Wahlkampf macht Spaß – jedenfalls dann, wenn jemand wie Jens Spahn seine politischen Ansichten darlegt. Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen hat seit geraumer Zeit einen faszinierenden Lauf in den überregionalen Medien, beweist aber auch bei Landpartien eine beneidenswerte Kondition. Seinen Auftritt vor führenden Köpfen aus mittelständischen Unternehmen im Radolfzeller Innovationszentrum (RIZ) begann er mit dem Hinweis auf 19 Termine, die er im Laufe von 66 Stunden absolviere. Chapeau!

Möglich, dass Fabio Crivellari bei dieser Bemerkung kurz schlucken musste. Der CDU-Kandidat will in den Landtag und ihm dürfte bewusst geworden sein, mit wie vielen Wassern man gewaschen sein muss, um im politischen Geschäft bestehen zu können. Jens Spahn spielt dabei nahezu perfekt auf der Klaviatur zwischen politischer Information und Entertainment: Erst gibt's für die Unternehmer und Politiker (unter ihnen sein Bundestagskollege Andreas Jung, der um die Wiederwahl in den Landtag kämpfende Abgeordnete Wolfgang Reuther und der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt) eine Runde gute Laune. Noch nie sei es Deutschland besser gegangen als zu Beginn des Jahres 2016 mit 43 Millionen Erwerbstätigen, Überschüssen in den öffentlichen Haushalten und – klar doch – einer von der CDU angeführten Bundesregierung, die der tiefere Grund für die gute Lage sei.

Sodann folgt die mit Infos gespickte Analyse des grün-rot regierten Ländles. Jens Spahn warnt vor Versäumnissen beim Breitbandausbau und erklärt im Schweinsgalopp, warum zum Beispiel Bayern einfach besser beim Abräumen von Zuschüssen im Straßenbau ist: Wenn zum Jahresende nicht benötigte Bundesgelder zu vergeben seien, legten die Bayern baufertige Projektpläne vor – während sich in Stuttgart ein Verkehrsminister mit prinzipiellen Bedenken zum Straßenbau plage.

Das vormittägliche Treffen mit anschließendem Weißwurstfrühstück wurde insgesamt aber doch von Bundesthemen bestimmt. Die Unternehmer beklagten dabei unter anderem die bürokratischen Hindernisse bei der Integration von Flüchtlingen ins Arbeitsleben – was wiederum nur beispielhaft gedeutet werden konnte. Auch bei der Unternehmensübergabe beziehungsweise dem Erbschaftsrecht oder der Zuteilung von Zuschüssen steckt nach Ansicht der Unternehmer ein zu hoher Verwaltungs- und Zeitaufwand.