Radolfzell – Auch in diesem Jahr hatten zwölf Schüler in der ersten Ferienwoche die Chance, einen Einblick in die Welt des Radolfzeller IT-Unternehmens zu erhalten. Laut Stephan Strittmatter von der Softwarefirma Sybit gehen viele davon aus, ein Programmierer sei ein Nerd, der den ganzen Tag mit Chips und Cola vor dem PC sitze. Dabei sei Programmieren vor allem eins: Teamarbeit. Werkstudent Marcel Luz, der als Betreuer fungierte, fiel die Zusammenarbeit mit den Schülern leicht. "Sie haben sich von Anfang an auf die Arbeit gestürzt und waren sehr engagiert".

Praktikum mal anders

Das Camp ist Teil des Jugendferienprogrammes in Zusammenarbeit mit dem Café Connect. Die Idee entwickelte sich Strittmatter zufolge, da jedes Jahr viele BORS-Bewerbungen bei Sybit eingingen. BORS steht für 'Berufsorientierung an Realschulen' und bedeutet, dass sich Schüler der neunten Klasse einen einwöchigen Praktikumsplatz suchen. Die Bewerbungen ließen sich nicht alle auf die Azubis verteilen, weshalb eine Alternative für gemeinsame Projekte gesucht wurde. Daraus entwickelte sich das Coding-Camp.

Wie bekommt man ein Spiel vom Papier auf den Bildschirm?

Dieses Jahr stand das Computerspiel Battleship, zu deutsch "Schiffe versenken" auf dem Plan. "Es mag einfach klingen, wenn man Papier vor Augen hat, aber in der virtuellen Welt ist es nicht so leicht umzusetzen", sagt Strittmatter. Sybit habe sich für dieses Spiel entschieden, da es Interaktion und Spaß miteinander vereine.

Mit ein bisschen Übung klappt's dann

Sowohl Schüler, die lediglich mit den Programmen Excel und Word vertraut waren, als auch Teilnehmer, die das Ziel formulierten, ein Online-Spiel wie Minecraft zu programmieren, seien in diesem Jahr dabei gewesen. "Ich hatte null Erfahrung und es war anfangs schwer reinzukommen", erzählt die 19-jährige Roxana Singer. Alle Beteiligten sind sich allerdings einig, dass die anfängliche Überforderung bereits am zweiten Tag rasch verflog. "Anfangs war ich skeptisch, aber nach einem Tag war es super", sagt der 16-jährige Enrico Franke.

So funktioniert Schiffe versenken virtuell

Das Prinzip des Spiels entspricht dem klassischen "Schiffe versenken". Über einen Menüpunkt kann der Spieler Einsicht in die Spielregeln gewinnen und über einen weiteren ein neues Spiel starten. Der Spieler kann sowohl seinen Namen eingeben, als auch Schiffe ins Spielfeld ziehen und nach Belieben drehen, um sie zu positionieren. Da es sich um ein interaktives Computerspiel handelt, muss eine Spielanfrage an den gewünschten Gegner versendet werden. Zu Beginn platzieren beide Spieler ihre Schiffe auf dem Spielfeld. Im Folgenden können sie versuchen, die Position des Gegnerschiffes zu ermitteln, in dem sie ein beliebiges Feld des Spielfeldes anklicken. Jeder Spieler hat 60 Sekunden Zeit.

Was die Schüler aus dieser Woche mitnehmen

Sybit habe sich mit dem virtuellen Camp zum Ziel gesetzt, Schüler mit der Arbeit des Unternehmens vertraut zu machen und ihre Teamfähigkeit zu fördern. Teilnehmer Cedric Lange nimmt aus der Zeit beim Camp nach eigenen Angaben die Erfahrung mit, wie es ist, im Team zu programmieren. Außerdem habe er die Anwendung einer neuen Programmiersprache gelernt und Einblick in die Struktur des Unternehmens erhalten. Manche Jugendlichen kommen wieder – und bauen ihre Verbindung zum Unternehmen aus. Gabriel Berchmann war vor zwei Jahren Teilnehmer des Coding-Camps. Mittlerweile hat er eine Ausbildung bei Sybit begonnen.

Fleiß und Ehrgeiz der Schüler wurden am Ende mit Zertifikaten honoriert. Diese können die Jugendlichen als Praktikumsbescheid für Bewerbungen nutzen.