Junge Familien in Böhringen können aufatmen. Das seit sechs Jahren geplante Kinderhaus als Ersatz für den sanierungsbedürftigen städtischen Kindergarten in der Freiherr-vom-Stein-Straße gewinnt an Fahrt. Mit dem Bau des 3,8-Millionen-Euro-Projekts direkt daneben im Neubaugebiet Hübschäcker soll im Frühjahr 2019 begonnen werden, sodass das Kinderhaus im September 2020 in Betrieb genommen werden kann. Es ist als dreigruppige städtische Einrichtung für altersgemischte Gruppen mit Kindern von zwei bis sechs Jahren und Ganztagesangebot vorgesehen. 64 Kinder sollen darin Platz finden. Der bestehende Kindergarten wird bis zur Fertigstellung weiter betrieben und dann abgerissen. Das Grundstück dient als Außenspielbereich für das neue Kinderhaus. Bis er fertig angelegt ist, wird der direkt angrenzende neue öffentliche Spielplatz als Zwischenlösung genutzt.

Gerhard Schöpperle vom Fachbereich Hochbau bezeichnete die Pläne des Konstanzer Architekturbüros Bauraum Gmbh bei der Vorstellung im Böhringer Ortschaftsrat als "gelungene Sache". Sie sehen auf 800 Quadratmetern Grundfläche ein energieeffizientes eingeschossiges, in Teilen eineinhalbgeschossiges Gebäude in Massiv- und Holzbauweise vor. Grundschnitt und Raumprogramm böten optimale Abläufe und Voraussetzungen für die pädagogische Arbeit.

Dazu gehört beispielsweise, dass jede Gruppe ihre komplett eigenen Räume hat, es einen separaten Abholbereich gibt, der Störungen vermeidet, einen in sich abgeschlossenen Verwaltungsbereich mit Räumen für Elterngespräche, Leitungsbüro, Rückzugsmöglichkeiten der Erzieherinnen in der Mittagspause sowie von außen zugängliche Technikräume. Jede Gruppe hat einen direkten Zugang zur überdachten Terrasse und zur "Piazza Bambini", einen gemeinsam nutzbaren Innenhof als Spielbereich, der eineinhalb Geschosse hoch und mit einer Photovoltaikanlage belegt ist, die Strom für den Eigenverbrauch erzeugt.

Bei der Ausrichtung wird der Sonnenstand berücksichtigt

Stolz ist man auf die von außen zugängliche sogenannte "Matschschleuse" mit separatem WC und Umkleide, wodurch Schmutz draußen bleibt. Froh zeigte sich Anette Hemmie, Leiterin der Kindertagesbetreuung der Stadt, dass es gelungen sei die Gruppenräume nach Osten hin auszurichten. Damit könne die Morgensonne genossen und eine Aufheizung der Räume durch starke Mittagssonne vermieden werden.

Dass in den Plänen eine mögliche nachträgliche Erweiterung berücksichtigt ist und jederzeit bei laufendem Kindergartenbetrieb durch einen Anbau im Nordwesten realisiert werden kann, kam bei den Ortschaftsräten besonders gut an. In Böhringen ist mit dem Kinderhaus zusätzlicher Bedarf abgedeckt, der sich durch die Erweiterung des Neubaugebietes Hübschäcker ergibt. "Wir haben deshalb bewusst entschieden, nicht von Anfang an in die Vierzügigkeit zu gehen. Wir wissen aber nicht, wie die Entwicklung in fünf Jahren ist. In der Kernstadt sind wir in der prekären Situation, dass Familien, die hierher ziehen, aktuell keine Chance auf einen Kindergartenplatz haben", erklärte Anette Hemmie.

Ortschaftsrat Peter Lingg kritisiert geplantes Flachdach

Obwohl sich die Räte von den Plänen sehr angetan zeigten, wurde kritisch nachgefragt. Peter Lingg etwa ist nicht begeistert vom geplanten Flachdach. "Da sind wir gebrannte Kinder", spielte er auf die schlechten Erfahrungen mit dem Dach am Kindergarten St. Nikolaus an. Auch monierte er die "hohen Baukosten des Kinderhauses von 4400 Euro pro Quadratmeter Grundfläche".

Dazu erklärte Architekt Gerhard Meier, dass der Vorentwurf 230 000 Euro für Unvorhergesehenes inklusive 70 000 Euro für die jährliche Teuerung nach Baubeginn 2018 enthalte. Wie Gerhard Schöpperle mitteilte, erwartet die Stadt noch 195 000 Euro Zuschuss vom Land aus dem Kinderbetreuungsprogramm. Der Ortschaftsrat sprach sich einstimmig dafür aus, das Kinderhaus auf Basis dieser Entwurfsplanung und Kostenberechnung zu realisieren. "Das gibt eine tolle Sache für Böhringen", erklärte Ortsvorsteher Bernhard Diehl zufrieden. Am kommenden Dienstag entscheidet der Gemeinderat.