Eine Schutzengelfigur aus einem Stück Bodensee-Treibholz bekam der neue katholische Stadtpfarrer von Radolfzell, Heinz Vogel, überreicht, als er gestern Vormittag im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes im voll besetzten Münster sowie bei einem anschließenden Empfang der katholischen Seelsorgeeinheit Radolfzell im Friedrich-Werber-Haus in sein neues Amt eingeführt wurde.

Geschenke zu Beginn

Den von Claus Witte geschaffenen Engel überreichte der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Radolfzell, Christof Stadler, beim Empfang im Werber-Haus. Dabei bemerkte er, der Körper der Figur bilde "ein hörendes Herz, was wir Ihnen wünschen". Die Flügel aus rostigem Eisen wiederum stammten von einer Gartenschaufel und sollten den neuen Seelsorger daran erinnern, dass es viel Arbeit im Weinberg gebe". Doch dürfe er, so versicherte Stadler, "gewiss sein, wir arbeiten mit!"

Stadler hatte den neuen Münsterpfarrer zuvor auch schon im Münster zum Beginn des Gottesdienstes begrüßt, den die Geistlichkeit der sieben zur Seelsorgeeinheit Radolfzell gehörenden Orte mitfeierte. Gestaltet wurde der Gottesdienst unter anderem von einem Projektchor aller musikalischen Gruppierungen der Seelsorgeeinheit unter Leiter von Münsterkantor Andreas Jetter. "Die Zeit des Wartens geht zu Ende", stellte Stadler mit Blick auf die mehrmonatige Vakanz fest. Nun würden Pfarrer und Pfarrgemeinde in vertrauensvolle Beziehungen investieren und einen Aufbruch wagen.

Dekan übernimmt Amtseinführung

Der Dekan von Konstanz, Mathias Trennert-Helwig, nahm anschließend im Auftrag des Freiburger Erzbischofs Stefan Burger die offizielle Amtseinführung vor. Diese bestand aus Übergabe der bischöflichen Ernennungsurkunde an den neuen Stadtpfarrer sowie das öffentlichen Ablegen des Glaubensbekenntnis. Der Dekan ermahnte Heinz Vogel hierbei, immer als guter Hirte für seine Gemeinde da zu sein, welcher gegenüber er in besonderer Verantwortung stehe.

Vor dem Pfarrhaus: Die Ministranten posieren vor dem Eingang des Friedrich-Werber-Hauses. Oben auf der Treppe steht der neue Stadtpfarrer Heinz Vogel. Bild: Georg Exner
Vor dem Pfarrhaus: Die Ministranten posieren vor dem Eingang des Friedrich-Werber-Hauses. Oben auf der Treppe steht der neue Stadtpfarrer Heinz Vogel. | Bild: Georg Exner

Der neue Stadtpfarrer Heinz Vogel ging sowohl in geistlicher als auch in weltlicher Hinsicht auf das Heilige Land ein, das er während einer zweimonatigen Sabbatzeit vor kurzem erst bereist hatte. In seiner Predigt während des Gottesdienstes im Münster hob er auf das Tagesevangelium ab, das von der Taufe Jesu Christi durch Johannes im Fluss Jordan handelt. "Der eine ist ohne den anderen nicht zu denken", stellte Vogel fest und mahnte "immer Achtung und Respekt vor dem anderen zu wahren", wie Johannes der Täufer es vor Christus praktiziert habe. Mit Blick auf das Heilige Land zeigte sich der Geistliche später beim Empfang spürbar erschüttert über den Hass, der dieses Land präge. Ein Hass, der seine Wurzeln darin habe, dass man sich gegenseitig "nicht kennen lernen will". Mit Blick hierauf mahnte der neue Stadtpfarrer, sich dem Nächsten zuzuwenden, "damit es gut wird mit uns und unserem Land".

Dank an alle Beteiligten

Neben dem schon erwähnten Schutzengel gab es beim Empfang im Friedrich-Werber-Haus auch ein noch kleines Ölbäumchen, das Annemarie Welte im Namen des Pastoralteams und der Sekretärinnen des Pfarrbüros Heinz Vogel überreichte. Die Sekretärinnen erhielten Blumen für ihre besonders anstrengende Arbeit in den vergangenen Monaten. Christof Stadler dankte auch Dekan Trennert-Helwig und übergab ihm eine Stadtgeschichte von Radolfzell.

Anekdote zum Schluss

Einen Lach- sowie Beifallserfolg hatte der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats der katholischen Seelsorgeeinheit Radolfzell, Christof Stadler, als er gestern zum Schluss des Festgottesdienstes im Münster die Gläubigen einlud zum anschließenden Empfang für den neuen Stadtpfarrer Heinz Vogel ins Friedrich-Werber-Haus zu kommen. Er verdenke es jedoch niemand, fuhr Stadler fort, wenn er zum zeitgleich stattfindenden Neujahrsempfang der Stadt im Milchwerk abwandere. Wenn er dann dort gefragt werde, ob man denn "einen Vogel habe", die Amtseinführung des neuen Stadtpfarrers zeitgleich mit dem Neujahrsempfang vorzunehmen, dann, so fuhr Stadler fort, solle man antworten, "ja wir haben einen Vogel und wir sind froh darüber!" Der neue Stadtpfarrer fügte schmunzelnd hinzu, "und dann trinken Sie dort ein Glas auf mich – es geht ja auf Kosten der Stadt!" Bemerkenswert ist, dass bei Gottesdienst und Empfang auch der frühere Oberbürgermeister von Radolfzell Jörg Schmid samt Gattin zu sehen waren.

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