Kuno Rauch, Leiter der Radolfzeller Stadtkapelle, blickt zufrieden auf das Marktplatzkonzert zurück: "Der Marktplatz war mal wieder voll – mit dem Konzert 'Bilder einer Stadt’ konnten wir an die 600 Zuhörer begeistern", resümierte er bei seinem Tätigkeitsbericht an der Hauptversammlung der Stadtkapelle in der Radolfzeller Musikschule. Zum Erfolg habe auch die Idee beigetragen, mit Kulissen des Narrenspiegels den Marktplatz zu einem Konzertsaal umzuwandeln, so der Dirigent.

Sein Bericht zeigte das hohe Engagement der Stadtkapelle und das Niveau des musikalischen Aushängeschildes der Stadt: Vier Fest- und Galakonzerte, das Hausherrenfest, ein Flashmob sowie ein Wertungsspiel mit dem höchsten Prädikat "ausgezeichnet" standen im vergangenen Jahr im Kalender der Stadtkapelle. Hinzu kamen Auftritte bei Neujahrsempfang und Volkstrauertag. In diesem Jahr stellen sich die Musiker der Stadtkapelle unter der Leitung von Kuno Rauch zwei Höchststufenwettbewerben beim Musikfest in Osnabrück sowie beim Landesorchester-Wettbewerb in Metzingen. Wegen den Vorbereitungen zu diesen Wettbewerben entfallen das Konzert auf dem Marktplatz sowie das Adventskonzert.

Auch ums Geld ging es bei der Hauptversammlung. Denn die Bewirtung beim Hausherrenfest ist die Haupteinnahmequelle der Stadtkapelle und wird von den Musikern samt Auf- und Abbau des Festzeltes gestemmt. Gleichzeitig umrahmen sie das Fest musikalisch beim Festgottesdienst, den Radolfzeller Hausherren- und Mooser Wasserprozessionen, dem Turmblasen sowie mit einem eigenen Festkonzert. "Das Hausherrenfest nahm uns wie jedes Jahr besonders in Anspruch", so Kuno Rauch bei der Versammlung.

Voller Terminkalender macht effiziente Proben notwendig

Angesichts des Terminkalenders initiierte die Stadtkapelle 2018 ein Projekt, um Maßnahmen für eine effektivere Probenarbeit auszuarbeiten. Zum Katalog gehören Probenwochenenden mit zusätzlichen musikalischen Leitern, ein pünktlicher Probenbeginn sowie die Bereitstellung von Organisatoren innerhalb der Register als Bindeglied zum Dirigenten. So stellte sich die Stadtkapelle intern auf neue Beine und organisierte sich neu. Die Musiker seien durch mehrere Vereinsmitgliedschaften, durch Schichtarbeit oder betriebliche Reisen belastet, viele bekämen zudem Nachwuchs, erläuterte der Vorsitzende Thomas Späth auf Nachfrage Gründe für Fehlzeiten. Doch er zeigte sich zuversichtlich: "Wir finden einen Weg, der durchgängig eine hochwertige Probearbeit zulässt." Eine Möglichkeit seien auswärtige Proben.

Zwischen 2015 und 2018 hatte die Stadtkapelle bei bedeutenden Höchststufenwettbewerben pausiert. Bereits 2009 gab sich das Orchester ein Leitbild: Neben der Veranstaltung erfolgreicher Konzerte und der Teilnahme an Wettbewerben in den Höchststufen bekennt sich die Stadtkapelle zu gut ausgebildeten und motivierten Musikern mit effizienten Proben, bei denen die Gemeinschaft und der Spaß nicht zu kurz kommen solle.

Beim zweiten Probewochenende für das Wertungsspiel beim Blasmusikverband Hegau-Bodensee in Singen seien viele Elemente aus dem Leitbild verwirklicht worden, so Späth: "Das Wochenende hat besonders herausgeragt." Zwar habe es die Kasse des Vereines mit 6000 Euro belastet, doch konnte das Wochenende aus Rückmeldungen vom Orchester und der Nachbereitung des Vorstands als gelungen bezeichnet werden, so Späth. Bei den drei Tagen andauernden Probe zum Wertungsspiel nahmen 70 Prozent der Musiker teil, der Vorsitzende erlebte konzentrierte Proben. Zudem erhielt der Vorstand viele Ideen zu Konzerten, zur Probenorganisation und zum eigenen Jubiläum im Jahr 2022 – dem 250-jährigen Bestehen der Stadtkapelle.