Unter dem Motto „Jeden Moment wert“ stehen beim 750. Radolfzeller Stadtjubiläum an über 100 Tagen 60 Veranstaltungen und Projekte auf dem Programm: von Ausstellungen über Festivals und Kunstevents zu Genießertreffen und Sportaktionen. Am 15. Januar 2017 fällt der Startschuss zum Jubiläumsjahr mit Eröffnungsvortrag und Ansprache des Oberbürgermeisters Martin Staab.

Bei den vielfältigen Veranstaltungen wird nicht nur ein Blick in die Geschichte der Stadt geworfen. Einer Aufstellung der Stadtverwaltung ist zu entnehmen, dass auch das moderne Kulturleben und die wirtschaftliche Zukunft beleuchtet wird. „Wer spendiert sein Leibchen?“ So lautete die Frage, mit der die Ausstellungsmacher um historische Exponate baten. Denn in Radolfzell gründete Jacques Schiesser aus der Schweiz im Jahr 1875 seine Trikotagenfabrik. Die Firma ist bis heute in Radolfzell ansässig und beim Jubiläum selbstredend mit dabei. Vom 22. April bis 29. Oktober zeigen Stadtmuseum und Villa Bosch in Kooperation mit dem Unternehmen die Doppelausstellung „Mein Schiesser – Gestern und heute“. Präsentiert werden in der Villa Bosch Schiesser-Lieblingsstücke der Menschen aus der Region, im Stadtmuseum steht unter dem Titel „Ein Jahrhundert Schiesser“ die Unternehmensgeschichte im Mittelpunkt.

Offene Türen, Kunst, Musik und Tanz in den Fabrikationshallen sowie eine eigens entworfene gläserne Produktion beim Automobilzulieferer ZF-TRW: Auf die Nacht der Radolfzeller Unternehmen am 5. Mai darf man gespannt sein. Jede Firma, darunter etliche Weltmarktführer, ließ sich etwas Besonderes einfallen. Der Nahrungsmittelhersteller Hügli etwa lädt auf die MS Königin Katharina zu einer Kochveranstaltung mit Verkostung ein.

Rekordverdächtige 2000 aktive Musiker kommen in Radolfzell auf rund 30 000 Einwohner. Die Musikschule bildet stets neue Talente, vor allem für die Blasensembles aus – von der fasnächtlich-wilden Bläserkombo bis zum über 50-köpfigen Jugendblasorchester. Unter dem Titel „Blechfieber 2017“ ehrt die Stadt beim ersten Seefestival Radolfzell die große Blasmusiktradition der Stadt. Es findet an Pfingsten, vom 2. bis 5. Juni, direkt am See statt. Bekannte Formationen wie La Brass Banda vom Chiemsee und die SWR Big Band, die sich den Jazzsänger Max Mutzke an die Seite geholt hat, ebenso wie Stadtkapelle, Jugendblasorchester und Froschenkapelle treten auf. Der größte Blasmusikflashmob Deutschlands soll ebenfalls für Überraschungen sorgen.

Holzspäne, Steinstaub, Funkenschlag – wenn die sechs Bildhauer, die am zweiten Radolfzeller Bildhauersymposium teilnehmen, an ihren Skulpturen arbeiten, wird geklotzt, nicht gekleckert: Vom 12. bis 20. Mai entstehen im Park auf der Halbinsel Mettnau vor den Augen der Besucher und Flaneure Kunstwerke zum Thema „Naturmomente“. Täglich, außer am Sonntag, kann den Bildhauern über die Schulter geschaut werden. Zwei Jahre lang werden die Skulpturen danach im Mettnaupark ausgestellt.

Eine Stadt der Genießer: Von einem Radolfzeller wurde nachweislich die Schwarzwälder Kirschtorte erfunden: Konditor Josef Keller, der am Markt ein Café führte, hielt das Rezept 1927 handschriftlich fest. Das Café ist verschwunden, der Markt blieb: Mittwochs und samstags wird er am Münster abgehalten, im Sommer zusätzlich am Donnerstagabend. Dieser Abendmarkt hat sich zu einem echten Ausflugsziel entwickelt. Eine genussvolle Erfahrung verheißt auch das „Dîner en blanc 750“: Am 19. August um 19 Uhr decken die Radolfzeller an der Hafenmole eine Tafel für 750 Gäste. Ganz in weiß gekleidet, teilen sie ihre mitgebrachten Köstlichkeiten und genießen sie direkt am Seeufer. Und am 24. September macht die Fernsehsendung „SWR1 Pfännle“ Station am See – als krönender Abschluss der Sommertour.

Mit der „Tour de Radolfzell“ wird am 2. Juli ein 23 Kilometer langer Radweg eröffnet, der die Kernstadt im Jubiläumsjahr mit ihren Teilorten, den sechs einst eigenständigen Dörfern Böhringen, Güttingen, Stahringen, Möggingen, Liggeringen und Markelfingen, verbindet. Spannende Erfahrungen versprechen auch die Bürgerprojekte, an denen über 1000 Radolfzeller beteiligt sind. So etwa wird in Möggingen mit lebenden „Figuren“ ein legendäres Schachspiel nachgespielt. Bürger mimen dabei die Figuren wie Bauer, König, Turm und andere. Der Münsterplatz wird zur Bühne für ein Maskentheater, eine Bürgerredaktion produziert ein Magazin zum Jubiläum. Nicht zuletzt schreiben mehrere Radolfzeller an den Szenen für den Historischen Zeitspaziergang am 2. Oktober 2017: An diesem Tag wurde vor 750 Jahren das Stadtrecht verliehen, an der Stadtmauer unterhalb des Obertors.

Rabatt durch Anstecker

Der Jubiläums-Anstecker kostet fünf Euro. Mit ihm gibt es viele Vergünstigungen bei Ausstellungen, Stadt- und Themenführungen und Seerundfahrten mit der MS Alet. Erhältlich ist er bei der Tourismus- und Stadtmarketing Radolfzell GmbH (TSR) am Bahnhofplatz 2, Telefon (0 77 32) 81-500, und beim Stadtmuseum, Seetorstraße 3. Bei der TSR gibt es auch die 100-seitige Broschüre zum Stadtjubiläum und Karten für die Veranstaltungen. Öffnungszeiten: Oktober bis April: Mo-Fr 9-13 und 14-17 Uhr, Sa 10-13 Uhr. Mai bis September Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa 10-13 Uhr.

Karten und Infos im Internet:http://www.r750lfzell.de