Seit dem Auftakt 1978 in Konstanz war keine Stadt am Bodensee mehr Ausrichter der Heimattage Baden-Württemberg. Umso schöner, dass die Veranstaltung an den See zurückkehrt. Im Jahr 2021 wird Radolfzell Austragungsort der Heimattage sein. Darin werden dem ganzen Bundesland die Heimat, die Traditionen und Bräuche, und das besondere Lebensgefühl am See näher gebracht.

23 Mitglieder im Arbeitskreis

Die Vorbereitungen zu dem Veranstaltungsreigen laufen bereits auf vollen Touren. Fachlich werden die Heimattage von der Tourismus- und Stadtmarketing GmbH sowie dem Fachbereich Kultur begleitet und organisiert.

Nach der Bewerbung im Jahr 2015, die jeweils fünf bis sieben Jahre vorher abgegeben wird, hat sich im vergangenen Jahr ein Arbeitskreis aus Vertretern des Gemeinderates, dem Trachtenverein, Narrenzünften, dem Familienverband, Umweltverbänden, dem Seniorenrat, dem Jugendgemeinderat und der Aktionsgemeinschaft Radolfzell gebildet. Insgesamt 23 Mitglieder sollen helfen, die Heimattage mit Inhalt und möglichst vielen Veranstaltungen zu füllen.

Brauchtum, Natur & Umwelt, Musik

Den Rahmen werden drei Themenschwerpunkte bilden: Der erste wird das Brauchtum, Trachten, Dialekt, die Fastnacht und die Stadtgeschichte darstellen. Der zweite Bereich deckt Aspekte wie Natur, Umwelt, Bodensee, Landschaft und Vogelkunde ab. Die Musikstadt Radolfzell stellt den dritten Themenschwerpunkt dar.

Radolfzell zeichnet sich durch seine besondere Verbindung zu Natur und Umwelt aus, und durch jährliche Veranstaltungen wie Fasnacht oder das Hausherrenfest. Als Musikstadt mit zahlreichen Events bietet Radolfzell allen Musikbegeisterten eine Heimat.

„Zeigen, was Radolfzell zu bieten hat“

„Wir wollen Baden-Württemberg zeigen, was Radolfzell zu bieten hat. Wir sind eine alte Stadt mit Sinn für Tradition und wollen auch so wahrgenommen werden“, sagt dazu Oberbürgermeister Martin Staab. Diese Schätze möchte man im Rahmen der Heimattage einer breiten Öffentlichkeit vorstellen und plant deshalb diverse Themenwochenenden für das Jahr 2021.

Radolfzell möchte mit den Heimattage die Besonderheiten der Stadt und deren Ortsteile für Gäste hervorheben, aber auch die Einheimischen für diese sensibilisieren. Die Gemeinsamkeiten genauso wie die Vielstimmigkeit, die das tägliche Leben ausmachen, sollen hör-, sicht- und anderweitig erfahrbar gemacht werden. Die Stadt möchte sich nachhaltig und identitätsstiftend mit dem Heimatbegriff auseinandersetzen, um so das Zusammengehörigkeitsgefühl in Radolfzell weiter zu stärken.

900000 Euro für Heimattage

Gute Erfahrungen hat Radolfzell damit bereits beim 750-jährigen Stadtjubiläum gemacht. „Das hat beim Stadtjubiläum geklappt. Aber wir wollen uns auch nach Außen präsentieren. Schließlich sind wir eine Tourismusstadt. Wir möchten einen nachhaltigen, ruhigen und sanften Tourismus“, sagt Martin Staab.

Das hat durchaus auch eine monetäre Bewandtnis. Rund sieben Prozent des Radolfzeller Bruttosozialproduktes stammen aus diesem Bereich. Dafür nehmen das Land und Radolfzell im Rahmen der Heimattage insgesamt rund 900 000 Euro in die Hand. Das Land gibt 285 000 Euro, die Stadt 200 000 Euro und alles andere soll nach Auskunft des Oberbürgermeisters aus Drittmitteln bezahlt werden.

Wie entsteht Heimat?

Die Heimattage werden wissenschaftlich begleitet. Im Oktober 2019 startet ein Studierendenprojekt der Universität Konstanz. Unter der Leitung der Ethnologin Maria Lidola wird untersucht, wie Heimat im Alltag entsteht. Für sie ist Heimat etwas, das man selbst entwickeln kann: „Heimat ist fur mich nichts Selbstverstandliches, sondern etwas, das wir machen und somit fur uns und andere gestalten konnen“.

Die Ergebnisse der Untersuchung werden 2021 in der Villa Bosch ausgestellt. Aktuell werden noch Teilnehmer gesucht, die sich in der Geschäftsstelle der Heimattage melden können.

„Radolfzell ist für mich Heimat“

Was Oberbürgermeister Staab unter Heimat versteht, kommt auf Nachfrage wie aus der Pistole geschossen aus seinem Mund: „Radolfzell ist für mich Heimat. Aber als Oberbürgermeister ist man automatisch ein Schnellwurzler“, sagt er. Eigentlich stammt Martin Staab aus Königsbronn, einem Ort 50 Kilometer nördlich von Ulm.

Veranstaltungen im Jahr 2021

Die Narrenzünfte aus der Kernstadt und den Ortsteilen laden am 16. Januar 2021 zur Narrenreise ein. Begleitet wird die „närrische Reise“ durch die Fasnetmusiken, die mit den Besuchern zusammen von Ortsteil zu Ortsteil und Kernstadt reisen.

Zwei Themenwochenenden Klima, Umwelt, Natur im April und Oktober sollen für kleine und große Besucher zum erfahrbaren und greifbaren Naturerlebnis werden.

2021 feiert die Trachtengruppe Alt Radolfzell 100-jähriges Vereinsjubiläum. Zum Geburtstag widmet das Stadtmuseum der Geschichte der Radolfzeller Trachten eine Sonderausstellung und im April beschäftigt sich eines der Themenwochenende mit Trachten, Brauchtum und Tradition.

Die Baden-Württemberg-Tage am 8. und 9. Mai 2021 sind der offizielle Auftakt der Landesveranstaltungen: Bei einer Leistungsschau präsentieren sich regionale und überregionale Gewerbe- & Dienstleistungsunternehmen, Tourismusverbände und Vereine in der gesamten Innenstadt. Auf der SWR Bühne am See gibt es ein abwechslungsreiches Programm mit bekannten Gästen.

Als die Musikstadt am Bodensee darf das 3. Seefestival im Juni nicht fehlen. Im Oktober lädt die Musikstadt dann internationale Straßenmusiker nach Radolfzell ein.

Mit den Landesfesttagen vom 10. bis 12. September 2021 finden die Heimattage Baden-Württemberg ihren krönenden Höhepunkt: Beim Landesfestumzug am Sonntag präsentieren sich rund 90 Trachten- und Musikgruppen aus ganz Baden-Württemberg. Insgesamt sind rund 3500 Teilnehmer aus sämtlichen Teilen Baden-Württembergs – vom Bodensee, aus dem Schwarzwald, von der Schwäbischen Alb oder aus Hohenlohe beteiligt.

Die Ortsteile präsentieren im Heimattagejahr ihre Vielfalt durch Ortsteilprojekte von Januar bis Dezember 2021. Alle sechs Radolfzeller Ortsteile haben für ihre Projekte 10 000 Euro zur Verfügung