Radolfzell – Kuno Rauch lebt für die Musik: Er ist Dirigent, Musiklehrer, Musiker, Sänger und Orgelbauer und er ist ein musikalisches Multitalent. Trompete spielt er, seit er neun Jahre alt ist, Orgelunterricht hatte er ebenfalls und Gitarre hat er sich selbst beigebracht. Er begann, im Jugendblasorchester Radolfzell zu spielen und ist seit seiner Kindheit auch im Musikverein Markelfingen aktiv. Damals als blutjunger Musiker – heute als Dirigent der Jugendkapelle Markelfingen-Liggeringen, die JuKaMaLi, und als Musiklehrer. Als Außendienstmitarbeit der Musikschule Radolfzell ist er auch im Musikverein Böhringen Lehrer. Wenn er die Schüler aus Engen dazu zählt, kommt er auf insgesamt 45 Schüler, die er einzeln unterrichtet. Bevor Kuno Rauch als Vollzeitmusiker arbeitete, war er 17 Jahre Orgelbauer bei der Firma Mönch in Überlingen angestellt. Damals baute und restaurierte er Orgeln in Radolfzell, Spaichingen und auch in Warschau. Vier Jahre arbeitete er in Vorarlberg.

Mit der Entscheidung, 2002 Blasorchesterdirektion und Trompete zu studieren, gab er den aufwendigen Beruf auf und pendelte sieben Jahre lang nach Zürich. Obwohl er damals schon 39 Jahre alt war, überzeugten sein Talent und Können die Professoren, so dass er in das zweite Semester an der Hochschule der Künste – früher Hochschule für Musik und Theater – einstieg. Damals konnte man nur in der Schweiz Blasmusikdirektion studieren. Später wurde das Fach dann auch an der Hochschule für Musik in Augsburg eingeführt. Parallel dazu übernahm Rauch 2004 als Dirigent den Musikverein Markelfingen, gab das Dirigat beim Musikverein Böhringen 2006 ab und übernahm 2008 auch den Taktstock von Ladislaus Vischi bei der Stadtkapelle Radolfzell. Zudem war er in dieser Zeit auch noch in Böblingen Musiklehrer und Dirigent. Die Anfänge gehen übrigens bereits auf 1997 zurück, als er begonnen hatte, im Musikverein Böhringen zu dirigieren.

Aber er dirigiert nicht nur, sondern singt auch, wie er beim Frühjahrskonzert der Stadtkapelle unter Beweis stellte. "Gesungen hat fast jeder in der Familie. Mein Vater und auch meine sechs Geschwister. In den Sommerferien habe ich im Café Diener Kartoffeln geschält und dabei immer gesungen. Manchmal war es den Mitarbeitern auch zu viel." Das Chanson "La Mer" kennt er vom Film "French Kiss" und Frankreich hat es ihm angetan. Regelmäßig macht er Urlaub in den Haute Alpes oder in der Bretagne. "In erster Linie sehe ich mich als Dirigent. Ich konnte schon immer Menschen schnell davon überzeugen, Musik zu spielen und ich habe ziemlich klare Vorstellungen davon, wie Musik klingen soll", sagt Rauch, der schon mit 13 Jahren einen "Jugend musiziert"-Wettbewerb gewonnen hat. Seine Tochter Emma ist 13 Jahre alt und hat vor Kurzem mit einem Klarinetten-Ensemble ihren ersten "Jugend musiziert"-Landeswettbewerb gewonnen. Ebenso sein Sohn Zeno, der Trompete spielt und zusammen mit Manuel Schmal gewonnen hat, aber noch zu jung ist, um beim Bundeswettbewerb mit zu machen. Nicht nur seine Kinder sind sehr musikalisch: Auch seine Frau, Elisabeth Rauch-Hurt, spielt Klarinette und unterrichtet an der Musikschule. Sie hat Kuno Rauch bei seinen musikalischen Vorhaben immer unterstützt.

Ostern ist für den Katholiken Kuno Rauch das höchste Fest im Kirchenjahr. "Aber Weihnachten ist auch wichtig – ohne Geburt gäbe es schließlich keine Passion", sagt er. "Aber leider wird auch Ostern langsam zum Konsumfest. Etwas, das mich an Weihnachten schon so nervt." Im Münster spielen zu dürfen, ist für Rauch etwas Besonders: Die Akustik des großen Kirchenschiffs trägt den Schall weit hinaus und wird durch die Säulen im Raum gut gebündelt. Die Münsterbläser, die es seit 2011 gibt, fanden sich auf Initiative von Kuno Rauch zusammen.

Bei der Messe am diesjährigen Ostersonntag erklangen nicht die Trompete von Jericho, wie Pfarrer Michael Hauser erklärte, sondern zehn Münsterbläser: Vier Trompeten (Kuno Rauch, Thomas Späth, Thomas Kauter und Christoph Joos), drei Posaunen (Uwe Friedlein, Meinrad Joos und Thomas Schäuble), ein Horn (Martin Schäuble), eine Tuba (Thomas Kassner) und eine Pauke (Tobias Haas). Mal festlich, mal getragen-besinnlich – zum Teil arrangiert von Kuno Rauch selbst – erschallten Werke von Sigfrid Karg-Ehlert, Edvard Grieg, Johann Sebastian Bach, Joy Webb und zum Schluss das jubilierende Halleluja aus "Messias" von Georg Friedrich Händel.

Zur Person

Kuno Rauch wurde 1963 geboren und ist in Markelfingen aufgewachsen. Dort lebt er mit seiner Frau und seinen Kindern Emma und Zeno. Er ist gelernter Orgelbauer und stammt aus einer musikalischen Familie. Mit seiner klaren Vorstellung von Musik steckt er andere schnell an und stieg deshalb zum Dirigenten verschiedenster Musikvereine auf. Mit 39 Jahren studierte er Bläserdirektion und Trompete. Die Münsterbläser hat er 2011 gegründet und gestaltet mit ihnen immer wieder Gottesdienste und Konzerte. Am 24. Juni spielen sie im Kölner Dom. (chg)