Die Frage, ob sie sich diese Arbeit denn selbst ausgesucht habe, hat Heidrun Walschburger schon oft gehört. Für viele ist es erst einmal nicht ganz verständlich, warum sie sich gerade die Betreuung von Obdach- und Wohnsitzlosen ausgesucht hat. Genau diese Einstellung ist es jedoch, die Heidrun Walschburger ändern will.

Gemeinsames Projekt mit dem Jobcenter

„Back to Work“ – zurück zur Arbeit und damit auch ins Leben, lautet das Motto des Projekts, das Heidrun Walschburger leitet. Als Mitarbeiterin der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) betreut sie am Standort Radolfzell sieben bis zehn Menschen, die keine eigene Wohnung mehr haben. Was im ersten Moment nach einer Mischung aus Sozialarbeit und Wirtschaftsunternehmen klingt, ist eine gemeinnützige GmbH, die keinen Gewinn erwirtschaftet. Die Maßnahme wird vom Jobcenter gezahlt, mit dessen Fallmanagement sie vertrauensvoll zusammenarbeite, erklärt Heidrun Walschburger.

Viele Betroffene sehnen sich nach Normalität

Die Idee zu dem Projekt hat sie gemeinsam mit der Behörde umgesetzt. Obdach- und Wohnsitzlose, so die Projektleiterin, werden gerne vergessen oder als Personen außerhalb der Gesellschaft angesehen. „Das Klischee ist ja immer, dass die betroffenen Personen das wollen und das in Deutschland keiner auf der Straße leben muss“, sagt Heidrun Walschburger. Das entspreche jedoch nicht der Realität, erklärt sie. Die meisten sehnen sich nach Normalität wollen in eine Wohnung und in die Arbeitswelt zurückkehren. „Es wichtig, diesen Personen auch das Gefühl zu geben, wichtig und ein Teil der Gesellschaft zu sein.“

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"Es ist ein Teufelskreislauf"

Die Menschen, die sie ihm Rahmen ihrer Arbeit trifft, sind sehr vielfältig und haben alle einen anderen Hintergrund, erzählt sie. Sie alle kamen unfreiwillig in ihre derzeitige Lage. "Es ist ein Teufelskreislauf. Keine Arbeit, keine Wohnung. Keine Wohnung, keine Arbeit." Wer erst einmal auf der Straße landet, kommt nur schwer wieder raus, behauptet Walschburger. "Wie soll man auch ohne Computer oder Laptop Bewerbungen schreiben?", fragt sie.

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Dazu kommt ein anderes Problem. "Es gibt keine Einrichtungen, bei denen Menschen ohne Wohnsitz ihre Kleidung waschen oder duschen können." Das führe schnell wieder zu dem nächsten Klischee, dass diese Leute "unsauber" seien und sich nicht mehr um sich kümmern wollen, sagt Heidrun Walschburger. "Auch das ist nicht wahr", betont sie. Einer ihrer Schützlinge zum Beispiel lege sehr viel Wert auf sein Äußeres. "Wenn man ihn sieht, glaubt man nicht, dass er auf der Straße lebt. Er möchte jemand sein."

"Es ist uns nun einmal unangenehm, diesem Elend ins Auge zu sehen"

Damit das wieder gelingt, unterstützt Walschburger Betroffene auf der Suche nach einer Wohnung und einer Arbeitsstelle. Dabei helfe nicht immer nur Mitleid, erklärt sie. Manchmal brauche es auch klare Worte, um den ein oder anderen auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Gleichzeitig will sie Klischees und Sorgen bei den potenziellen Chefs und Vermietern abbauen. Dabei sei es ihr auch wichtig, nicht die Moralkeule zu schwingen. "Es ist uns nun einmal unangenehm, diesem Elend ins Auge zu sehen", sagt sie.

Weihnachtsessen für ihre Schützlinge

Trotzdem sei es wichtig, auch da über den eigenen Schatten zu springen. Deshalb will sie selbst am 13. Dezember ein Weihnachtsessen für ihre Schützlinge zubereiten. Nichts Großes oder Exklusives, sagt sie. Aber ein kleines Zeichen, elf Tage vor Heiligabend.

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