Die Konstanzer Landtagsabgeordnete Nese Erikli und der Staatssekretär im Umweltministerium Baden-Württemberg, Andre Baumann (beide Grüne), besuchten auf Einladung von Martin Wikelski, Direktor der Abteilung Tierwanderungen und Immunökologie, das Max-Planck-Institut für Ornithologie/Vogelwarte Radolfzell. Dabei stellte Wikelski unter anderem das Projekt „Icarus“ (International Cooperation for Animal Research Using Space) vor, wie es in einer Pressemeldung heißt. Ziel der Icarus-Initiative ist es, die globalen Wanderbewegungen kleiner Tiere, insbesondere von Vögeln, durch ein Satellitensystem zu beobachten. Dazu werden Tiere auf der ganzen Welt mit kleinen Navigationssendern ausgestattet. Die Daten sollen ab Herbst 2018 von der Internationalen Raumstation gesammelt und anschließend auf der Datenbank „Movebank“ frei zur Verfügung gestellt werden. Mit der App „Animal Tracker“ lassen sich diese Tierbewegungen live verfolgen. „Konstanz wird damit zum weltweiten Zentrum eines neuen Erdbeobachtungssystems durch Tiere, das den Zustand des Lebens auf unserem Planeten vorhersagt“, so Wikelski laut der Mitteilung. Und Erikli ergänzt: „Bürgerinnen und Bürger können damit auch ganz aktiv an Forschungsprojekten teilnehmen. Sie können besenderte Tiere in der Natur beobachten, und können diese Beobachtungen und Fotos mit der Animal Tracker App direkt in der Forschungsdatenbank hochladen.“

Von den Daten verspricht man sich am Max-Planck-Institut wichtige Erkenntnisse, etwa über das Vogelsterben, das sich auch am Bodensee beobachten lässt. Anhand des Bewegungsprofils lässt sich beispielsweise nachvollziehen, ob die Ursachen für das Vogelsterben schwerpunktmäßig in Deutschland oder entlang der Routen von Zugvögeln liegen. „Wenn wir einen wirksamen Naturschutz und keinen Aktionismus betreiben möchten, dann brauchen wir funktionierendes Monitoring und eine gute Naturschutzforschung", wird Andre Baumann zitiert. Und weiter: "Mit dem Icarus-Projekt und einer Digitalisierung der Naturschutzforschung steht das Institut nun an der Spitze der ökologischen Forschung weltweit. Die Ergebnisse sind für den Schutz der biologischen Vielfalt dieses Planeten von zentraler Bedeutung.“

Wikelski und Bauer stellten außerdem Rückgänge in der heimischen Vogelwelt dar. Allerweltsarten wie die Feldlerche seien auf dem Rückzug. Gründe dafür seien Intensivierung der Landwirtschaft, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und fehlende Brachflächen. „Uns fehlen durch den Wegfall der Stilllegungsprämie in Baden-Württemberg tausende Hektar Brachflächen", so Baumann. Hinzu kommt das Insektensterben, das in Deutschland ebenfalls zum Rückgang der Vogelbestände beiträgt, da diese weniger Nahrung finden. Das Land habe darauf reagiert und etwa die Finanzmittel für den Naturschutz stark gesteigert, sagte Baumann laut der Mitteilung.