Als die Pläne für das neue Bootshaus des Ruderclubs Undine feststanden, dauerte die Umsetzung nur ein Jahr. Im Juli 1963 wurde das alte Bootshaus am Seeufer abgebrochen, im Oktober 1964 der Neubau eingeweiht. Das verrät die Vereinschronik. Der Weg dahin dauerte deutlich länger, bereits im Jahr 1950 wurde die Erweiterung des Bootsplatzes für einen Bootshausneubau geplant und 1956 begannen die ersten Überlegungen zur konkreten Gestaltung dieses Bootshauses.

Warum es überhaupt ein neues Bootshaus brauchte? "Wenn Sie das alte gesehen hätten, würden Sie das nicht fragen", sagt Roswitha Guhl-Paulus. Sie ist seit 67 Jahren im Ruderclub und heiratete später den Architekten, der für den Neubau verantwortlich und später Vereinsvorsitzende war. Mit dem Ehrenvorsitzenden Herbert Esser erzählt die Seniorin von einem alten Holzhaus, das für alle Mitglieder nur eine Toilette bieten konnte. Dusche habe es keine gegeben. "Stattdessen sind wir in den See gehüpft", sagt Esser. Auch die Lagerkapazität für die Ruderboote des Vereins sei sehr begrenzt gewesen. "Man wundert sich, dass der Verein trotzdem so gewachsen ist und ein erfolgreiches Clubleben entwickelt hat", sagt Esser. Doch ein neues Bootshaus musste her.

So sah das erste Bootshaus des Ruderclubs Undine Radolfzell ab 1922 aus.
So sah das erste Bootshaus des Ruderclubs Undine Radolfzell ab 1922 aus. | Bild: Ruderclub-Archiv

Viele Arbeitseinsätze und Jahre

Größer sollte es sein, doch über Details waren sich die Mitglieder lange nicht einig. Von den ersten Planungen bis zur Fertigstellung vergingen knapp 14 Jahre. Klaus Müller war lange für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins verantwortlich und hat anlässlich des 75-jährigen Vereinsjubiläums 1995 eine Chronik verfasst. Darin schildert er, dass es für ein Jahrzehnt einen Schwerpunkt im Vereinsleben gab: Ein neues Zuhause für den Ruderclub.

Mit der Skihütten-Baugenossenschaft als Vorbild gründete der Ruderclub Undine am 18. Januar 1952 eine Bootshausbaugenossenschaft. "Fortan beherrschten Arbeitsdienste das Clubleben", schrieb Müller. Zeit sparten Beteiligte an anderer Stelle, nachdem ab Herbst 1954 beispielsweise die eigene Regatta nicht mehr ausgerichtet wurde. Anfang 1956 gab die Genossenschaft laut Müller die ersten Bausteine aus, doch erst im November 1962 lag die Baugenehmigung vor. Dann ging alles ganz schnell: Am 26. Juli 1963 wurde das alte Bootshaus abgebrochen, vier Monate später Richtfest gefeiert und am 24. Oktober 1964 der Neubau eingeweiht. "Der damals bedeutendste Höhepunkt in der Vereinsgeschichte", hielt Chronist Klaus Müller fest.

Das zweite Bootshaus des Ruderclubs Undine Radolfzell wurde 1964 eingeweiht. Im Vorfeld wurde dafür das Vereinsgelände ein wenig gen See erweitert.
Das zweite Bootshaus des Ruderclubs Undine Radolfzell wurde 1964 eingeweiht. Im Vorfeld wurde dafür das Vereinsgelände ein wenig gen See erweitert. | Bild: Ruderclub-Archiv
Historische Bilder des Bootshauses des Ruderclubs Undine Radolfzell
Blick vom Wasser auf das Bootshaus des Ruderclubs Undine Radolfzell. | Bild: Ruderclub-Archiv

Das neue Clubheim entwickelte sich zum beliebten Treffpunkt. "1963 hatte der Club 180 Mitglieder, 1970 schon über 300", stellte Chronist Klaus Müller fest. Auch Herbert Esser erinnert sich im Gespräch mit dem SÜDKURIER: "Das Bootshaus ist von der Bevölkerung mit gewisser Bewunderung für die Leistung gewürdigt worden." Außerdem diente der große Raum im Erdgeschoss als Festraum: "Das waren Radolfzeller Ereignisse", sagt Roswitha Guhl-Paulus über all die Feste dort, ob Fasnachtsbälle oder Nikolausfeiern.

Kurgäste schlafen im Obergeschoss

Der Neubau beherbergte aber nicht nur die Kanus des Vereins und einen Gymnastikraum mit Trainingsgeräten, sondern im Obergeschoss auch Fremdenzimmer für die Mettnaukur. "Ein so großes Haus ist allein mit Mitgliedsbeiträgen nicht zu finanzieren", sagt Herbert Esser. Wie sich der Verein das Bootshaus leisten kann, sei bereits beim Bau eine langwierige Überlegung gewesen. Dabei gehe es nicht nur um die Bauarbeiten, sondern auch um den Unterhalt und beispielsweise Energiekosten. In die Sanierung der Gästezimmer investierte der Verein gegen Ende der 1980er-Jahre laut Herbert Esser noch einmal rund 350 000 DM, bis heute genießen hier Kurgäste den Blick aufs Wasser. Im April 2006 wurde außerdem das Dach saniert, die Fassade renoviert und eine neue Bootshalle gebaut.

So sieht es heute im Bootslager aus.
So sieht es heute im Bootslager aus. | Bild: Arndt, Isabelle

"Das neue, weiträumig angelegte und behagliche Bootshaus dürfte in seiner Gesamtanlage, in der Zweckmäßigkeit seiner Raumaufteilung wohl alle Wünsche und Vorstellungen für eine weite Zukunft in jeder Beziehung erfüllen", schrieb Vorsitzender Franz Geiges zur Eröffnung des neuen Clubhauses. Er sollte Recht behalten.

Das Bootshaus des Ruderclub Undine Radolfzell wurde 1964 gebaut. Das Obergeschoss ist bis heute an die Mettnaukur vermietet.
Bild: Arndt, Isabelle

Das alte Bootshaus genügte nur zehn Jahre

Dafür wurde das bestehende Bootshaus abgerissen, das kurz nach der Gründung für 45 000 Reichsmark gebaut worden war. In den ersten Monaten nach der Gründung wurde laut Chronist Klaus Müller improvisiert: Zwei alte Boote wurden im Sommer im Garten eines Vereinsmitglieds gelagert und kamen im Winter in die Viehmarkthalle. Als Umkleideräume dienten Waschküche und Holzraum des Vorsitzenden. Noch im Gründungsjahr gab es aber Überlegungen, um einen Standort für ein Bootshaus zu finden. Ein Gelände bei der "Wäschbruck" wurde nicht genehmigt, im März 1921 einigte man sich auf den heutigen Platz neben dem Urkundenhäuschen und im Mai 1922 wurde das Bootshaus eingeweiht. Das war laut der Festausgabe der Undine-Clubzeitung zur Einweihung des neuen Bootshauses ein "kleines, schmuckes Holzhaus". Bereits in den 1930er-Jahren habe es aber an Platz gefehlt, wie der einstige Vorsitzende Franz Geiges in dieser Chronik schrieb: "Von da an mußten schon Boote zeitweilig im Freien gelagert werden. Wenn zehn Aktive oder mehr sich gleichzeitig im Umkleideraum aufhielten, ging es ohne Rippenstöße nicht."