Am Ende der Diskussion bleibt die grundsätzliche Haltung erhalten, die Stadt Radolfzell erhebt keine Einwände gegen die geplanten Windräder auf Schweizer Seite des Schienerbergs und gibt keine Stellungnahme im Anhörungsverfahren ab. Oder wie es Oberbürgermeister Martin Staab zu Beginn der Diskussion über die Pläne zum Windpark Chroobach im Ausschuss Planung, Umwelt und Technik formuliert hat: "Die Stadt Radolfzell steht hinter der Windkraft."

Was zu Beginn galt, behielt am Ende mit acht zu drei Gegenstimmen seine Gültigkeit. Dabei hatten die Windkraftgegner in Person des CDU-Stadtrats Christof Stadler überraschend Zulauf: "Ich will eine gegenteilige Meinung äußern. Nicht an jeden Ort passt die Windkraft gleich gut", befand der bisherige Windkraftbefürworter in diesem speziellen Fall. Der Schienerberg sei das älteste Landschaftsschutzgebiet, deshalb habe er dort oben ein Problem mit den Windrädern, die Höhe der Bauwerke erinnern ihn an Strommasten. Das stört den Stadtrat: "Dieses Panoramabild hat für mich eine zu hohe Qualität." Deshalb stellte Stadler den Antrag, den Schaffhausern eine abschlägige Stellungnahme mit dem Hinweis auf die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes zukommen zu lassen.

Unterstützung bekam Stadler von Stadtrat Richard Atkinson, der wie seine Partei, die FDP, kein Gefallen an der Windkraft finden kann: "Das ist eine Verschandelung der Landschaft", polterte Atkinson, das Projekt werde schöngerechnet, sei übertrieben und verkehre sich ins Gegenteil – das sei sein Eindruck: "Diese Anlage trägt nichts für unsere Ziele bei", empörte sich Atkinson. Dem Liberalen schwant Böses in der freien Marktwirtschaft, profitieren würden nur die Investoren und Anlagenbauer.

Das brachte Atkinson die schnippische Bemerkung von Waltraud Fuchs ein, Stadträtin der Freien Grünen Liste: "Was mich bei diesen Aussagen wundert: Dass es bei der Windkraft nur um wirtschaftliche Interessen geht." Für Waltraud Fuchs geht es um andere Dimensionen: "Ich bin dezidiert für die Windkraft. Wenn wir dem Klimawandel entgegentreten wollen, müssen wir über den eigenen Tellerrand schauen, auch wenn uns die Windräder in der Landschaft stören." Die Anlagen zum Transport von Strom würden mindestens genau so die Landschaft verschandeln wie die Windräder. Die Stadträtin der Grünen definierte ihre eigene ästhetische Bewertung: "Ein Windrad ist für mich eleganter als eine Hochspannungsleitung oder ein Atomkraftwerk", sagte Waltraud Fuchs.

Noch deutlicher wurde Josef Klett von den Freien Wählern. Er schalt die Kritiker der Windkraft, dass sie nur dagegen seien, aber nicht benennen würden, "woher der Strom denn kommen soll", sagte Klett. Als Landwirt sehe er täglich, was der Klimawandel anrichte: "Wir müssen aufpassen, was wir machen. Wir bekommen viel Wärme, wir bekommen viel Regen." Den Gegnern der Windkraft schrieb Klett ins Stammbuch: "Wir hätten solche Reaktionen bei dem Bau von Atomkraftwerken zeigen sollen und nicht bei den Windrädern." Bis heute wisse man nicht, wohin mit dem Atommüll. Für Klett steht fest: "Wenn man in die Zukunft schaut, brauchen wir die Windräder."

Oberbürgermeister Martin Staab beschrieb die juristische Ausgangslage: "Eine optische Beeinträchtigung können wir nicht geltend machen, sie ist subjektiv und nicht justiziabel." Er verstehe auch nicht die Empörung, die diese Projekte auslösen würden. Die einen lebten an einer viel befahrenen Straße, die anderen nahe an einem Gewerbegebiet. Staab stellte die rhetorische Frage, ob die Anwohner der Haselbrunnstraße vielleicht nicht lieber neben einer Windkraftanlage leben würden, um sie dann selbst zu beantworten: "In unserer Gesellschaft gibt es eine Lastenteilung, die man ertragen muss." Die Wirtschaftlichkeit wage er nicht zu beurteilen, doch ein Windrad würde 6000 bis 7000 Menschen mit Strom versorgen. Die Stadt Radolfzell habe sich aus Überzeugung mit der Interessengemeinschaft Hegauwind am Windpark Verenafohren in Tengen beteiligt: "Das ist ein ganz klares Bekenntnis.

" Deshalb folgerte der OB: "Die Schweizer werden nur ihre Atomkraftwerke abschalten, wenn sie Alternativen haben." Diese Alternativen seien Windräder – auch auf dem Schienerberg. Diese Bewertung teilte die Mehrheit im Ausschuss.

Stadlers Stellungnahme

Auszug aus der schriftlichen Stellungnahme von CDU-Stadtrat Christof Stadler, warum er gegen das Projekt Chroobach ist: "Die Windräder entwickeln sich nicht aus einer Hochebene heraus, sondern vom See aus betrachtet stehen sie auf den Spitzen des Schienerbergs und werden so mit einer Höhe von 400 Meter wahrgenommen. Dies erscheint unverhältnismäßig. Der Bau der Windräder am Chroobach fände nicht auf einer gewissen planen Waldfläche statt, sondern in einem von der letzten Eiszeit stark zerfurchten Waldgebiet. Hier wird massiv in ein relativ intaktes Naherholungsgebiet und eine bedeutsame Tourismusregion eingegriffen."