In der Zunftstube der Stahringer Schoofwäscherzunft hatte sich Radolfzells Oberbürgermeister Martin Staab zum jährlichen Bürgergespräch eingefunden. Gut 30 Personen waren gekommen, um ihre Anliegen direkt und ohne Umwege dem OB vorzutragen. Jede Wortmeldung wurde von mit gleicher Ernsthaftigkeit angehört und prompt beantwortet – ganz gleich, ob es sich um vernachlässigte Ländereien im Besitz der Deutschen Bahn oder mit Müll belegte Stadtgrundstücke handelte, um die junge Mutter, die sich für die Sicherheit ihrer Kinder eine Ampelregelung am Fußgängerüberweg wünschte oder die Vereine, die nun nur noch eine Veröffentlichung pro Veranstaltung im kommunalen Informationsblatt der Stadt schalten sollten.

Für jeden hatte der OB eine Antwort parat – oder bat zumindest den betreffenden Bürger, das von ihm mitgebrachte Formular, auf welchem man das Anliegen und seine Erreichbarkeiten eintragen konnte, auszufüllen. Die unzulängliche Beleuchtungssituation des Fußweges mit einer „vor sich hindämmernden Funzel“ im Bereich zwischen Halle und Schule sprach Wilfried Jöst an. Den Wunsch nach Bauplätzen trugen die Stahringer gleich mehrfach an den aufmerksam zuhörenden OB heran. Denn nur wenn Stahringen auch Platz für junge Familien zum Bauen biete, könne man auch damit rechnen, stabile Zahlen in Kindergarten und Grundschule halten zu können. Ortschaftsrat Jürgen Aichelmann sprach das bereits zur Hälfte erschlossene Gebiet „Freiwiesle“ an. Der Ortschaftsrat habe den Wunsch, hier weiter voranzukommen. Hierauf folgte der zarte, aber deutliche Hinweis Staabs, alle diesbezüglichen Wünsche schriftlich an die Verwaltung zu senden: „Ich sage Ihnen, eine Verwaltung hat eine tolle Eigenschaft. Wenn etwas Schriftliches in eine Verwaltung kommt, kann man es nicht wegschmeißen!“

Auch die Baumschutzsatzung der Stadt Radolfzell beschäftigte nicht nur die anwesenden Bürger, sondern auch den OB selbst. Sie vereine Fluch und Segen, denn sie scheine überaltert, so waren sich beide Seiten in der Diskussion einig. Wirklich schützenswerte Naturdenkmale und Grün in der Innenstadt Radolfzells könnten nicht über den gleichen Kamm geschoren werden, so das Resümee. In vielen Fragen erläuterte auch der anwesende Ortsvorsteher Hermann Buhl die konkrete Problematik – wie beispielsweise in Bezug auf den schlechten Zustand der Wege im Bereich der Stahringer Homburg.

Die Deutsche Bahn, wie sich im weiteren Verlauf des Abends herausstellte, ist nicht das, was sich Martin Staab unter einem verlässlichen Partner vorstellt. Beim Thema Seetorquerung, das erst zum Ende des Gesprächsabends angesprochen wurde, bezog er deutlich Stellung. Er verließ seinen Sitzplatz und gab stehend einen Rückblick, der zeigte, warum für ihn nur noch eine Variante in Frage kommt – und dies eben auch nur noch im Alleingang der Stadt oder mit verlässlichen Investoren, um die Attraktivität seiner Stadt in puncto Anbindung Altstadt und direktem Seezugang für alle Bürger sowie Besucher der Stadt zu realisieren.

Ein Dauerthema

Der schmale, oft benutzte Fußweg mit Treppe im Bereich Halle/Schule ist ein Stahringer Dauerthema. Aus Verwaltungssicht handelt es sich allerdings, wie Hermann Buhl berichtete, wegen einer Breite von teilweise gerade einmal 80 Zentimetern nicht um einen offiziellen Weg. Verhandlungen und Gespräche mit angrenzenden Grundstückseigentümern hätten gezeigt, dass diese nicht bereit sind, der Stadt angrenzende Fläche zu verkaufen. So habe man bereits die Kanten der Treppenstufen mit weißer Farbe angemalt, um deren Sichtbarkeit zu verbessern.