Radolfzell – Und der Sieger ist – ein Raumschiff. So hat es Sozialbürgermeisterin Monika Laule bei der Präsentation des Architektenwettbewerbs für das neue Pflegeheim "Hospital zum Heiligen Geist" auf der Mettnau beschrieben. Allerdings nicht wie ein gelandetes, sondern eines, "das schwebt". Laule bescheinigt dem Gewinner-Entwurf des Büros GMS Freie Architekten mit Niederlassungen in Isny und Friedrichshafen eine "einfache, schlichte Präsentation", die die Herausforderung mit der Hanglage auf der Mettnau am besten gemeistert habe.

Drei Obergeschosse auf den gläsernen Erdgeschoss-Sockel

Das sei die größte Herausforderung für die acht am Wettbewerb beteiligten Architekturbüros gewesen, erläuterte Thomas Nöken vom Baudezernat der Stadtverwaltung: "Wie bringe ich geforderte 4500 Quadratmeter Nutzfläche auf einem Grundstück mit 3300 Quadratmetern Fläche unter?" Die Architekten aus Isny und Friedrichshafen entschieden sich für einen zurückgesetzten Sockel mit Glasfronten im Erdgeschoss (siehe Grafik) für Café, Tagespflege und Empfangsbereich und drei Obergeschossen für den Pflegebereich mit den Wohngruppen und Einzelzimmern. Um möglichst alle Bereiche mit Tageslicht zu versorgen, haben die Architekten für die Obergeschosse zwei Lichthöfe eingeplant, die als Fensterfront für die Wohn- und Esszimmer der Wohngruppen dienen.

Bild: Bernhardt, Alexander Redaktionsgrafik

Herausforderung Geländesprung

Architekt Edwin Heinz vom Preisträger-Büro GMS berichtet, dass die Topografie die Herausforderung beim Erarbeiten des Entwurfs gewesen sei. Das Hangrundstück liegt unterhalb des Krankenhauses in Richtung Strandbadstraße: "Wir haben uns sehr schwergetan mit dem Geländesprung." Der neue Baukörper solle ja nicht "die Nachbargebäude erschlagen". Beim Raumprogramm habe sie das Gefühl beschlichen, das werde zu mächtig. Heinz: "Deshalb haben wir das Erdgeschoss mit einer Glasfuge aufgerissen und viele Ausblicksituationen geschaffen."

Preisgericht hat einstimmig entschieden

Die gefundene Lösung bezeichnen Laule wie Nöken als die beste aller acht eingereichten. "Und das mit Abstand", die Wettbewerbs-Jury habe die Entscheidung einstimmig getroffen. Bauverwaltungs-Chef Nöken glaubt, "dass die Aufteilung der Pflegebereiche und der Versorgung eine hohe Wirtschaftlichkeit auch später im Betrieb erwarten lasse." Das Preisgericht habe einstimmig empfohlen, diesen Preisträger auch mit dem Projekt zu beauftragen. Heimleiter Markus Bonserio, der auch der Jury angehörte, bestätigt: "Das wird ein tolles Zukunftsprojekt."

Jetzt müssen Stiftungsrat und Gemeinderat entscheiden

Ob es das wird, darüber muss der Stiftungsrat und Gemeinderat – beide sind identisch besetzt – der Stadt Radolfzell entscheiden. Zuerst muss der Stiftungsrat grünes Licht für die Finanzierung geben und die Gebäude Seestraße 44 (Tagespflege) und Poststraße 15 (Pflegeheim Heilig Geist) aus dem Eigentum des Spitalfonds zum Verkauf freigeben. Dieses Geld braucht die Stiftung Spitalfonds, um die nötige Eigenkapitalquote von über 60 Prozent für den Neubau des Pflegeheims zu bekommen. Dessen Kosten schätzt die Stadtverwaltung auf 13,8 Millionen Euro.

Beschließt der Stiftungsrat den Verkauf der Gebäude, muss der Gemeinderat entscheiden, ob die Stadt die Poststraße 15 kaufen soll. Viele Stadträte haben bisher signalisiert, dass für sie nur dieser Weg infrage kommt. Dann wäre die Finanzierung gesichert "und der Stiftungsrat könnte die Aufrtagsvergabe an den ersten Preisträger beschließen", so Laule. Die Entscheidungen sollen am 10. Juli fallen.