Autofahrer werden es bereits bemerkt haben. Seit Dienstag dieser Woche ist die Haselbrunnstraße im Bereich zwischen dem Waldhauskreisel und der Güttingerstraße gesperrt. Dort wird die Deckschicht saniert. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis zum 19. Juni an. Wahrend dieses Zeitraumes wird der Straßenabschnitt voll gesperrt. Davon sind auch die Fußgangerwege betroffen. Da die Maßnahme wahrend der Schulferien erfolgt, werden die Schulwege aber nicht beeintrachtigt.

Fur die vorgesehene Deckensanierung ist die Wetterlage von entscheidender Bedeutung. Starke Niederschläge konnen zur Verschiebung der Maßnahme fuhren. Das letzte Mal wurde die Fahrbahndecke in diesem Bereich im Jahr 2010 komplett erneuert. Damals ging man von einer Lebensdauer zwischen acht und zwölf Jahren aus. Bei der Deckschicht handelt es sich um einen sogenannten Flüsterbelag (im Fachjargon „Zwopa“ genannt), der besonders offenporig ausgebildet ist. Genau dies führt zu einer fast halb so langen Lebensdauer, wie man sie von herkömmlichen Deckschichten gewohnt ist.

Geschichte mit Pannen und Ärgernissen

Ohnehin ist der Flüsterbelag in der Haselbrunnstraße eine Geschichte mit Pannen und Ärgernissen. Bereits zehn Monate nach dem ersten Einbau im Jahr 2010 musste der Belag im Rahmen einer Gewährleistungsmaßnahme neu aufgebracht werden. Dabei war man von Anfang an nicht sehr über die Notwendigkeit des Flüsterbelages erbaut. Grundsätzlich hatte ein Planfeststellungsverfahren den Einbau gefordert. Nach dem Umbau der Kreisels im Jahr 2008/9 erforderte der Anstieg des Verkehrs in diesem Bereich auf das Zehnfache Lärmschutzmaßnahmen. Der „Zwopa“ war der Stadt Radolfzell sozusagen von der übergeordneten Behörde auferlegt worden. Das zuständige Regierungspräsidium in Freiburg hatte im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens und einer Bürgerbeteiligung den offenporigen Belag als eine adäquate Lösung des zunehmenden Lärms an der Haselbrunnstraße Ost nach deren Öffnung erachtet. Die Formel in solchen Fällen lautet nämlich aktiver vor passivem Lärmschutz. Zu solchen aktiven Maßnahmen zählen zum Beispiel Lärmschutzwände oder eben auch der Flüsterasphalt. Da Lärmschutzwände an dieser Stelle nicht zulässig gewesen wären, blieb praktisch nur der Einbau des Flüsterbelages.

Lärmreduzierung um die Hälfte

Doch damit nicht genug. Bereits zweieinhalb Jahre später zeigten sich die nächsten Schädigungen an dem Belag, der rund drei mal so teuer ist wie eine herkömmliche Deckschicht. Zuletzt war man im Jahr 2016 zu Teilsanierungen in der Haselbrunnstraße gezwungen, weil vor allem Scherkräfte abbiegender Fahrzeuge dem Belag zugesetzt hatten. Immerhin erfüllt der Belag seinen Zweck. Die gemessene Lärmreduzierung eines neuen „Zwopa“ bewegt sich im Bereich von fünf Dezibel. Das entspricht fast einer Halbierung der gefühlten Lautstärke.