Es wird geräumt und umdekoriert. "Och nee, dieses Buch will ich aber nicht so groß drauf haben", sagt Victoria Graf und holt schnell eine Box, die mit Tafelkreide lackiert ist. "Die ist besser", sagt sie und tauscht die beiden Gegenstände aus. Die Künstlerin aus Böhringen ist kein Profi vor der Kamera, steht aber für die Multimedia-Show Radolfzeller Stadtgeschichten im Fokus einer Erzählung. Und wird Hauptdarstellerin eines Kurzfilms von Bildjournalist Rainer Jörger. Victoria Graf soll in ihrem Atelier sitzen und von dem Bürgerprojekt Doxcity zum Radolfzeller Stadtjubiläum erzählen. "Ich freu mich total, bei dem Stadtgeschichten mitmachen zu können", sagt sie aufgeregt vor den ersten Aufnahmen. Was sie erzählen wird? Vorbereitet hat sie sich nicht wirklich. "Ich erzähle immer gerade heraus, ohne Skript".

Rainer Jörger hingegen hat ein Skript. Bevor er bei Victoria Graf in Böhringen das professionelle Equipment aufgebaut hat, war er schon bei Maskenkünstler und Regisseur Walter Koch in Konstanz. Gemeinsam mit ihm hat Victoria Graf zum 750. Stadtjubiläum das Maskentheater Doxcity auf dem Marktplatz aufgeführt. 80 Radolfzeller haben daran teilgenommen und auch die Masken selbst hergestellt. Später am Tag kommen auch noch einige der Darsteller von Doxcity und werden ebenfalls Teil des Films werden.

Doch soll es laut Jörger nicht nur um Doxcity gehen. "Wir wollen auch die Menschen vorstellen, sie sollen von sich und ihrem Leben in Radolfzell erzählen", sagt er. Darum ginge es schließlich bei den Stadtgeschichten. Als Rainer Jörger 2010 auf die Idee kam, eine Multimedia-Show über Waldshut zu machen, wurde ihm schnell klar: "Ich kann nicht als Fremder kommen und den Menschen ihre Stadtgeschichte erzählen. Das müssen sie schon selbst machen", sagt Jörger rückblickend. Mittlerweile hat er 28 Produktionen in vielen Städten in der Region erstellt, in Waldshut, Bad Säckingen, St. Georgen und Pfullendorf. Jetzt soll auch Radolfzell zum Star an zwei Abenden werden. Bei den größeren Bürgerprojekten wie Doxcity oder der Lebendschachpartie "Matt am Nachmittag" in Möggingen hat Rainer Jörger bereits bei den Aufführungen selbst Aufnahmen gemacht. Mit einer Maske und einer Kamera mischte er sich bei Doxcity unter die Darsteller auf der Bühne. Die Menschen selbst sollen in ihrem Heim, ihrer Werkstatt, erzählen, wie sie zum Projekt kamen und was sie sonst noch so machen und auf die Beine stellen. Einzelne Passagen sprechen die Protagonisten selbst, ander werden von einem professionellen Erzähler übernommen. Und am Ende treffen sich alle auf der Bühne wieder.

Eine Besonderheit gebe es in Radolfzell: "Ich hatte noch nie so schnell Zusagen bekommen wie hier", sagt er. Die Menschen seien offen und neugierig auf das Projekt. So wie Victoria Graf. Die nach einigem hin- und herräumen nun zufrieden mit dem Szenenbild ist. In einer ersten Aufnahme soll sie hinter ihrem Tresen stehen und Kaffee zubereiten. Ihr Atelier "Die Werkstatt" ist ein ehemaliger Fahrradladen in dem es heute Kunst, Schmuck, Geschenke und Kaffee und Kuchen gibt. Auch veranstaltet sie unter anderem Musikabende, Impro-Theater und Lesungen. Auch darüber wird sie im Film sprechen.

Stadtgeschichten

Die Protagonisten des Film- und Bühnenprojekts Radolfzeller Stadtgeschichten sind die Stadt Radolfzell und ihre Menschen. Der Villinger Bildjournalist Rainer Jörger hat entsprechende Projekte bereits in Bad Säckingen, Waldshut, St. Georgen und Pfullendorf umgesetzt. Kernstück ist eine Show, die im April 2018 gezeigt werden soll. Dabei werden kurze Filmporträts von Menschen gezeigt, die das gesellschaftliche Leben der Stadt prägen. Es schließt sich ein Auftritt dieser Personen oder ihrer Vereine in der Live-Show an. Der SÜDKURIER ist Medienpartner der Radolfzeller Stadtgeschichten.