Herr Nägele, in Radolfzell kennt man Sie vorwiegend als Pianist. Wie sind Sie zum Dirigieren gekommen?

Der Wunsch zu Dirigieren kam eigentlich, als ich zum ersten Mal einen sinfonischen Klang hörte. Es war die große g-moll-Sinfonie von Mozart. Ich hörte dieses Stück zum ersten Mal mit den Münchner Philharmonikern, als wir mit meinen Eltern die Stadt besuchten, und wollte dann unbedingt die Musik nochmal und nochmal hören. Natürlich hatte ich damals nicht den Plan Dirigent zu werden, aber ich glaube, das Klangerlebnis war entscheidend und eine Art erste Zündung.

Kommen Sie aus einem musikalisch geprägten Elternhaus?

Ja! Meine Eltern sind beide sehr musikalisch, zwar nicht professionell, aber Musik war immer ein wichtiges Thema zu Hause. An Weihnachten oder auch an Geburtstagen haben wir immer musiziert und das hat eigentlich Tradition bis heute.

Wie waren Ihre ersten musikalischen Schritte dann?

Meine ersten Schritte begannen mit etwa sechs Jahren mit Klavierunterricht sowie Klarinettenunterricht bei Heinrich Braun an der Musikschule Radolfzell. Ich habe dann viel Kammermusik gespielt. Als Pianist hatte ich meinen ersten Auftritt in Radolfzell. Es gab dann immer wieder sehr schöne Gelegenheiten im Bodenseeraum aufzutreten, unter anderem auch als Solist. Meiner ehemaligen Klavierlehrerin Viktoria Posina verdanke ich sehr viel bei diesen frühen Erfahrungen.

Was genau haben Sie in Aspen in Amerika gemacht?

In Aspen gibt es jeden Sommer ein sehr renommiertes internationales Musikfestival, das Aspen Music Festival, wo ich zunächst als conducting fellow in der American Academy of conducting eingeladen war. Einen Sommer lang hatte ich die Gelegenheit, in einer wirklich traumhaften Kulisse in den Bergen von Colorado zu studieren. Am Ende meines zweiten Sommers habe ich dann einen wichtigen Preis gewonnen und wurde als assistant conductor engagiert.

Wie sieht Ihre Arbeit in Berlin aus?

Ich bin am Haus als Kapellmeister und als musikalischer Assistent hauptsächlich in den neuen Opernproduktionen dabei. Das heißt, ich dirigiere oft die szenischen Proben – das sind die Proben, in denen der Regisseur die Oper erarbeitet –, probe mit dem Orchester der Deutschen Oper, assistiere Generalmusikdirektor Donald Runnicles und dirigiere meine eigenen Vorstellungen.

Haben Sie noch andere Engagements in diesem Jahr?

Ich darf diesen Sommer zu den Bayreuther Festspielen, um Christian Thielemann bei "Tristan und Isolde" zu assistieren, ebenso bin ich bei Wagners "Die Walküre" als Assistent dabei. Neben meinem Engagement in Berlin mache ich im September eine Opernproduktion – "Italiana in Algeri" von Rossini am Auditorio de Tenerife in Spanien und 2019 führen mich dann Engagements nach Bologna, Padova und zum Rossini Opera Festival nach Pesaro.

Wie stellen Sie sich Ihre weitere Zukunft vor?

Ich möchte das riesige Repertoire an Opern und Sinfonien lernen und dirigieren, vor allem gut dirigieren. Ich denke, dann ergibt sich auch alles Weitere dementsprechend.

Gibt es Schöneres als sein Hobby zum Beruf zu machen?

Nein. Es macht mir alles eine große Freude und ich fühle mich sehr wohl in Berlin. Die Natur vom Bodensee jedoch findet man so schnell nicht wieder und ich freue mich deshalb jedes Mal, wenn ich zu Besuch komme.

Fragen: Marina Kupferschmid

Zu Person und Werdegang

  • Zur Person: Nikolas Maximilian Nägele ist am 24. September 1987 in Radolfzell geboren und in Güttingen aufgewachsen. Als Schüler war er mehrfacher Bundespreisträger bei Jugend musiziert. Er machte am Friedrich-Hecker-Gymnasium Abitur. Sein Studium schloss er in den Fächern Dirigieren, Klavier und Klarinette an den Musikhochschulen München und Leipzig ab.
  • Werdegang: Auf Einladung seines Lehrers und Mentors Robert Spano war Nikolas Maximilian Nägele in den Jahren 2012/13 conducting fellow des Aspen Music Festivals in Amerika. Dort gewann er den James-Conlon-Conducting-Prize und den Aspen-Conducting-Prize. Es folgte ein Engagement als assistant conductor des Aspen Music Festivals 2014 und sein Amerika-Debüt mit dem Aspen Philharmonic Orchestra. Ebenso war er in den USA im Jahr 2013 Finalist beim "Sir Georg Solti Conducting Competition" des Chicago Symphony Orchestra. Bereits während seines Studiums erhielt er erste Engagements als Kapellmeister am Oldenburgischen Staatstheater. Dort leitete er Vorstellungen von "Carmina Burana", "Barbier von Sevilla", "La Dame Blanche", Konzerte und Ballette sowie "Die Zauberflöte" als Gast am Landestheater Detmold. 2017 wirkte Nägele als musikalischer Assistent von Christian Thielemann bei den Salzburger Osterfestspielen für "Die Walküre" und debütierte in Italien mit "Gianni Schicchi" beim Festivale della Valle d'Itria in Martina Franca. Zuvor führte ihn ein zweijähriges Engagement als Dirigent und Pianist an das Young Artist Programm der Opera di Firenze, wo er am Teatro Goldoni "Hänsel und Gretel" dirigierte. Mit dem gleichen Stück gastierte der Dirigent auch an der Staatsoper Hannover. Seit der Spielzeit 2017/2018 ist Nikolas Maximilian Nägele Kapellmeister und musikalischer Assistent an der Deutschen Oper Berlin. Hier leitet er die Vorstellungen von "Die Zauberflöte", "Der Barbier von Sevilla", "Carmen" und "Die Fledermaus".