Mit einer Vernissage wurde die Sonderausstellung des Stadtmuseums "Gräber, Gold und Gruben – Archäologie in und um Radolfzell" von OB Martin Staab eröffnet. Die Ausstellung zeigt aufsehenerregende archäologische Funde aus Radolfzell und wurde von der Abteilung Stadtgeschichte unter der Leitung von Katharina Maier in einem Kooperationsprojekt mit der Kreisarchäologie des Landkreises und dem Archäologischen Landesmuseum organisiert.

Oberbürgermeister Martin Staab dankte Katharina Maier für die erfolgreiche Planung und Umsetzung der einzigartigen Ausstellung im Radolfzeller Stadtmuseum.
Oberbürgermeister Martin Staab dankte Katharina Maier für die erfolgreiche Planung und Umsetzung der einzigartigen Ausstellung im Radolfzeller Stadtmuseum. | Bild: Petra Reichle

"Archäologie ist so wichtig wie unser Atem, sie sagt etwas über uns selbst", zitierte Staab in seiner Laudatio den Archäologen Bernard Andreae. Bei der Ausstellung werden Funde aus den archäologischen Epochen von der Bronze- und Eisenzeit über das Mittelalter bis hinein in die Neuzeit ausgestellt. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist das 2009 in Güttingen entdeckte prunkvolle Kriegergrab. Auf der 4500 Quadratmeter großen Grabungsfläche fanden Archäologen zwei Gräberfelder aus der Bronze- und Eisenzeit. Bewohner einer nahe gelegenen Siedlung bestatteten hier bereits in der mittleren Bronzezeit (zirka 1550-1250 v. Chr.) ihre Toten. Zu den aufsehenerregenden Funden gehören ein Bronzeschwert, Bronzenadeln, ein Fingerring und Drahtspiralen aus Gold, die zirka 1400 v. Chr. als Beigaben in ein Kriegergrab gelegt wurden. "Viele von uns haben sich bereits in der Kindheit mit Archäologie beschäftigt, und es hat einen besonderen Charme, wenn man die Funde direkt dort begutachten kann, wo sie vor Tausenden von Jahren entstanden sind", sagte Landrat Frank Hämmerle in seiner Laudatio.

"Die Ausstellung ist ein Schaufenster für die regionale Archäologie", betonte Jörg Bofinger vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart. Schließlich seien die ausgestellten Funde "fast auf dem Niveau eines Weltkulturerbes" und stoßen weit über die Region hinaus auf großes Interesse.

Besonders stolz ist Museumspädagoge Rüdiger Specht auf das in die Ausstellung integrierte "Grabungsfeld" aus Sand, in dem vor allem Kinder und Jugendliche selbst ausgraben und echte Fundsachen finden können. Der Sandkasten befindet sich direkt neben dem bekannten Ausstellungsstück "Seehäsle". Die Ofenbekrönung in Form eines Hasen wurde 2012 bei archäologischen Untersuchungen auf dem Radolfzeller Marktplatz entdeckt und stammt aus einem um das Jahr 1450 herum errichteten Steinkeller.

Notty's Jug Serenaders verliehen der Vernissage einen passenden musikalischen Rahmen, seien sie doch "eine Art archäologisches Forscherteam", sagten die Musiker in Bezug auf ihre ungewöhnlichen Musikinstrumente wie Metallkrug, Messer und Löffel.

Die jüngste Sonderausstellung wird zugleich die letzte sein, die Katharina Maier im Namen der Abteilung für Stadtgeschichte organisierte, denn Maier verlässt Radolfzell zum Jahresende mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Nach ihrem Geschichts- und Archäologiestudium und einer Ausbildung im Archivwesen leitete Katharina Maier seit 2014 die Abteilung für Stadtgeschichte. Besonders stolz ist Maier auf die neue Stadtchronik, die sie gemeinsam mit Hildegard Bibby herausgebracht hat. "Riesig vermissen" wird die Bayerin nach eigenen Angaben das engagierte Team der Abteilung Stadtgeschichte, mit dem sie auch bei diversen Sonderausstellungen große Erfolge gefeiert hat. Aus privaten Gründen zieht es sie in den Norden Deutschlands, wo sie eine Stelle als Kreisarchivarin antreten wird.

Katharina Maier, Leiterin der Abteilung für Stadtgeschichte, Angélique Tracik, Kulturfachbereichsleiterin und Bürgermeisterin Monika Laule posieren mit dem Seehäsle, einem kuriosen Fund der Stadtarchäologie in Radolfzell aus dem Jahre 2012.
Katharina Maier, Leiterin der Abteilung für Stadtgeschichte, Angélique Tracik, Kulturfachbereichsleiterin und Bürgermeisterin Monika Laule posieren mit dem Seehäsle, einem kuriosen Fund der Stadtarchäologie in Radolfzell aus dem Jahre 2012. | Bild: Petra Reichle

 

 

Die Sonderausstellung

Das Stadtmuseum Radolfzell zeigt eine Ausstellung zur Archäologie in der Region in Kooperation mit der Kreisarchäologie des Landkreises und dem Archäologischen Landesmuseum. Höhepunkte sind die Funde des Kriegergrabs aus Güttingen. Die Ausstellung "Gräber, Gold und Gruben – Archäologie in und um Radolfzell" findet bis zum 25. Februar statt und ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.