Der große Saal im Milchwerk war ausverkauft. Rund 800 Konzertbesucher erwarteten vom Orchester der Südwestdeutschen Philharmonie eine Weihnachtsshow ganz im Sinne der amerikanischen 60er Jahre. Swing war angesagt. Und die Südwestdeutsche Philharmonie, die man sonst eher mit klassischer Musik in Verbindung bringt, lieferte punktgenau. Es dauerte nur wenige Sekunden und man fühlte sich nach Las Vegas, genauer gesagt in das damals berühmte Hotel Sands, versetzt. Dort traten Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis jr. in legendären Shows auf.

Eines Abends, als Dean Martin auf der Bühne stand, hatten Sammy Davis jr. und „Old Blue Eyes“ Frank Sinatra nichts anderes zu tun, als ihren Kollegen aus dem Publikum heraus zu stören und sich mit Witzen lauthals über Dean Martin lustig zu machen. So wurde ein damals unbekanntes Unterhaltungsformat geboren, das bis heute direkt mit der Swing-Musik verbunden ist.

Amüsante Unterhaltung, Frotzeleien und gekonnte Umsetzung eines Musikstils galt es also für das Orchester der Südwestdeutschen Harmonie einzubinden und umzusetzen. Da fragt dann Nigel Casey, der den Dean Martin gibt, den Dirigenten Gordon Hamilton am Ende eines Liedes: „Ich habe hier noch Text, hast Du noch ein paar Noten?“ Noten waren gerade nicht mehr verfügbar.

Das Publikum ist völlig hin und weg von dieser Parodie des legendären Rat-Packs, der Ratten-Bande. Angeblich soll Lauren Bacall, als Schauspielerin eine Legende der „goldenen Ära“ Hollywoods und Ehefrau von Humphrey Bogart, diesen Begriff geprägt haben, als sie die Clique um Frank Sinatra von einem Ausflug zurückkehren sah.

Große Liebe zum Detail

Henrik Wager, der an diesem Abend den Frankyboy gab, stand dem Original in Nichts nach. Selbst der Hut mit dem weißen Band passte einfach perfekt. Dirigent Gordon Hamilton sagt dazu in der Pause: „Die Orchestermusiker spielen auf einem so hohen Niveau, sie können die Noten nicht nur lesen. Sie können sie verstehen und richtig interpretieren. Deshalb haben wir auch die Zeit, um uns über Details Gedanken zu machen. Wir wollen ja schließlich eine perfekte Show abliefern.“ Deshalb trug Andreas Wolfram als Sammy Davies jr. seine Fliege auch offen, eben ganz so wie im Original.

Anlehnung an die Andrews Sisters

Eine perfekte Begleitung der drei Show-Größen waren Katja Friedenberg, Judith Lefeber und Tabea Henkelmann, die als Ladys angekündigt waren. Doch schnell wurde deutlich: die drei Sängerinnen stellten die Andrews Sisters nach. Es ist zwar nicht überliefert, dass das Rat Pack jemals mit den Andrews Sisters gemeinsam ein Weihnachtskonzert gestaltet hat, aber an diesem Abend im Milchwerk passte es einfach zusammen.

Alle bekannten Lieder aus dieser Zeit, alles was an einem gemütlichen Dezemberabend nicht fehlen darf, boten die Akteure auf. Ob Sankt Nikolaus nun in die Stadt kommt (Santa Claus is coming to Town), es sich um eine Schlittenfahrt mit einem Pferd handelt und die Glöckchen klimpern (Jingle bells) – die Zuschauer fühlten sich in ein winterliches Wunderland versetzt. Kaum ein Besucher, der nicht den Takt mit dem Fuß mitwippte, die Finger schnipsen ließ. Dieses Weihnachtskonzert war sicher außergewöhnlich.