Es ist nicht meine beste Idee, an diesem heißen Sommertag eine Radtour zu machen. Das wird mir jedoch erst später bewusst, als der Schweiß von meinem Gesicht in die Speichen des in die Jahre gekommenen Fahrrads tropft und meine Schenkel mit jedem Meter schwerer werden. Aber immerhin habe ich digitale Hilfe. Vielleicht ist eine Fahrrad-App ja so kraftsparend wie ein E-Antrieb.

Die Installation der Rad-App auf dem Handy geht schnell. Ich suche ich mir eine der zahlreichen Touren aus und schwinge mich auf das Rad. Die Beschreibung der Tour de Radolfzell ist kurz und prägnant. Die Karte dazu ist allerdings wenig hilfreich. Bis das Bild aufgelöst ist, vergeht eine gefühlte Viertelstunde. Wenn man bestimmte Abschnitte auf der Karte näher betrachten will, geht das Warten wieder los. Die heutige Tour führt mich am Bodensee entlang nach Markelfingen. Ich fahre an Naturschutzgebieten vorbei und genieße die Aussicht auf den See.

In Markelfingen halte ich an, um zu sehen, wie es weitergeht. Die Sonnenstrahlen an diesem heißen Tag machen es schwierig, auf dem kleinen Bildschirm meines Handys Orientierung zu finden. Der Weg führt mich nach Norden Richtung Möggingen. Zur Sicherheit frage ich noch einen Passanten. Er erklärt mir den Weg. Nicht links ins Gewerbegebiet, sondern rechts Richtung Friedhof solle ich fahren. Später versuche ich noch mal, jedoch vergeblich, die Karte auf meinem Handy zu laden Ich packe das Gerät in die Hosentasche und mache mich wieder auf den Weg. Nach wenigen Minuten radele ich am schönen Mindelsee entlang. Am anderen Ufer sieht man Wälder, Lichtungen, Vögel die über dem Wasser fliegen. Etwa drei Kilometer sind es jetzt noch bis Möggingen. Es geht immer weiter bergauf. Die malerische Aussicht über den Mindelsee ist die Mühe aber wert.

Auf eine schöne Radtour bei gutem Wetter freuen sich die Touristen Sabine Wyslucha (von links) und Steffi Fischer aus Rottweil.
Auf eine schöne Radtour bei gutem Wetter freuen sich die Touristen Sabine Wyslucha (von links) und Steffi Fischer aus Rottweil. | Bild: Johannes Renner

Von Möggingen ginge es nun eigentlich weiter nach Liggeringen, doch ich beschließe umzukehren. Die Sonne hat mir einheizt und von der App bin ich nicht überzeugt. Zudem ist mein Akku fast leer. So etwas würde mit einer guten, alten Karte in Papierform nicht passieren. Die Geduld und Zeit, die man braucht, um mit der App klar zu kommen, ist nicht Jedermanns Sache. Meine jedenfalls nicht. Mein Fazit: Für den Notfall, wenn man die Karte zu Hause vergessen hat oder man unterwegs keine Leute trifft, ist die App eine nette Ergänzung. Praktisch ist sie aber nicht.

Anfang Juli ist die Rad-App in Radolfzell online gegangen. „Die App ist noch ziemlich neu. Deshalb haben wir noch keine Statistik über die Nutzung. Einige haben aber nachgefragt. Die App wird wahrgenommen und ist erwünscht“, so Sabine Hellner. Die Leiterin des Tourismus- und Stadtmarketing erklärt die Vorteile der App. So könne man immer wieder neue Touren laden und sie als Dateien auf dem Handy abspeichern. „Wenn das Netz schwach ist, ist die Nutzung der App natürlich eingeschränkt. Falls es da Probleme gibt, müssen wir das mit dem Netzbetreiber abklären“, so Sabine Hellner. Die App ist für die Zielgruppe der digital affinen Touristen gedacht, die auch im Urlaub nicht offline gehen wollen. Für alle anderen gibt es immer noch die Alternative der städtischen Radbroschüre.

Die Befragung einiger Touristen zeigt, dass die App bei den Urlaubern noch nicht so ganz angekommen ist. Von sechs befragten Radfahrern in Radolfzell wusste jedenfalls niemand davon. Wenn man es aber wüsste, könnte es durchaus nützlich sein, meint Touristin Steffi Fischer aus Rottweil.

Die Rad-App RADolfzell

Über iTunes App Store kann die Gratis-App für iPhone und iPad heruntergeladen werden. Für Android Geräte ist sie im Google Play Store verfügbar. Neben Wegbeschreibungen gibt es auch ein Verzeichnis von Gaststätten.

Hier geht's zur App: www.radolfzell-tourismus.de/Erleben/Radfahren/Rad-App-RADolfzell