Auf dem kulinarischen Abendmarkt in Radolfzell zog die Ritterschaft vom Sankt-Georgen-Schild die Besucher vor der Stadtbibliothek in ihren Bann. Das Themenspezial „Mittelalter“ kam bei vielen Besuchern gut an. Trauben von Menschen sammelten sich rund um den Stand der Edelmänner und Damen. Ein Armbrustschießen begeisterte die Kinder. In einer Mischung aus Herold, Marktschreier und Barde öffnete Arnt Meyer seinen Zauberkoffer. Als Zauberer Piccolo zeigte er ein magisches Spektakulum. Der kulinarische Abendmarkt zog mehr als 1300 Besucher an und verband viel Unterhaltung mit einem spannenden Geschichtsunterricht zum Mitmachen.

Hauptmann zeigt Kammergeschütz

Hauptmann Christoph Kenner von den Hegau-Rittern zeigte den Besuchern auf dem kulinarischen Abendmarkt wie man ein burgundische Kammergeschütz lädt. Im Rohr ist eine Kammer, in der die Munition mit einer Kartusche eingelegt und mit Schwarzpulver versetzt wird. Hinter der Kanone saß ein Soldat, der die Kammer permanent nachlud. Ein weiterer zündete das Geschoß mit einer Lunte, ein dritter säuberte das Rohr nach dem Abschuss mit einem Wischer. Mit einer Frequenz von zehn Schüsse in vier Minuten, konnten damit schnelle Schussfolgen erzielt werden. Die Kanone galt als Abwehrwaffe gegen Soldaten. Die Kanonenkugeln wurden quer durch die Soldatenmassen geschossen und sollten primär Chaos und Schrecken erzeugen.

Knall- und Raucheffekt

Das Geschoss konnte zwar Soldaten verletzen, doch zählte die Kanone mit ihrer Druckwelle sowie mit ihrem Knall- und Raucheffekt als Mittel psychologischer Kriegsführung, erklärte Kenner. Als einzige Kanone, mit dem klingenden Namen „Hedwig“, kann sie von einer Burgmauer und in die Tiefe schießend eingesetzt werden. Sie ist eine Nachbildung. Ihre Lafette baute Christoph Kenner selbst, das Kanonenrohr erhielt er von einem Nürnberger Kanonenrohrbauer, von einem Bauer die Räder zum Geschoss. Die Hedwig zielt auf 80 Meter genau.

Rüstung wiegt 20 Kilo

Die Hegau-Ritter zeigten ein Gambeson, eine textile Polsterjacke aus mehreren Lagen Leinenstoff, die im Kampf vor Schwerthieben schützen sollte sowie ein auf Hochglanz polierter Helm, der nicht nur den Kopf schützte, sondern auch den Gegner blenden konnte. Die auf dem Markt ausgestellte Ritterrüstung aus der Zeit der Gotik wiegt 20 Kilogramm. Die Vollpanzerung ist bewegliche konstruiert und ermöglichte dem Ritter auf Leitern und Pferde zu steigen sowie einen Spurt mit der Rüstung hinzulegen.

Schusswaffe braucht TÜV

Christoph Kenner schnitzte auf dem Abendmarkt aus einem Holzstück den Schaft einer Wallbüchse. Mit einem Gewicht von annähernd acht Kilo wurden beim Waffengebrauch ein Ziel- und ein Zündschütze eingesetzt. Auch für diese Schusswaffe brauchen die Hegau-Ritter eine Abnahme vom TÜV, die über den Gebrauch der Waffe entscheidet. Die Ritter zeigten Nachbildungen von Kanoniermesser und Fechtschwert aus dem beginnenden 15. Jahrhundert. Jeden zweiten Freitag trifft sich der Verein zu einem Fechtabend in historischer Manier. Jens Ullrich ist im Verein der Spezialist für die Pfeile und Bögen und umwickelte die Pfeile mit Zierfedern vom Truthahn.