Beschreibt man die Zukunft in der Ausbildung, dann geht das knapp in zwei Worten: Digitalisierung und Globalisierung. Dahinter steckt allerdings mehr als die Schlagwörter aussagen und Stefan Moser, Ausbildungsleiter bei ZF TRW in Radolfzell, weiß, dass Veränderungen auf das Unternehmen zukommen. Pro Jahr stellt ZF TRW am Standort Radolfzell 15 Lehrlinge ein, sie werden zu Industrie- und Verfahrensmechanikern, Werkzeugmechanikern, Elektronikern und Industriekaufleuten sowie in International Business ausgebildet. Soweit zur Gegenwart. Für die Zukunft will sich der Konzern rüsten. Ab 2018 soll ein weiterer Lehrberuf angeboten werden: Man wird zum Fachinformatiker und gemeinsam mit einer Dualen Hochschule im Studiengang Informatik ausbilden. "Wir werden dieses Personal brauchen", erläutert Stefan Moser, "die Technologie ändert sich und auch das Produktportfolio." Er nennt ein Beispiel: "Was früher ein mechanischer Schalter war, funktioniert inzwischen digital." Für ZF TRW bedeutet das am Standort auch Umstellungen: Wer eine Ausbildung bietet, muss den Rahmenplan erfüllen, also beispielsweise alle nötigen Geräte in der Produktion vorweisen, etwa auch Roboter. Die angestellten Fachinformatiker werden sich weiterbilden müssen, um die Azubis ausbilden zu können.

Auch jetzt schon richtet sich die Ausbildung nach Anforderungen der Zukunft. Robin Rummler steht am Beginn des zweiten Lehrjahrs zum Werkzeugmechaniker. Früher habe man vor allem auf mechanische Weise gefräst, heute werde das sogenannte CNC-Fräsen, ein computergestütztes, elektronisches Fräs-Verfahren, immer relevanter, erklärt Moser. Das bedeute auch, dass die Lehrlinge mehr Zeit darauf verwenden, das Programmieren einer CNC-Maschine zu lernen. Robin Rummler ist beides recht. "Digital geht schneller und ist nicht so aufwendig. Wenn es aber nur um einen Arbeitsschritt geht, ist es viel sinnvoller, das Werkzeugteil konventionell zu fräsen." Programmieren wird Rummler im zweiten Lehrjahr lernen.

Franziska Lauber studiert International Business an der Dualen Hochschule in Schwenningen und wird in den praktischen Aspekten bei ZF TRW ausgebildet. Sie ist sich der Zukunftssicherheit ihrer künftigen Tätigkeit bewusst. "Das Studienfach ist an sich ja schon sehr global. Englisch ist aus der Ausbildung nicht wegzudenken." Viele Vorlesungen sind auf Englisch, fließendes Sprechen und gutes Hörverständnis Voraussetzung. Hinzu kommt Training in den interkulturellen Aspekten des Managements. Franziska Lauber wird all die Theorie bald in die Tat umsetzen: Im Oktober reist sie für 70 Tage nach China, ins ZF TRW-Werk nach Suzhou. Englisch wird da nur bedingt weiterhelfen, ein paar chinesische Floskeln kann die Studentin schon. Das Unternehmen unterstützt die Initiative bei jungen Leuten. China wird als Werksstandort immer wichtiger, auch als Handelspartner. Deshalb gibt es leistungsbezogene Anreize: Für Franziska Lauber zahlt TRW Flug und Unterkunft in Suzhou. Wer weniger gute Noten hat, muss mehr selbst bezahlen.

Es ist aber auch die Arbeitsweise, die sich verändert. So werde heute und in Zukunft ein dynamischeres Arbeiten gefordert, "man ist viel flexibler", erklärt Moser. Das wirke sich zum einen auf Arbeitszeiten aus: Wer mit China oder Mexiko telefonisch verhandelt, kann nicht um 17 Uhr nachhause wollen. "Schon jetzt haben wir flexiblere Arbeitszeitmodelle", erläutert Mandy Schuster, möglich seien Home-Office und Gleitzeit. Für die Auszubildenden gelte das noch in eingeschränktem Maße, aber auch sie werden darauf vorbereitet.

