Ein Blick entlang der Straße zeigt die Auswirkung der vergangenen Wochen. Nur ein einzelnes Fahrzeug steht in der Radolfzeller Haydnstraße am Bordstein geparkt, die restlichen wurden von ihren Besitzern woanders abgestellt. Grund dafür ist ein Unbekannter, der seit Mitte September Fahrzeuge mit einem spitzen Gegenstand zerkratzt. Elf Mal hat er in den vergangenen vier Wochen bereits zugeschlagen, achtmal davon in der Haydnstraße, dreimal in der angrenzenden Markelfinger Straße.

Bild: Ellen Knopp

Wagen von Anwohnerin wurde dreimal zerkratzt

"Nachts steht hier kein Auto mehr", sagt eine Anwohnerin (Name der Redaktion bekannt) der Haydnstraße, die lieber anonym bleiben will. Da der Täter dort achtmal zugeschlagen hat, befürchtet sie, erkannt und so erst recht zur Zielscheibe zu werden. Dreimal hat der Unbekannte ihren Wagen zerkratzt. Sie ist besorgt – auch, weil sich der Täter mittlerweile steigert. "Am Anfang war es ein kleiner Kratzer, dann ein langer über die komplette Beifahrerseite. Beim letzten Mal muss er sogar stehen geblieben sein, denn da wurde mehrfach über eine Stelle gekratzt." Sie will, dass die Polizei den Täter schnappt. "Man würde gerne zu den normalen Parkgewohnheiten zurückkehren", erklärt sie.

Ermittlungen gestalten sich schwierig

Die Ermittlung des Täters gestaltet sich jedoch als schwierig, wie der Polizeipressesprecher Bernd Schmidt des Polizeipräsidiums Konstanz erklärt: "Das Problem ist, dass man bei diesem Delikt wenig Spuren hinterlässt, da der Täter ja nur einmal mit einem Nagel oder etwas Spitzem am Auto langschrammen muss." Auch sei die Tat innerhalb kürzester Zeit geschehen. Die Häufigkeit von Beschädigungen innerhalb derselben Straße legt nahe, dass es sich bei allen elf Fällen um immer denselben oder dieselben Täter handelt, so Schmidt. "Man kann hier durchaus von einer kleinen Serie sprechen, auch wegen der Art des Vorgehens."

Fälle tragen die gleiche Handschrift

Alle Fälle tragen die gleiche Handschrift, so Schmidt. Viele der Fahrzeuge seien von vorne über die gesamte Fahrzeuglänge bis zum Kotflügel zerkratzt worden, die Taten finden vor allem in den Nachtstunden oder am frühen Morgen statt. Mittlerweile belaufe sich der Schaden auf rund 16 500 Euro.

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Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung

Die Beamten des Radolfzeller Reviers sind mittlerweile für den Bereich Haydnstraße sensibilisiert, so Schmidt. In solchen Fällen sei die Polizei aber auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, erklärt er. "Verdächtige Wahrnehmungen in dem Bereich sollten sofort an die Polizei unter der Rufnummer 110 gemeldet werden."

Vorfälle beschäftigen die Anwohner

Wie sehr die Vorfälle die Anwohner der Haydnstraße aktuell beschäftigen, zeigt auch das Gespräch mit einer Familie, die ebenfalls nicht erkannt werden will. Sie rätseln, ob es sich beim Täter um einen Schüler auf dem Weg zum Bus, einen betrunkenen Jugendlichen oder einen möglicherweise aggressiven Erwachsenen handelt.

Auch ihr Fahrzeug wurde an einer Seite verkratzt. "Ich kam nachts um halb eins nach Hause, da war noch alles in Ordnung. Am nächsten Tag habe ich dann die Kratzer bemerkt", erklärt der Familienvater. Auch wenn sein Wagen mittlerweile woanders steht, hat er durch die Vorfälle ein mulmiges Gefühl. "Wer weiß, wann es in einer der Parallelstraßen anfängt", sagt er.

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Ereignisse erinnern an vergangenes Jahr

Die Ereignisse erinnern an vergangenes Jahr, als Unbekannte am 18. November im Zeitraum von Mitternacht bis 11 Uhr 17 Fahrzeuge in der Goethe- und Waldstraße zerkratzten. Die Polizei schätzte den Schaden damals auf rund 34 000 Euro. Ein wichtiger Unterschied zu den aktuellen Fällen ist jedoch, dass die Beschädigungen nur in einer Nacht stattfanden. Wann die Anwohner der Haydnstraße wieder mit einem guten Gefühl ihre Autos auf der Straße parken können, bleibt vorerst ungewiss.