So richtig zu verstehen ist es nicht, warum die städtische Stiftung "Hospital zum Heiligen Geist" bei der Umsetzung der Einzelzimmervorgabe für ihr Pflegeheim derart unter Zeitdruck geraten ist. Während ein bequemer Zugang zum See eine freiwillige Aufgabe der Stadt bleibt, ist die Einzelzimmervorgabe bereits 2009 gesetzlich für den 1. September 2019 verbindlich festgelegt worden. So richtig in Fahrt gekommen ist das Verfahren in Radolfzell aber erst 2017. Zwei Jahre für ein 14-Millionen-Euro-Projekt sind ehrgeizig. Aber bis zum nächsten Jahr müssen ja nur verbindliche Pläne vorgelegt werden, da bleibt noch Zeit zum Diskutieren. Wenigstens scheint mit dem Beschluss, das Pflegeheim-Gebäude Poststraße 15 zu verkaufen, die Finanzierung gesichert. Und dieser Beschluss ist zu loben, weil der Stiftungsrat das Haus nur an die Stadt verkauft. Damit bleibt das Vermögen bei der Stadt und der Spitalfonds hat Geld für sein Neubauprojekt Pflegeheim auf der Mettnau. Die Stadt kann – endlich – mit dem Gebäude wieder etwas für den sozialen Wohnbau tun. Auf wenig Verständnis wäre gestoßen, wenn das Haus auf dem freien Immobilienmarkt verkauft worden wäre und die Vertragsklausel für eine soziale Verwendung nicht gegriffen hätte. Das kennt Radolfzell schon.

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