Ein kostenloses Familienspaßbad und ein gebührenpflichtiges Ruhe-Bad für Senioren. So stellte OB Martin Staab die von der Stadtverwaltung bevorzugte Variante für das neue Bäderkonzept vor. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sollte über die grundsätzliche Ausrichtung und Zukunft der Bäder beraten werden. Vier Alternativen wurden vorgestellt. Es ging vor allem um das Thema: Soll man für das Baden im Seebad und Strandbad weiterhin Eintritt bezahlen oder nicht? Die Stadtverwaltung liebäugelte mit der Idee, im Strandbad gratis Baden zu ermöglichen. Die Gemeinderäte äußerten sich in ihren Wortmeldungen jedoch eindeutig für den Erhalt des Bezahlbad-Modells. Norbert Lumbe (SPD) fasste es zusammen: "Was nichts kostet, ist auch nichts." Allein für die Wertschätzung der Badegäste für die Einrichtungen sei ein Eintrittsentgelt notwendig.

Die vier Varianten reichen von minimalsten Sanierungsarbeiten im Bestand über kostenfreies Baden überall bis hin zu der konzeptionellen Entwicklung der beiden Bäder zum Familienbad und Ruhebad. Doch den Räten ging diese Vorgehen zu schnell. "Wir brauchen mehr Informationen, so können wir das heute nicht entscheiden", sagte Siegfried Lehmann (FGL). Viele Details, vor allem finanzielle Auswirkungen und Fragen der Zuständigkeit seien nicht geklärt. Auch das heiß diskutierte Parkplatz-Problem vor dem Strandbad auf der Mettnau könne sich noch weiter zuspitzen, wenn auch noch der Eintritt wegfiele. Das dann einzige Bezahlbad, das Seebad, habe gar keine Parkplätze. Dies sei eine "schwerwiegende Entscheidung", so Lehmann.

Für Thilo Sindlinger (FGL) sind alle vorgestellten Varianten keine echte Option. "Alternative null bis drei kann keiner von uns wollen", sagte er. Seiner Meinung nach müsse man mehr Geld ins Strandbad investieren und im Seebad "abrüsten". Höhere Investitionen ins Strandbad könne man in der Bevölkerung besser rechtfertigen. Die Umfragen der Step-2030-Analyse hätten ohnehin ergeben, dass bei den Radolfzellern (49 Prozent der Befragten) das Strandbad Priorität habe. Nur 27 Prozent sprachen sich für eine schnellere Sanierung des Seebades aus. "Nochmal 50 000 Euro in die Betonteile im Seebad stecken, ist Unsinn", so Sindlinger. Er plädierte für ein Umrüsten auf Leichtbauelemente. Außerdem müsse man erst ein fundiertes Geschäftsmodell für die Bäder erstellen, um den Bedarf der Gastronomie zu ermitteln.

In dem Beschluss einigte man sich darauf, die Präferenz der Variante 3 aus dem Beschluss zu streichen und ergebnisoffen alle Varianten zu überprüfen. Dass nämlich die Bäder ein zukunftsfähiges Konzept bekommen, darüber waren sich alle einig. "Wir brauchen mehr als ein bisschen Farbe und Fliesen", so Norbert Lumbe (SPD). Auch ein geplanter Ideenwettbewerb wurde kritisch diskutiert. Für Helmut Villinger (CDU) würde man damit nur unnötig Zeit verlieren. Der Arbeitskreis werde sich noch vor der Sommerpause treffen und die Details besprechen, versprach OB Staab.

Vier Varianten stehen zur Diskussion

  • Nullvariante: Es werden nur minimalste Sanierungsarbeiten an Gebäude und Anlagen durchgeführt. Die grundsätzliche Konzeption der Bäder bleibt, wie sie ist. Es bleiben Bezahlbäder, es wird baulich nichts verändert oder umgestaltet und das Baden ist nach wie vor nur in den ausgewiesenen Bädern erlaubt, im weiteren Uferbereich herrscht Badeverbot.
  • Variante 1: Freies Baden für alle. Der Badebetrieb wird nicht mehr verpachtete, es kann überall gebadet werden. Jedoch ist eine vollständige Badeaufsicht am öffentlichen Ufer kaum realisierbar und in der Umsetzung zu teuer. Ein Sicherheistrisiko bleibt bei dieser Variante. Die Gastronomie im Seebad und dem Strandbad müsste völlig neu ausgerichtet werden.
  • Variante 2: In beiden Bädern fällt der Eintritt weg. Dieses Modell wird an anderen Orten wie in Gailingen oder der Höri schon praktiziert. Es wird nur noch die Gastronomie verpachtet. Es bleibt zu klären, wer dann den Badebetrieb regelt, die Badeaufsicht hat und wer die Kosten dafür trägt.
  • Variante 3: Das Strandbad wird ein kostenloses Familienbad und das Seebad ein kostenpflichtigs Ruhebad. Im Strandbad wird nur noch die Gastronomie verpachtet, die Finanzierung des Badebetriebs müsste noch geklärt werden. Für den Pächter blieben nur die Einnahmen aus der Gastronomie. das Seebad bleibt kostenplfichtig und soll konzeptionell als seniorenfreundliches Bad weiterentwickelt werden.