Was den Klimaschutz anbelangt, ist Radolfzell sehr ambitioniert. Die Stadt beteiligt sich an der Initiative Elektromobilität ebenso wie am Klimaschutz-Pakt zwischen dem Land Baden-Württemberg und den Kommunen. Selbst beim errungenen European Energy Award peilt die Gemeinde nun den Goldstandard an. In der letzten Sitzung des Ortschaftsrates von Möggingen stellte Klimamanager Matthias Putzke die Klimaschutz-Aktivitäten der Stadt vor. Unter ihnen auch die vom Gemeinderat beschlossene kommunale Förderung von Sanierungsmaßnahmen. Bei zwei Kohlendioxid reduzierenden Maßnahmen beteiligt sich die Stadt an zehn Prozent der Kosten bis zu einer maximalen Höhe von 2500 Euro. Hierfür stellte der Gemeinderat letzten Monat Mittel in Höhe von 75 000 Euro bereit. Ziel der Investitionszuschüsse sei es, die Sanierungsquote im Radolfzeller Gebäudestand zu erhöhen.

Das kommunale Förderprogramm möchte energetische Sanierungen unterstützen und ist eingebettet ins städtische Programm "Radolfzell saniert!". Das Programm orientiert sich an den Bedürfnissen des Adressaten bei der Sanierung seines Altbaus. Antragsberechtigt seien Eigentümer von Wohnungen und Wohngebäuden im Gebiet der Stadt Radolfzell und seiner Ortsteile sowie Hausverwalter mit der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft sowie Mieter mit Zustimmung der Eigentümer. Auch hat die kommunale Förderung Gewerbetreibende und Einzelhändler im Blick.

Zu den Sanierungsmaßnahmen können die Dämmung von Fassaden, Dächer oder Kellerdecken gehören sowie der Austausch von Türen und Fenstern als gesamter Baugruppe oder auch die Heizungsmodernisierung. Wichtig sei, dass es sich um mindestens zwei Maßnahmen zur Kohlendioxid-Reduzierung handele. Ausgeschlossen seien Beleuchtungen, Elektromobilität und Photovoltaik-Anlagen, so Matthias Putzke. Letztere würde der Klimamanager aber als zweite Maßnahme akzeptieren.

Die Förderung beträgt zehn Prozent der anrechenbaren Kosten. Die Höchstsumme liegt bei 2500 Euro pro Gebäude mit bis zu zwei Wohneinheiten. Für jede Wohneinheit erhöht sich die Fördersumme um bis zu 1000 Euro. Je Gebäude liegt die Förderhöchstgrenze bei 5000 Euro. Die Energieagentur im Rathaus unterstützt den Bürger bei der Beantragung und Abwicklung der Förderung.

Das kommunale Förderprogramm setzt sich aus Investitionszuschüssen und einer Beratung durch die Energieagentur zusammen. Die Erstberatung ist kostenlos und findet nach einer Terminabsprache zu den Tagen der Gemeinderatssitzungen im Zimmer Bodensee statt. Neu aufgenommen im Förderprogramm sind 500 kostenfreie Einzelgespräche vor Ort. Bei den sogenannten Küchentisch-Gesprächen kommen Energie-Berater direkt nach Hause. Das Angebot deckt jeden 30. Haushalt in der Gemeinde ab.

Das Investitionsprojekt der Gemeinde ist Teil eines Gesamtprogramms, dessen Ergebnis in den European Energy Award Eingang finden soll. Zu der Kampagne gehört auch die Elektromobilität der Gemeindeverwaltung sowie die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude, die den Klimaschutz fördern soll. Als Leiter eines städtischen Energie-Teams möchte Matthias Putzke den Klimaschutz in der Stadt verankern. Auch Einsparungen im städtischen Energieverbrauch hat er im Blick.

Städtischer Klimaschutz

Neben der kommunalen Förderung "Radolfzell saniert!" möchte die Gemeinde im Gewerbepark Kreuzbühl auf fossile Brennstoffe zur Energiegewinnung verzichten und ohne Gasleitungen und Öltanks auskommen. Die Vision ist, die Umweltwärme durch Oberflächen-Thermie und Photovoltaik zu nutzen. Dabei soll ein Clean-Energy-Park entstehen. In der Nähe der ehemaligen Kaserne beteiligen sich im Quartier Schiedelen mindestens zwei Hochhäuser an einer energetischen Sanierung. Mit der Initiative Solar-Dächer möchte die Stadt vorbildlich Sonnenenergie zur Deckung des Eigenbedarfs nutzen. Der Klimamanager informiert Bürger über Elektromobilität und Fördermöglichkeiten.