Die Flüchtlingssituation entwickelt sich nach wie vor rasant. Zuerst leerten sich die Erstaufnahmelager, jetzt die Notunterkünfte, bald die Gemeinschaftsunterkünfte. So die Prognose. Die Prognose sagt auch: Für diese Plätze brauchen wir eine Anschlussunterbringung. Während der Gesetzgeber insbesondere für die Notunterkünfte Beschränkungen außer Kraft gesetzt hat und ihre Einrichtung selbst in Gewerbegebieten erlaubt, steht diese Möglichkeit für die Anschlussunterbringung nicht mehr offen. Doch zur Anschlussunterbringung sind Städte und Gemeinden verpflichtet.

Es trifft die Kommunen mit besonderer Härte, die dem sozialen Wohnungsbau in der Vergangenheit so gut wie keine Beachtung geschenkt haben. Das sind nicht wenige und dazu zählt Radolfzell. Es wäre fatal, wenn die Stadt – die Verwaltung und der Gemeinderat – jetzt den Eindruck erwecken würden, sie kümmere sich in Zeiten eines umkämpften Wohnungsmarkts nur um die Anschlussunterbringung. Sie muss zügig ein Angebot entwickeln, das auch Bevölkerungsgruppen mit geringerem oder normalen Einkommen eine Chance auf Wohnen lässt. Wer Anschlussunterbringungen auf Spielplätzen plant, schürt Sozialneid und produziert Kopfschütteln. Wo Sozialneid entsteht und der Eindruck einer unfairen Behandlung sich verfestigt, liegt die Bereitschaft nahe, sich rechten Alternativen zuzuwenden.

Der hin und wieder aufflackernde Trotz in Verwaltung und Gemeinderat, einen einmal eingeschlagenen Weg stur fortzusetzen, spielt diesen Kräften in die Hände. Alle Vorschläge für die Anschlussunterbringung gleichzeitig auf den Tisch zu legen und sie miteinander abzuwägen, wäre transparent und eine vertrauensbildende Maßnahme. Vielleicht ist dann eine Entscheidung für eine große Mehrheit nachvollziehbar. Die Menschen in der Stadt Radolfzell sind durchaus vernunftbegabt, guten Argumenten gewogen und ja, sie sind diskussionsfreudig. So hat die Interessengemeinschaft Strandbadstraße mit ihrem Einsatz für den Spielplatz gezeigt, dass man mit Anstand, offen und sachlich für seine Sache eintreten kann, ohne Populisten eine Plattform zu bieten. Es wäre schön, ein Wohnungsbau für alle entwickelte sich in der Stadt rasant.