Von allen Stammtischen, zu denen Oberbürgermeister Martin Staab bisher in den Ortsteilen geladen hatte, war der in Liggeringen am besten besucht. Im Laufe von zweieinhalb Stunden wurde eine Fülle von Themen angesprochen. Markant war etwa die Diskussion um die ganz Jungen in Liggeringen sowie um die Ältesten, als man auf Kindergarten und Friedhof zu sprechen kam. Wie von zwei jungen Stammtisch-Teilnehmerinnen geschildert wurde, leide der Liggeringer Kindergarten unter dauerndem Personalmangel und einer hohen personellen Fluktuation. "Es werden immer nur die größten Löcher gestopft", meinte eine der jungen Frauen und fügte hinzu: "Wie überall in Radolfzell". Das musste letztlich auch Staab bestätigen. Der Grund: Erzieherinnen seien Mangelware. Eine Lösung dieses Problems habe er nicht parat.

Im Gegensatz zu den Kindergärten "entleeren sich die Friedhöfe", wie ein älterer Teilnehmer der Runde feststellte. Die Ursachen dafür liegen etwa in der Konkurrenz für die städtischen Friedhöfe durch Friedwälder. Der Trend zum Urnengrab tut ein übriges für größere Leerflächen. Umso unverständlicher fand es der Diskussionsteilnehmer, dass die Friedhofsgebühren ständig steigen. Die Kommunen seien in der gesetzlichen Pflicht zur Kostendeckung, hielt Staab dem entgegen, stellte als Lösungsmöglichkeit jedoch auch eine Verkleinerung der Friedhöfe in Aussicht, mit der Konsequenz sinkender Gebühren. Außerdem wolle man auch auf den städtischen Friedhöfen Bäume zur Verfügung stellen, an denen man Urnen beisetzen könne. 2017 werde man einen Entwicklungsplan für die Friedhöfe in Angriff nehmen.

Mit der Baumschutzsatzung wurde ein Thema angesprochen, das die ganze Stadt betrifft. Sie wird in einem Arbeitskreis bis 2017 überarbeitet. Den Ist-Zustand bezeichnete OB Staab als "missverstandenen Schutz". Ziel müsse es sein, die Bäume in die Baumschutzsatzung aufzunehmen, die Schutz wirklich brauchen. OB Staab schätzt deren Anteil auf etwa zwölf Prozent.

Ein weiteres Thema des Abends, das die ganze Stadt betrifft, ist die Parkplatznot. Was Radolfzell betrifft, sieht OB Staab immer größere Probleme heraufziehen. Trotzdem sprach er sich deutlich gegen eine Bewirtschaftung des Messeplatzes aus: "Ein kostenfreier Parkplatz in der Stadt sollte bleiben." In Liggeringen ist das Problem nicht geringer, wie Ortsvorsteher Hermann Leiz verdeutlichte. So werden die Autos entlang der Durchgangsstraßen abgestellt und an manchen schmaleren Nebenstraßen sei infolge geparkter Fahrzeuge kaum noch ein Durchkommen. Eine Lösung sieht man eventuell im Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Ein Schritt wäre die Schaffung einer zweiten Bushaltestelle, am Ortsrand in Richtung Konstanz. Mit Sorge blickt man in Liggeringen auf die neubaubedingte Sperrung der Bundesstraße 33 im nächsten Frühjahr. Die Umleitung würde durch Liggeringen führen, was eine Verdoppelung des Verkehrs auf der Landesstraße 220 bedeuten würde. Heute wird sie bereits von 90 000 Fahrzeugen im Monat benutzt.

Baulandentwicklung war ein weiteres Thema. Auch OB Staab sah die Notwendigkeit für "ein kleines Baugebiet" in Liggeringen, nachdem die recht zahlreichen Baulücken im Dorf so rasch nicht zu schließen sind. Voraussetzung sei, betonte OB Staab, dass die Stadt alle Grundstücke erwerben könnte. Das Zurückhalten von Flächen durch die Besitzer würde nicht mehr akzeptiert.


Solarenergiedorf

Deutliche Kritik an der Unteren Naturschutzbehörde in Konstanz gab es beim OB-Stammtisch in Liggeringen. Der Radolfzeller Ortsteil will zum Solarenergiedorf werden. Dafür soll ein Solarthermiefeld angelegt werden mit einer Fläche von 1,5 Hektar. Immerhin 80 Nutzer der hier erzeugten Energie hätten sich bereits angemeldet, teilte Ortsvorsteher Hermann Leiz mit, 260 Anschlussmöglichkeiten bestünden. Nachdem das Solarthermiefeld jedoch im Landschaftsschutzgebiet Bodanrück zu stehen käme, wird von der Behörde eine gleich große Ausgleichsfläche anderswo gefordert, was schwierig zu realisieren ist. Diese Forderung stieß auf starkes Befremden bei der Versammlung. Gerade eine Naturschutzbehörde müsste Verständnis für das Vorhaben zeigen und eine Ausnahme von der Regel machen können, so der Tenor. OB Staab zeigte sich davon überzeugt, dass 2017 das Solarenergiedorf Wirklichkeit wird.