Wenn „Elfriede, wo bleibt mein Bier!“ durchs Wohnzimmer hallt und Elfriedes Ehemann Alfred sich ins „hässlichste Weib, das die Welt je gesehen hat“ verwandelt, bleibt kein Auge trocken. Bei der Theatergruppe des Musikvereins Stahringen heißt es im Theaterstück „Castinglust und Rollenfrust“ Bühne frei für den bequemen Alfred, den naiven Harry und – als Dritten im Bunde – den flotten Paul. Gemeinsam mit ihren Ehefrauen landen sie im Rahmen des Stücks in einer Fernsehsendung und müssen für die Liveübertragung „Rollentausch extrem, keine Gnade für den Partner“ nicht nur Kameras in ihr Zuhause lassen, sondern auch einen Rollentausch mit ihren Ehefrauen vornehmen. Dafür locken 30 000 Euro Prämie. Für die drei Männer hat die Sache jedoch viele Haken. Besonders Alfred ist entsetzt: „Ich gehe doch nicht selbst in den Keller, um mir ein Bier zu holen!“ Seine schlimmsten Befürchtungen werden wahr, sobald der Rollentausch vollzogen ist: „Schaff deinen fetten Arsch in den Keller und hol mir was zu trinken“, kreischt es durch das Wohnzimmer – urkomisch und authentisch besetzt Monja Gessendorfer die Rolle der Elfriede Moppel.

Seit September proben die neun Akteure, kurz vor der Premiere am 25. Dezember stehen fast täglich Proben auf dem Programm. Die urkomischen Dialoge und perfekt in Szene gesetzten Charaktere sorgen immer wieder für Lachanfälle (von links): Christiane Koch, Monja Gessendorfer und Verena Schatz.
Seit September proben die neun Akteure, kurz vor der Premiere am 25. Dezember stehen fast täglich Proben auf dem Programm. Die urkomischen Dialoge und perfekt in Szene gesetzten Charaktere sorgen immer wieder für Lachanfälle (von links): Christiane Koch, Monja Gessendorfer und Verena Schatz. | Bild: Petra Reichle

Verantwortlich für die Auswahl des Stücks „Castinglust und Rollenfrust“ war Sabrina Honsell. Sie führt nicht nur Regie, sondern hat auch selbst eine Rolle in der witzigen Beziehungskomödie. Schon seit 1998 spielt sie regelmäßig bei der Theatergruppe mit, Regie führt sie in diesem Jahr zum dritten Mal. „Wir haben uns bereits im Juli zum ersten Mal getroffen, jeder kann Stücke vorschlagen. Als Regisseurin wähle ich letztendlich das beste Stück aus und besetze die Rollen“, erzählt Honsell.

Seit September proben die neun Akteure, kurz vor der Premiere am 25. Dezember stehen fast täglich Proben an. Die urkomischen Dialoge und perfekt in Szene gesetzten Charaktere sorgen immer wieder für Lachanfälle. Und spätestens wenn Bruno Sauter, Reinhard Sauter und Armin Jerg mit Langhaar-Perücken und engen Kleidern in ihre Frauenrollen schlüpfen, kennt der Spaß keine Grenzen mehr.

Für eine Fernsehshow muss der notorisch faule "Macho" Alfred Moppel mit seiner Ehefrau Elfriede die Rollen tauschen, sie werden wunderbar lustig und authentisch von Bruno Sauter und Monja Gessendorfer gespielt.
Für eine Fernsehshow muss der notorisch faule "Macho" Alfred Moppel mit seiner Ehefrau Elfriede die Rollen tauschen, sie werden wunderbar lustig und authentisch von Bruno Sauter und Monja Gessendorfer gespielt. | Bild: Petra Reichle

Bruno Sauter spielt die Hauptrolle des äußerst bequemen und zudem notorisch klammen Alfred Moppel. Schauspielerfahrung hat er schon seit seiner Jugend. „Bereits Ende der 70er Jahre gab es bei uns im Jugendhaus eine Theatergruppe, die selbst geschriebene Sketche aufgeführt hat“, erzählt er. „Die Tradition des Theaterspielens geht bei uns in Stahringen jedoch schon bis in die 50er Jahre zurück. Legendär sind besonders die Freilichtaufführungen in der Burgruine auf der Homburg, in denen schon mein Vater Johann mitspielte.“ Auch sein Bruder Reinhard hat jahrzehntelange Bühnenerfahrung. Von Kindesbeinen an ist er eng mit der Fasnacht verbunden, stand in unzähligen Sketchen auf der Bühne und ist heute Präsident der Schoofwäscherzunft. Mit seiner Teilnahme an 13 Theateraufführungen hält er den Rekord. „Wir sind einfach eine tolle Truppe, ergänzen uns perfekt und lieben es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen“, sagt Sauter. Im Stück spielt er die Rolle des Harry Kleinschmitt, Freund und Saufkumpan von Alfred.

Bühnenerfahrung von der Fasnacht bringt auch Christiane Koch mit; sie mimt im Stück seine Ehefrau Agathe. Auch ihr liegt die Schauspielerei im Blut. Sie stammt aus einer echten Stahringer Fasnachtsfamilie, lebt und liebt die Tradition und gehört seit ihrer Jugend zum Bühnenprogramm der Zunft. Der flotte Paul wird von Armin Jerg dargestellt, in die Rolle seiner Ehefrau schlüpft Verena Schatz.

Veranstalter des Weihnachtstheaters ist seit den 80er Jahren der Musikverein. Auch Gerhard Heckner, Dirigent des Musikvereins, ist seit vielen Jahren Teil der lustigen Truppe. „Das Theaterspielen ist für mich der perfekte Ausgleich. Als Dirigent gebe ich den Takt vor, beim Theater lasse ich mich von der Regisseurin leiten.“ Im Stück spielt er die Rolle eines stocksteifen Notars, während Katrin Rebert in die Rolle der flotten Fernsehmoderatorin schlüpft.

Zu ihrem Entsetzen müssen die drei Kumpel Paul, Harry und Alfred beim Rollentausch nicht nur in Frauenkleider schlüpfen, sondern auch Tee statt Bier trinken (von links): Armin Jerg, Reinhard und Bruno Sauter. Gerhard Heckner (im Hintergrund) glänzt in der Rolle des stocksteifen Notars.
Zu ihrem Entsetzen müssen die drei Kumpel Paul, Harry und Alfred beim Rollentausch nicht nur in Frauenkleider schlüpfen, sondern auch Tee statt Bier trinken (von links): Armin Jerg, Reinhard und Bruno Sauter. Gerhard Heckner (im Hintergrund) glänzt in der Rolle des stocksteifen Notars. | Bild: Petra Reichle

Während es bei der lustigen Beziehungskomödie auf der Bühne urkomisch und laut wird, wird die Stahringer Homburghalle beim Weihnachtstheater zu einem gemütlichen und heimeligen Treffpunkt für das ganze Dorf und seine Gäste. Schließlich hat es sich längst herumgesprochen, dass die Theatergruppe ein Garant für einen ganz besonderen Theaterspaß ist.