Die Zukunft des Gemischten Chors Eintracht Böhringen ist weiter ungewiss. Entgegen allen Gerüchten, wird der über 150 Jahre alte Chor, der unter Sängerschwund leidet, jedoch nicht aufgelöst. Und schon gar nicht der komplette Gesangverein, dem als zweiter Chor Canti Nova angehört.

Chor muss Leiter Josef Weimert einvernehmlich kündigen

Hingegen legen die Sängerinnen und Sänger eine Winterpause ein, in der neue Wege der Chorarbeit gefunden werden sollen. Nicht zuletzt aus Kostengründen wurde Chorleiter Josef Weimert gekündigt, nachdem dieser von sich aus angeboten hatte, den Vertrag nach über zehnjähriger, sehr engagierter Tätigkeit aufzulösen.

Lebhafte Diskussion bleibt ohne Ergebnis

"Es war eine sehr lebhafte und emotionale Diskussion, in der viel Enttäuschung und Frust mitschwang", beschreibt der Vorsitzende Manfred Büchner das Treffen von Vorstand und Chor im Dezember, das im Ort nun Wellen schlägt. Wie kam es dazu? Die Ankündigung zweier weiterer Sänger, sich aus Altersgründen zurückzuziehen, und die für den alten Chor erfolglos gebliebene jüngste Werbeaktion um neue Sänger, so Büchner, ließen die Situation für die Verbleibenden als aussichtslos erscheinen und förderte den Unmut zutage, in einem so kleinen Chor weiter zu singen. Auch was den Klangkörper angeht.

Der Gemischte Chor Eintracht Böhringen und Canti Nova setzten bei ihren gemeinsamen Konzerten traditionell schöne Klangakzente. Jetzt legen die Sängerinnen und Sänger aufgrund des Mitgliederschwundes eine Winterpause ein. Das Bild zeigt das Ensemble beim Frühjahrskonzert 2016. Jutta Horton dirigierte, der einstige Chorleiter Josef Weimert begleitete am Klavier.
Der Gemischte Chor Eintracht Böhringen und Canti Nova setzten bei ihren gemeinsamen Konzerten traditionell schöne Klangakzente. Jetzt legen die Sängerinnen und Sänger aufgrund des Mitgliederschwundes eine Winterpause ein. Das Bild zeigt das Ensemble beim Frühjahrskonzert 2016. Jutta Horton dirigierte, der einstige Chorleiter Josef Weimert begleitete am Klavier. | Bild: Marina Kupferschmid

Bei zuletzt 15 Sängerinnen und Sängern zählt jede Stimme in der Probe, der Einzelne ist noch stärker gefordert, immer da zu sein. „Unter den Mitgliedern, die fast alle ein Leben lang mitsingen, sind über Jahrzehnte Beziehungen aufgebaut worden, die nun auseinanderzubrechen drohen“, schildert Büchner. „Man hatte über Jahre eine Wochenstruktur mit der Probe am Donnerstag und der anschließenden Einkehr, dem Frühjahrskonzert und dem Adventskonzert. Verständlich, dass an diesem Abend die Emotionen hochkochten“, erklärt er weiter.

"Wir – da sind wir uns im Vorstand einig – wollen den Gemischten Chor nicht sang- und klanglos untergehen lassen."Manfred Büchner, Vorsitzender
"Wir – da sind wir uns im Vorstand einig – wollen den Gemischten Chor nicht sang- und klanglos untergehen lassen."Manfred Büchner, Vorsitzender | Bild: Marina Kupferschmid

In dieser Stimmung haben Vorschläge des Vorstands, wie der Restchor weitergeführt werden könnte, erst mal keinen Boden gefunden, und man habe beschlossen mit einer Winterpause Ruhe in den Chor zu bringen. "Mir persönlich liegen die Beziehungen sehr am Herzen. Singen hat viel mit Gesundheit und Freude am Leben zu tun. Wir – da sind wir uns im Vorstand einig – wollen den Gemischten Chor nicht sang- und klanglos untergehen lassen", unterstreicht Büchner. Er setzte seine Hoffnungen in die sechs oder sieben Mitglieder, die sich vorstellen können, anders als Chor weiterzuarbeiten.

Männerstimmen fehlen besonders

Bereits seit mehreren Jahren wirbt der Gesangverein Eintracht intensiv um neue Sänger, auch durch Schärfung seiner Profile. Der Gemischte Chor, der nur deutsch singt, gestaltete sein Repertoire moderner, unter anderem durch Popsongs in deutschen Versionen und viele Schlager. Canti Nova stellte erfolgreich seine Besonderheit als A-cappella-Chor heraus und als Chor, der in allen Sprachen der Welt singt. Ihm fehlen insbesondere Männerstimmen.

Werbeaktion bleibt erfolgslos

In den vergangenen zwei Jahren arbeitete man in Workshops an einem neuen Erscheinungsbild und beide Chöre starteten eine groß angelegte Werbeaktion. Letztere fruchtete besonders für Canti Nova: Von fünf neuen Interessenten sind drei geblieben.

Sängerschwund ist allgemein ein Thema

„Sängerschwund in alten Chören ist allgemein ein Thema, das es erforderlich macht, sich weiterzuentwickeln. Viele singen gerne, vielleicht gelingt es uns über einen niedrigeren Level Ü 50-Menschen zu gewinnen.“ Denkbar wäre auch ein Chor speziell für ältere Menschen, wie es in Norddeutschland Trend ist. „Wir haben uns neue Dinge ausgedacht, die wir dem Chor demnächst präsentieren wollen, bevor wir an die Öffentlichkeit gehen“, erklärt Büchner abschließend. Einen neuen Rahmen werde auch das Frühjahrskonzert erhalten, das am 6. April stattfinde.