Etwa 20 Kunden hätten einen eigenen Stromspeicher der Stadtwerke.

Zahlen

4,1 Millionen Euro an geplanten Investitionen teilen sich auf wie folgt: Wärmeversorgung (1,5 Millionen Euro), Stromnetz (500 000 Euro), Gasnetz (600 000 Euro), Wassernetz (400 000 Euro), Breitbandversorgung (400 000 Euro), Stromerzeugung (300 000 Euro), Sonstiges (350 000 Euro). Die Stadtwerke mit ihren 90 Mitarbeitern wollen im nächsten Jahr 56 Millionen Euro Umsatz und 1,6 Millionen Euro Gewinn erzielen – ähnlich wie zuvor, so Geschäftsführer Andreas Reinhardt. (eph)