Von Flexibilität und Offenheit für neue Inhalte spricht auch Yulia Grel, 25, die an der dualen Hochschule in Villingen-Schwenningen Wirtschaftsinformatik studiert und den praktischen Teil der Ausbildung bei der Firma Sybit in Radolfzell absolviert. "Die Technologien entwickeln sich rasant", bestätigt die junge Frau, man müsse sehr wach bleiben, um mitzuhalten. "Kaum arbeitet man sich ein, hat sich eine Software schon wieder verändert." Unabdingbar sei, so ihre Erfahrung, sich dauernd zu informieren, was es auf dem Markt Neues gebe. Bei Sybit fühlt sie sich in dieser Hinsicht gut aufgehoben. Das IT-Beratungsunternehmen, das seine Kunden bei E-Business und Content Management berät, setzt schon jetzt auf Zukunft. Ein Beispiel ist die Datenbrille (Augmented Reality), die Sybit jetzt bereits ihren Kunden anbietet. Auch in der Arbeitsorganisation sieht Sybit nach vorne: Mit Jira, einer Management-Software, sei es möglich, zu sehen, wer im Team gerade mit welcher Aufgabe beschäftigt sei. Das gemeinsame Versammeln des Teams um ein White Board gehöre damit schon zu veralteten Methoden.

Yulia Grel stellt sich darauf ein, dass sich sowohl die Software-Lösungen, als auch der Arbeitsalltag in ihrem Arbeitsleben noch vielfach ändern werden. Was ihr zugutekommt, ist ihre umfassende Ausbildung: Vor ihrem Studium hat sie eine Ausbildung als Fachinformatikerin bei Sybit abgeschlossen. "Über den Weg, den ich gegangen bin, bin ich sehr froh. Gerade im Programmieren weiß ich sehr viel."

Die Berufsbilder verändern sich

Die Studie: In einer repräsentativen Studie hat das Kontaktnetzwerk Linkedin deutsche Vorstände und Personalverantwortliche befragt, welche Fähigkeiten heute und in zehn Jahren am gefragtesten sein werden. 87 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass die Fähigkeit zur Datenanalyse aktuell „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ sei. Dass diese Kompetenz in zehn Jahren entscheidend ist, glauben sogar 91 Prozent von ihnen. Das Wissensmanagement liegt derzeit mit 82 Prozent auf dem zweiten Platz; in zehn Jahren sehen die Befragten diese Kompetenz mit 93 Prozent auf dem Spitzenplatz. Die größten Sprünge machen Unternehmensführung (von 50 auf 73 Prozent), allgemeine Digitalkompetenz (von 53 auf 69 Prozent) sowie Programmierkenntnisse (von 32 auf 48 Prozent). Entscheidungsfähigkeit, öffentliches Sprechen und Kreativität verlieren an Bedeutung, vermuten die Umfrageteilnehmer.

Die Ausbildung bei der Handwerkskammer: Laut Sabine Schimmel, Bildungsexpertin bei der Konstanzer Handwerkskammer, gibt es 130 Handwerksberufe in Deutschland. Im Zuständigkeitsbereich der Konstanzer Kammer (Landkreise Konstanz, Rottweil, Tuttlingen, Waldshut und Schwarzwald-Baar) unterschrieben Lehrlinge in 83 dieser Berufe in diesem Jahr einen Ausbildungsvertrag. In den vergangenen Jahren habe sich die Zahl der Ausbildungsberufe kaum verändert, und das werde auch in Zukunft eher nicht passieren, sagt Sabine Schimmel. Vielmehr verändern sich bestehende Berufsbilder. Zwei Beispiele: Der Land- und Baumaschinenmechaniker heißt jetzt Land- und Baumaschinenmechatroniker. Und für den Kraftfahrzeug-Mechatroniker gibt es den neuen Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik für die Wartung von Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb. Im Kreis Konstanz wählten nur zwei Azubis aus Singen diesen neuen Schwerpunkt.

Die Ausbildung bei der IHK: Im Landkreis Konstanz bildet die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee in 106 Berufen aus. In unserer Region sind die Ausbildungsberufe im Handel und im Transportgewerbe stark vertreten. Auch der relativ neue Beruf Kaufmann für Büromanagement wird laut IHK sehr gut angenommen. Ausbildungen, bei denen die Lehrlinge in Internaten wohnen oder zur Schule sehr weit fahren müssen, werden unbeliebter. Die Zahl der Neueintragungen im Landkreis Konstanz ist sehr stabil: Pro Jahr beginnen zwischen 1200 und 1300 junge Menschen eine Ausbildung in einem IHK-Beruf.

Kirsten Schlüter