Radolfzell-Markelfingen – Der Ortschaftsrat gibt grünes Licht für das Neubaugebiet im Tal. Nachdem das Denkmalamt und der Gestaltungsbeirat gefordert hatten, zwei Sichtachsen auf Kirche, Rathaus und die Pfarrhäuser frei zu lassen, war der Entwurf komplett überarbeitet worden. Die neue Anordnung der Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser fand Zustimmung im Rat. Doch die Erschließung des Neubaugebiets allein von der Kaltbrunner Straße aus sorgte für lange Diskussionen. Schließlich sprachen sich sieben Ortschaftsräte für den neuen Entwurf aus, vier waren dagegen. Es gab eine Enthaltung.

So sollen die Querverbindungen jetzt aussehen

Ursprünglich sollten die südlich gelegenen Häuser des Neubaugebiets von der Laurentiusstraße aus zu erreichen sein, die nördlichen von der Kaltbrunner Straße. Im Zuge der Übearbeitung des Entwurfs hatte das Landratsamt zugestimmt, zwei Straßen von der Kaltbrunner Straße aus ins Wohngebiet abzweigen zu lassen. Bedingung hierfür sei, die Kaltbrunner Straße von der Rißgasse aus bis zum Ortsausgang von viereinhalb Meter auf sechs Meter zu verbreitern, erläuterte Stadtplaner Markus Toepfer vom Dezernat Umwelt, Planen und Bauen. Zur Laurentiusstraße, die neben der Dorfkirche St. Laurentius liegt, soll ein Fußweg die Verbindung vom neuen Quartier ins Dorf sein. In nicht öffentlicher Sitzung hatte sich der Ortschaftsrat einstimmig für diesen Entwurf ausgesprochen, so Ortsvorsteher Lorenz Thum.

Ortschaftsräte hätten sich Tempo 30 gewünscht

Allerdings unter der Bedingung, dass auf der Kaltbrunner Straße künftig Tempo 30 gilt und das Ortsschild verrückt wird. Beiden Wünschen kann jedoch nicht entsprochen werden. Eine Reduzierung des Tempos von 50 auf 30 Stundenkilometer auf einer Kreisstraße sei nur bei wesentlich höheren Verkehrszahlen möglich, erklärte Toepfer. Ortsschilder stünden stets in der Nähe zur Bebauung am Ortsrand. Wie viele Fahrzeuge die Kaltbrunner Straße in Zukunft entlangfahren, wenn der Verkehr durch das Neubaugebiet hinzukommt, soll neu berechnet werden, so der Stadtplaner. Allerdings machte er wenig Hoffnung auf ein Tempolimit. Die Straße sei "breit und leistungsfähig", sie könne bis zu viermal mehr Verkehr aufnehmen, bevor die Werte erreicht seien, die für eine Reduzierung des Tempos maßgeblich sind.

Sicherheit auf dem Schulweg als zentrales Thema

Die Frage der Sicherheit auf dem Schulweg spielte für die Räte eine wichtige Rolle. Laut Schulwegeplan sollten die Kinder aus dem nordöstlichen Dorfteil die nördliche Seite der Kaltbrunner Straße entlanglaufen und in die Oberdorfstraße einbiegen, bevor sie diese in Höhe der Laurentiusstraße queren. Ortschaftsrat Hermann Repnik (CDU) hielt dagegen, dass dies unrealistisch sei. Die Kinder gingen den Mühlbach entlang und überquerten die Straße oft an gefährlichen Stellen wie der Kreuzung Schwanenweg, Markolfstraße, Oberdorfstraße.

Kritik an den Flachdächern

Lorenz Thum machte auf einen Pluspunkt des Entwurfs aufmerksam. Er komme dem geäußerten Wunsch nach einem Dorfplatz zwischen Rathaus und Kirche entgegen. Die Laurentiusstraße und der Platz würden nicht durch mehr Verkehr belastet. Mit der Anordnung der Sichtachsen und der verschiedenen Häusertypen zeigten sich die Ortschafträte einverstanden. Andreas Blum bemängelte die Flachdächer der Kettenhäuser am östlichen und westlichen Rand sowie der Mehrfamilienhäuser an der Kaltbrunner Straße. Für die restlichen Häuser sind Satteldächer vorgesehen. Dies passe besser zum dörflichen Charakter, so Blum. Die niedrigeren Flachdächer seien mit Rücksicht auf die Anwohner geplant worden, erklärte Toepfer.

Ortschaftsräte verstehen Ablehnung der Ortsumfahrung nicht

Die Mehrheit der Räte bedauerte den abgelehnten Bau einer Ostumfahrung durch den Gemeinderat. Für Andreas Blum (CDU) kam eine Anbindung über die Kaltbrunner Straße nicht in Frage. Er wolle nicht für eine weitere verkehrstechnische Fehlentscheidung im Ort stimmen. Hermann Repnik und Andreas Danner (FW) schlossen sich dem an. Zustimmung kam von Walter Hemlein (CDU). Er sprach von "der besten Möglichkeit aus vielen schlechten." Für Martina Gleich (CDU) stellte der Entwurf "einen Riesenfortschritt dar." Stefan Neumair (CDU) meinte, trotz der bedauerlichen Änderungen hoffe er auf die Zustimmung des Rats, damit Familien endlich einen Bauplatz bekämen.